Wohnen auf altem Michels-Gelände
Lange eine ungenutzte Brache, soll das Gelände des ehemaligen Kabelwerks Michels im St. Viter Ortskern vielleicht schon vom kommenden Sommer an in ein Wohn- und Mischgebiet umgewandelt werden.

Baudezernent Gerhard Serges zeigte sich während einer Bürgerversammlung am Montagabend im Vitushaus zuversichtlich, dass schon im Frühling mit der Erschließung des Areals begonnen wird.

Vermarktung ab Sommer 2012

Die Vermarktung der ersten Baugrundstücke sei ab Sommer 2012 realistisch, erklärte Serges. „Voraussetzung ist natürlich, dass alles nach Plan läuft.“ Danach sieht es zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber aus. Denn die Zukunftspläne für die Michels-Brache, die Stadtverwaltung und das Rhedaer Büro Tischmann-Schrooten am Montagabend vorstellten, stießen beim Großteil der anwesenden Dorfbewohner auf offene Ohren.

Bürger und Behörden werden gehört

Das Aufstellungsverfahren befinde sich noch in einem frühen Stadion, betonte Serges. Die Anwohner hätten jetzt ebenso wie die rund 25 von der Stadt angeschriebenen Behörden und Träger öffentlicher Belange (wie beispielsweise Stromversorger) Gelegenheit, zu den Michels-Plänen Stellung zu nehmen und gegebenenfalls Kritik und Änderungswünsche vorzubringen. Dennoch sei es das Ziel der Stadtverwaltung, „das ganze Verfahren relativ zügig voranzubringen“. Gerhard Serges verwies auf die „vergleichsweise lange Vorlaufzeit“, seit der das riesige Michels-Areal eine ungenutzte Brachfläche mitten im Ortskern ist.

Blinder Fleck soll von der Landkarte verschwinden

Das soll sich möglicherweise schon im Jahr 2012 ändern, wie Tanja Schrooten vom Planungsbüro Tischmann-Schrooten am Montagabend im Vitushaus erläuterte. Schon während der Aufstellung des Dorfentwicklungskonzepts vor zwei Jahren sei es der Wunsch vieler beteiligter Bürger gewesen, das Gelände „wieder an den belebten Teil des Ortes anzugliedern“. Der frühere Standort des Kabelwerks dürfe nicht länger ein „blinder Fleck“ auf der Landkarte sein.

Michels will schnell verkaufen

So sieht es übrigens auch Otto Michels, dessen Cetus GmbH inzwischen im Besitz eines Großteils der Flächen ist, für die der neue Bebauungsplan aufgestellt werden soll. „Mein Ziel ist eine gelungene und höherwertige Gestaltung des Dorfkerns“, sagte er. Er wolle seine Baugrundstücke, auf denen etwa 20 Wohnhäuser errichtet werden könnten, „so schnell wie möglich verkaufen anstatt fünf Jahre auf absolute Höchstpreise zu hoffen“.

Platz für Wohn- und Geschäftshäuser

Noch längst sind nicht alle Details festgezurrt, aber die Marschrichtung steht: Auf dem Gelände des ehemaligen Kabelwerks Michels soll nicht nur Wohnen ermöglicht werden, sondern auch eine so genannte Mischbebauung: Auf diesen Parzellen wären Wohn- und Geschäftshäuser, Arztpraxen, Büros, Ladenlokale oder auch betreutes Wohnen denkbar.

Klare Kante zeigen

Mischbebauung sieht der Plan für die Grundstücke in erster Reihe an der Stromberger Straße sowie an Vitus- und Kleestraße vor. Im Inneren des fast quadratisch geschnittenen Neubaugebiets sollen ausschließlich Einzel- und Doppelhäuser zugelassen werden. Was entlang der Klee- und der Vitusstraße nur eine Option ist, soll längs der Stromberger Straße zur Bedingung werden: „Eine zweigeschossige Bauweise wird dort für die vorderen Grundstücke vorgeschrieben“, erläuterte die von der Stadt beauftragte Planerin Tanja Schrooten. Ziel sei es, entlang des Trassenverlaufs eine „deutliche Raumkante“ zu schaffen, die die Bedeutung der Stromberger Straße als St. Viter Hauptverkehrsader unterstreiche. 5,5 bis 6,5 Meter Traufhöhe sind die zwingende Konsequenz.

Im Inneren des Baugebiets „Im Dorf“ sollen Wohnhäuser dominieren. „Dabei gilt auf Grundstücken, die direkt an der noch zu errichtenden Erschließungsstraße liegen, eine Satteldachneigung von 45 Grad, was eine Traufhöhe von maximal 4,5 Metern und eine Firsthöhe von allenfalls 9 Metern mit sich bringt“, erklärte Planerin Tanja Schrooten.

Mehr Freiheit auf hinteren Grundstücken

Mehr Spielraum will man Bauherren lassen, die eines der eher verdeckt zur Straße liegenden hinteren Grundstücke erwerben. „Hier gibt es eine gewisse Freiheit“, sagte Technischer Beigeordneter Gerhard Serges. Sattel-, Zelt- und Pultdächer mit Neigungen zwischen 10 und 45 Grad seien erlaubt, wodurch auch alternative Baustile umsetzbar seien.

Von der 45-Grad-Neigung für vordere Grundstücke will Serges jedoch nicht abweichen: „Steile Dachneigungen sind typisch für Dörfer wie St. Vit. Sie stellen den augenfälligsten Unterschied zu den Siedlungen in den Vorstadtbereichen dar.“ Auf dieses verpflichtende Vorgabe solle daher nicht leichtfertig verzichtet werden, empfahl Serges.

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