Zum 40. Mal beim Christkindlmarkt dabei
Bild: Wessel
Dampf steigt in der Holzhütte auf, als Konditor Peter Vorbohle aus Wiedenbrück das heiße Waffeleisen mit Teig befüllt. Seit 40 Jahren hat er einen Stand auf dem Christkindlmarkt.
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„Wer in unserem Beruf in der Weihnachtszeit nicht genug zu tun hat, hat irgendetwas falsch gemacht“, erklärt der Bäcker- und Konditormeister. Dennoch hat er sich damals zu einem Stand auf dem Christkindlmarkt überreden lassen – und verkauft seitdem in jedem Winter Waffeln, Stollen und Plätzchen auf dem Marktplatz. Der 67-jährige Wiedenbrücker ist das einzige Gründungsmitglied des Christkindlmarkts, das auch heute noch in dem kleinen Budendorf mit einem Stand vertreten ist. „Wie es im Leben eben so läuft“, sagt Peter Vorbohle, „einige haben ihr Geschäft aufgegeben oder sind in Rente gegangen, andere sind verstorben.“

Früher hatten Menschen anderes im Sinn

Der Geschäftsführer der Bäckerei und des Cafés Vorbohle steht selbst auch nicht mehr bei Wind und Wetter am Waffeleisen im Schatten von St. Aegidius und dem Weihnachtsbaum. „Darum kümmert sich mittlerweile mein Sohn“, erklärt er. Doch mehr als 30 Winter lang hat er selbst die Christkindlmarktbesucher mit frischem Gebäck an frischer Luft versorgt. Und das, obwohl er sich im Gründungsjahr niemals hätte träumen lassen, dass der Markt Erfolg haben würde. „Weihnachten in Wohlfühlatmosphäre – das war damals einfach noch kein Thema“, sagt Vorbohle. Sicherlich, der Nürnberger Christkindlesmarkt sei jedem ein Begriff gewesen. Doch die Landbevölkerung habe vor 40 Jahren anderes im Sinn gehabt.

Lebkuchen, Spekulatius, Christstollen, Marzipan und Hexenhäuschen – das war der Orbit, in dem Peter Vorbohles Gedanken als selbstständiger Bäcker und Konditor zu Weihnachtszeit kreisten. Nicht aber zusätzliche Arbeit auf einem Weihnachtsmarkt in Wiedenbrück. Der zu diesem Zeitpunkt 27-Jährige war damals schon mit der Verantwortung vertraut, mit einem eigenen Betrieb selbstständig zu sein. „Ich bin schon mit Anfang 20 eingesprungen, weil mein Vater früh verstorben ist“, erklärt er. Er habe Manfred Güth, in den 1970er-Jahren eine der treibenden Kräfte des Wiedenbrücker Gewerbevereins, zunächst schlichtweg abblitzen lassen. Doch offenbar hat Güth noch ein schlagendes Argument gefunden und Vorbohle heizte im Winter 1973 das Waffeleisen in seinem ersten Christkindlmarktstand an. „Es war sofort ein voller Erfolg“, berichtet er vom ersten Marktjahr.

Wiedenbrücker legten sich ins Zeug

Alle hätten sich von Anfang des Christkindlmarkts an mächtig für dessen Gelingen ins Zeug gelegt, „vor allem die Wiedenbrücker“, sagt Peter Vorbohle. Die seien nämlich lange Jahre mehr oder weniger die einzigen Besucher gewesen. Bevor die neuen Medien die Welt beschleunigten, brauchte es länger, bis lokale Geheimtipps bei den Massen beliebt wurden.

Doch offenbar hatte sich die heimelige Winteratmosphäre zwischen Fachwerkhäusern und tannenverzierten Marktständen selbst ohne Internet irgendwann zu TV-Sendern und überregionalen Zeitungen herumgesprochen. Denn die Besucher seien im Laufe der Jahre auch von weiter her gekommen, erinnert sich Peter Vorbohle. In 40 Jahren Christkindlmarkt haben er und seine Mitstreiter einiges erlebt und auf die Beine gestellt. „Es gab mal eine Rekordbratwurst auf einer großen Kabeltrommel“, erzählt Vorbohle und auch einer riesigen Tanne – ein Import aus Österreich oder Tirol – kann er sich entsinnen.

In einem anderen Jahr hätten winzige Metallreste von einer professionellen Waffeleisenreinigung immer wieder die komplette Stromversorgung einer Budenreihe lahmgelegt, sagt Vorbohle und lacht bei der Erinnerung. Eines allerdings sei immer gleich geblieben: der Ansturm auf frischgebackene Waffeln.

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