Zuschauer hautnah am Geschehen
Bild: Inderlied
Machtspiele: Die Päpstin Johanna (Janet Schmeken, r.) und der Gelehrte Aeskulapius (Peer Brändel), der sie als kleines Mädchen entdeckt und gefördert hat, müssen sich den Intrigen von Anastasius (Bastian Granas, l.) erwehren. Der machtbesessene Widersacher möchte mit allen Mitteln auf den Papstthron.
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Gebraucht hätte sie aber auch die neue Hauptdarstellerin Janet Schmeken, als sie sichtlich bewegt den stehenden Schlussapplaus der Zuschauer am Ende einer tollen Aufführung entgegennimmt. Dunkle Gestalten in Mönchskutten schreiten über den schmalen Bühnensteg. Nur das flackernde Licht ihrer Fackeln erhellt die Gesichter. Wenn die Hauptdarstellerin und ihre Seele in Gefahr sind, breiten Raben im mystischen, dunkelblauen Scheinwerferlicht ihre schwarzen Flügel aus.

Es geht düster zu auf der Bühne im Rheda-Wiedenbrücker Reethus bei der dritten Inszenierung des Musicals „Die Päpstin“. Genauso bedrückend ist die Geschichte der blitzgescheiten Dorfpriestertochter Johanna, die einen Spießrutenlauf erlebt. Sie ist wesentlich begabter als ihr Bruder Johannes (Eric Kunath). Weil sie aber ein Mädchen ist, wird Johanna von ihrem jähzornigen Vater (Friedel Domke) kleingehalten. Der reisende Gelehrte Aeskulapius (Peer Brändel) erkennt jedoch ihr Talent und bringt sie an die Domschule. Als ihr Bruder bei einem Überfall der Normannen ermordet wird, legt sie ihre Frauenkleider ab und gibt sich fortan als Mann aus. Viele Jahre später wird sie als Johannes Angelicus den Papstthron ersteigen. Als Kirchenoberhaupt, die im Verborgenen schwanger ist, wird sie Opfer der Intrigen von Anastasius (Bastian Granas) und Arsenius (Felix Büscher).

Die Laienschauspieler präsentieren das Stück in einem neuen Gewand. Man habe das Geschehen näher an das Publikum rücken wollen, erklärt der Regisseur Martin Grimmelsmann, der genau wie die Hauptdarstellerin Janet Schmeken in tragenden Funktionen aktiv ist. So erleben die Zuschauer die wichtigsten Szenen hautnah mit. Manch einem in den vorderen Reihen mag der Atem gestockt haben, als direkt vor ihren Augen zunächst der Bruder der Päpstin, Johannes (Sebastian Schendel), und später der Päpstin-Geliebte Gerold (Sebastian Elmers) ermordet wird. Die Ideen des neuen Regisseurs funktionieren, auch weil die Laienschauspieler ihre Rollen perfekt umsetzen und die Technik die Szenerie ein dramatisches Licht taucht.

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