Wiedenbrücker liefert Idee für BVB-Buch
Bild: Sudbrock
Stolz ist Markus Langer auf das BVB-Buch, das eine literarische Auseinandersetzung mit dem Thema Fußball darstellt.
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Die Bundesligaspielzeit 2014/2015 hat sich als turbulente Achterbahnfahrt in den Köpfen der Spieler und Anhänger eingebrannt. „Im Nachhinein betrachtet war die zurückliegende Saison der ideale Zeitpunkt für unser Buchprojekt“, betont Markus Langer, der seit 20 Jahren in Wiedenbrück lebt. Nach einer Zwischenstation beim Medienriesen Bertelsmann kam der heute 51-Jährige 2004 zum Degussa-Konzern, der 2007 zu Evonik wurde. Langer ist Marketingchef des Unternehmens, das seinen Sponsoringvertrag mit dem Bundesligisten Borussia Dortmund bis zum Jahr 2025 verlängert hat.

Literarisches Sponsoring

Die Partnerschaft beschränkt sich jedoch nicht nur auf Banden- und Trikotwerbung. „Die Marke Evonik steht für Kreativität, weil wir für unsere Kunden aus der Automobil-, Pharma- und Kosmetikbranche passgenaue Lösungen entwickeln“, sagt Langer. Das wolle man auch den Fußballfans näherbringen. „Deshalb haben wir uns dazu entschieden, mit einem ungewöhnlichen Buch über den BVB neue Wege des Sponsorings zu beschreiten.“

„Überwältigende Resonanz“

Die Idee dazu kam dem Wiedenbrücker nach einem Besuch der Berliner Schriftstellerin Monika Maron im Stadion. Die Autorin, die sich zu DDR-Zeiten kritisch mit der Umweltverschmutzung in der Industriestadt Bitterfeld auseinandersetzte und deshalb beim SED-Regime nicht sonderlich gelitten war, erwies sich als heimlicher Fußballfan. Ihre Eindrücke aus der BVB-Arena brachte sie zu Papier – und Markus Langer sorgte dafür, dass ihr Essay mit der Überschrift „Jetzt also doch“ zeitnah online zu lesen war. „Mehr als 12.000 BVB-Fans haben den Text angeklickt“, weiß Langer durch die Auswertung der Internetstatistik. „Die Resonanz war überwältigend gut, obwohl Schriftsteller und Fußballfans nicht zwangsläufig zusammenpassen.“

Der Testballon ebnete die Bahn für ein Buchprojekt in Zusammenarbeit mit Moritz Rinke (Jahrgang 1967), einem der erfolgreichsten Schriftsteller seiner Generation und überdies ausgewiesenen Fußballexperten. Rinke knüpfte als Herausgeber den Kontakt zu Mitgliedern der DFB-Autorennationalmannschaft, einem Zusammenschluss von Schriftstellern aus ganz Deutschland, die in ihrer Freizeit gern selbst das runde Leder kicken.

4000 Zeichen pro Heimspiel

„Die Spielregeln für das Buch standen von vornherein fest“, erklärt Markus Langer. Der Marketingchef des Chemiekonzerns und BVB-Sponsors Evonik hatte die Losung ausgegeben, dass sich zu jedem Heimspiel der Borussia in der Bundesligasaison 2014/15 ein anderes Mitglied der Schriftsteller-Nationalmannschaft im Signal-Iduna-Park unter die Fans mischen sollte. Der Auftrag: Stimmung, Spiel und Stadionatmosphäre aufsaugen und das Erlebte anschließend binnen 48 Stunden in maximal 4000 Zeichen literarisch verarbeiten.

Herausgekommen sind mehr als 30 Kurzgeschichten, Essays und Gedichte, die auf insgesamt 240 Seiten Einblick in das turbulenteste Jahr der jüngeren Vereinsgeschichte geben. „Wer das Buch liest, weiß am Ende zwar immer noch nicht, wie der BVB in die Abstiegskrise geraten konnte“, sagt Markus Langer. „Aber er versteht, warum das Stadion selbst dann noch ausverkauft war, als die Elf um den damaligen Trainer Jürgen Klopp zielsicher auf den letzten Tabellenplatz zusteuerte.“

„Es war eine furchtbare Zeit“

Einen Gastbeitrag hat der ehemalige BVB-Spieler Oliver Kirch verfasst, der kürzlich zum SC Paderborn gewechselt ist. Er beschreibt darin die wohl längste Winterpause, in die sich der Bundesligist nach einer verpatzten Hinrunde jemals verabschieden musste. „Es war eine furchtbare Zeit. Ich kann mich noch ganz genau an das Gefühl erinnern, mit dem wir in die Feiertage gingen. Es war weder Angst noch Panik. Es war Scham. Uns war das einfach alles unheimlich peinlich. Als Mannschaft, die für die Champions League zusammengestellt worden war, plötzlich ganz unten dabei zu sein“, schreibt Kirch in dem Weiß auf Schwarz gedruckten Kapitel, das mit dem Titel „Am Nullpunkt“ überschrieben worden ist.

7000 Exemplare bereits verkauft

Auch wenn die mehr schwarze als gelbe Saison längst Geschichte ist und Trainer Klopp inzwischen beim FC Liverpool angeheuert hat: Das Buch „Man muss ein Spiel auch lesen können“ verkauft sich seit seiner Veröffentlichung Ende August dennoch wie geschnitten Brot. Von den 11.000 gedruckten Exemplaren sind 7000 schon an den Mann (oder die Frau) gebracht worden. „Das Buch ist zeitlos“, kennt der geistige Vater Markus Langer aus Wiedenbrück das Erfolgsgeheimnis. „Denn es erzählt nicht nur von einer von Niederlagen gekennzeichneten Saison, sondern von einem Lebensgefühl, wie es im bundesdeutschen Fußball einzigartig ist: Die BVB-Arena als Schmelztiegel großer Gefühle.“

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