Zermalmte Zehen 10 000 Euro wert

10 000 Euro Schmerzensgeld hat die Neunte Zivilkammer des Bielefelder Landgerichts einem 19-Jährigen für den vollständigen Verlust eines sowie die Teilamputation zweier weiterer Zehen anerkannt.

Bei einem Praktikum in dem Unternehmen Happe-Bauzentrum in Rheda war dem damals 15 Jahre alten Ernst-Barlach-Realschüler ein Gabelstapler über den Fuß gerollt. Das Pikante: Am Steuer saß sein Cousin.

Mindestens 25.000 Euro sowie die Übernahme sämtlicher weiterer Kosten in der Folge des Unfalls, sollten diese anfallen, hatte sich der Anwalt des Jugendlichen, Peter Rostek, als Zielmarke für den Gütetermin auf die Fahnen geschrieben („Die Glocke“ berichtete). Diese Forderung gegenüber dem Bauzentrum sah Richter Jörg Schröder allerdings als überzogen an. Darüber hinaus, so argumentierte er, habe die Schuld an dem Unglück nicht vorrangig bei dem Betrieb gelegen, sondern vielmehr auch bei dem Fahrer des Gabelstaplers.

Keine Sicherheitsschuhe getragen

Ob das Rhedaer Unternehmen überdies seine Fürsorgepflicht gegenüber dem Praktikanten nicht in ausreichender Form wahrgenommen oder gar gegen arbeitsrechtliche Schutzbestimmungen verstoßen hat, wurde bei dem Termin nicht näher beleuchtet. „Wäre es nicht zu einer Einigung gekommen, hätte man diesen Fragen sicherlich auf dem Beweisweg nachgehen müssen“, erklärte Peter Rostek auf Anfrage der „Glocke“. So aber verzichtete man auch auf die Vernehmung von Zeugen.

Was genau war seinerzeit geschehen? Der Schüler hatte 2014 ein Praktikum im Happe-Bauzentrum absolviert. Im Rahmen seiner Tätigkeiten half er dabei, in dem Lager des Unternehmens Fliesen für den Versand zu verpacken. Als sein Cousin, der dort als Auszubildender beschäftigt war, eine Palette mit dem Gabelstapler abfahren wollte, rollte er dem 15-Jährigen über den Fuß. Zum Verhängnis wurde dem Kläger, dass er keine Sicherheitsschuhe trug.

Kein Anspruch auf Nachforderungen

Richter Schröder schlug den beteiligten Parteien einen Vergleich in Höhe von 8000 Euro vor. Diese Summe stockte der Anwalt des Bauzentrums indes auf 10 000 Euro auf und bot des Weiteren an, dass das Unternehmen statt der zunächst anberaumten 40 Prozent die Hälfte der Prozesskosten übernimmt. Dieses Angebot wurde angenommen. „Dabei handelt es sich um einen Abfindungsvergleich. Damit ist ausgeschlossen, dass zu einem späteren Zeitpunkt ein Anspruch auf Nachforderungen geltend gemacht werden kann“, sagte Rostek.

Da das Gericht das Unglück als Schul- und nicht als Arbeitsunfall wertet, ist nach Auskunft des Anwalts gesichert, dass bei etwaigen gesundheitlichen Folgekosten für seinen Mandanten die Unfallkasse NRW als Unfallversicherungsträger der Schulen einspringt.

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