Wiedenbrücker prägen BuGa in Erfurt
Gemüse auf der Gartenschau? „Das geht“, sagen Laura Heuschneider und Elmar Pröbsting. Mit ihrem Beitrag zur Bundesgartenschau 2021 wollen die Landschaftsplaner aus Rheda-Wiedenbrück an die in Erfurt einst weit verbreitete Tradition des Erwerbsgartenbaus erinnern.

Das Büro mit Sitz an der Heinrich-Püts-Straße in Wiedenbrück hat den Wettbewerb zur Gestaltung eines zentralen Teils des künftigen Bundesgartenschau-Areals gewonnen: Die Geschäftsführer Laura Heuschneider und Elmar Pröbsting werden gemeinsam mit ihrem fünfköpfigen Team die historische Zitadelle auf dem Petersberg im Herzen der Erfurter Altstadt völlig neu in Szene setzen.

Wiedenbrücker Büro setzt sich durch

Das sechs Hektar umfassende Gelände war in der Preußenzeit und während der deutsch-deutschen Teilung militärisches Sperrgebiet. „Deshalb war es trotz seiner exponierten Lage lange Zeit selbst für eingefleischte Erfurter ein weißer Fleck auf der Landkarte“, erläutert Laura Heuschneider. Die Fläche im wahrsten Wortsinn wieder erlebbar zu machen, sei deshalb eine reizvolle Aufgabe. „Wir schaffen dort einen innerstädtischen Platz von hoher Aufenthaltsqualität auch für künftige Generationen“, erklärt Pröbsting.

Genau genommen gab es im Vorfeld der Ausschreibungen für die Bundesgartenschau sogar zwei Wettbewerbe für das Petersberg-Areal. Bei dem einen stand die Reaktivierung der Brachfläche durch gestalterische Maßnahmen im Vordergrund, bei dem anderen ging es um zeitlich befristete touristische Anziehungspunkte für die Monate der Großveranstaltung. In beiden Fällen konnte sich das Rheda-Wiedenbrücker Büro durchsetzen. Damit kommt die bevorstehende Neugestaltung des Petersbergs komplett aus einer Hand.

Gemüse wächst zwischen Befestigungsmauern

An den Hängen zwischen den historischen Befestigungsmauern der ehemaligen Militäranlage sollen demnächst Blumenkohl, Fenchel, Möhren sowie andere Gemüsesorten wachsen und gedeihen. „Damit wollen wir an die Tradition des früher in Erfurt weit verbreiteten Erwerbsgartenbaus erinnern“, beschreibt Laura Heuschneider das Konzept.

Spazierpfade schlängeln sich künftig zwischen den großflächigen Beeten hindurch. Wer mag, soll Teile der Wegstrecke auch besonders schwungvoll zurücklegen können: nämlich auf Rutschen, die die Topographie der Hanglage ausnutzen und unterstreichen. Abseits der Bastionsmauern befindet sich das obere Plateau mit grandiosem Ausblick auf die Altstadt. Dort sollen kleine Garten- und Parkanlagen den Wandel der Grünflächengestaltung im Lauf der Jahrhunderte dokumentieren.

Blaues Stoffband als roter Faden

„Als verbindendes Element wird sich ein blaues Stoffband durch die kleinen Parkanlagen und über die Spazierwege ziehen“, wagt Laura Heuschneider einen Blick in die Zukunft. Bei der Farbwahl haben sie und ihr Kollege Elmar Pröbsting nichts dem Zufall überlassen: „Das Blau erinnert an das Färberwaid, das einst in Erfurt und Umgebung angebaut wurde und der Stadt zu enormem Reichtum verhalf“, informiert Pröbsting.

Über Jahrhunderte diente die eigentlich aus Westasien stammende Kulturpflanze als Ausgangsstoff für das Indigoblau, das unter anderem zum Färben von Kleidungsstücken Verwendung fand. Jetzt kehrt sie nach Erfurt zurück – als blaues Band.

Menschen mit Blumen betören

Menschen mit Blumen zu erfreuen und gestalterische, mitunter sogar stadtbildprägende Elemente von bleibendem Wert zu schaffen, das ist nach eigenem Bekunden die Antriebsfeder für Laura Heuschneider. „Wenn unsere Arbeit den Besuchern in positiver Erinnerung bleibt oder sie deswegen sogar ein zweites Mal auf das Gelände kommen, dann haben wir unser Ziel erreicht“, sagt die gebürtige Lübbeckerin. Gerade bei Gartenschauen gehe es auch darum, einen Blick in die Zukunft zu wagen. „Wir wollen mit unseren Beiträgen zeigen, was technisch möglich ist und wohin gestalterisch die Reise geht“, sagt Elmar Pröbsting, der aus Lüdinghausen stammt.

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