Wenn der Lastwagen selbst bremst
Bild: Bussieweke
Trotz aller Routine kostet es Steffen Martin immer wieder Mut, den Notbrems-Assistenten vorzuführen. „Als Fußgänger oder Radfahrer braucht man dabei ein gesundes Gottvertrauen“, sagt Detlev Kahmen, Geschäftsführer der Spedition Kahmen.
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Ein bisschen nervös ist Steffen Martin schon, als der Lkw auf ihn zufährt. Und das, obwohl er in das eingebaute System vertraut und es schon unzählige Male vorgeführt hat. Aber wenn ein Laster selbst mit der geringen Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern frontal auf ihn zufährt und nur wenige Meter vor ihm zum Stehen kommt, verschafft ihm das immer ein mulmiges Gefühl.

Durch ein Radarsystem wird das Stauende erkannt

Am Steuer des mächtigen Vehikels sitzt Frank Stahlberger, sein Kollege von Mercedes-Benz. Die beiden sind sogenannte Truck-Trainer und zeigen, wie die von ihrem Unternehmen entwickelten Systeme funktionieren. Was die genau können: „Beispielsweise ein Stauende mittels Radar auf 200 Meter Entfernung erkennen. Und nicht nur das, gleichzeitig leiten sie auch eine Vollbremsung ein. Das funktioniert bei einer auf Autobahnen zulässigen Lkw-Höchstgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde“, erklärt Stahlberger.

Das ist laut Detlev Kahmen, Geschäftsführer der gleichnamigen Spedition, nicht die EU-Norm. Nach der sei es lediglich Pflicht, die Geschwindigkeit des Fahrzeugs auf 60 Kilometer pro Stunde zu reduzieren, also eine Teilbremsung einzuleiten. „Aber wir dachten, wir machen es richtig. Vor etwa 30 Jahren gab es einen schlimmen Unfall, bei dem einer unserer Fahrer beteiligt war“, sagt Kahmen. Es sei zwar nicht dessen Schuld gewesen, der Vorfall habe das Unternehmen aber nachhaltig geprägt. „Wir wollen das Risiko minimieren.“

„Am Ende sitzt immer noch der Mensch am Steuer“

Komplett vermeiden lassen sich Unfälle auch mit den Assistenzsystemen nicht. „Am Ende sitzt immer noch der Mensch am Steuer. In Situationen mit Fußgängern wird der Fahrer zwar eindringlich durch Warnlichter und einen Signalton gewarnt, bremsen muss er trotzdem selbst“, erklärt Ulrich Disselkamp von Mercedes-Benz. Das Fahrzeug leite in einem solchen Fall eine Teilbremsung ein und halte den Fahrer dazu an, selbst aufs Pedal zu treten.

Aber wieso funktioniert das System überhaupt mit Radar und nicht über Kameras, wie sie in modernen Autos verbaut werden? „Das ist zwar einfacher und braucht nicht so viel Rechnerleistung, ist aber zu sehr witterungsabhängig“, erklärt Stahlberger. Zurück zur Vorführung. Stahlbergers Kollege Steffen Martin wischt sich den Schweiß von der Stirn. Der Laster ist passend zum Stehen gekommen – wieder einmal. „Toi, toi, toi“, denkt er sich.

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