Zwillinge sind keine Seltenheit
Bild: Frielinghaus
Einen Besuch stattete der achtjährige Maximilian Pieske diesem vor wenigen Wochen geborenen Lämmchen ab. Das Bild zeigt (v.l.) Maximilian Pieske und Maike Künnemerten.
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 Nicht selten sind es sogar zwei wollige Neugeborene, die sich im Stroh eng aneinander kuscheln. „Zwillingsgeburten kommen häufig vor“, erklärt der 25-jährige Schäfer. Gerade in ihren ersten Lebenstagen sind die Schafskinder staksig unterwegs. Ihre Beine und Klauen scheinen für den schlanken Körper viel zu groß zu sein. „Das liegt daran, dass sie langsamer wachsen als der Rest“, sagt Krause. Und auch sonst haben die Lämmer noch nicht viel mit ihren Müttern und weiteren Artgenossen gemein. Während die ausgewachsenen Schafe zurzeit ihre dicke, lockige Wolle tragen – geschoren werden sie erst, wenn es nachts nicht mehr friert, also nach den sogenannten Eisheiligen –, gleicht das Fell des Nachwuchses noch einem weichen, weißen Flaum.

Border Collie ist ständiger Begleiter

Mit der Aufzucht der Jungtiere hat Krause in der Regel nicht viel zu tun. Denn Schafe seien gewissenhafte Mütter. „Es sei denn, sie nehmen ihre Lämmer nicht an oder es kommt bei der Geburt zu Komplikationen, so dass die Muttertiere verenden oder eingeschläfert werden müssen“, sagt der 25-Jährige. Menschliche Ersatz-Mama ist in solchen Fällen seine Freundin Maike Künnemerten. Sie zieht die Vierbeiner dann eben mit der Flasche groß. Tragend sind Schafe 140 bis 150 Tage beziehungsweise fünf Monate, erklärt Krause. In der Zeit zwischen Dezember und April lammen sie. Dann bleibt die gesamte Herde im Stall. So könne er immer einen Blick auf die Muttertiere werfen. „Wenn etwas nicht stimmt, erkenne ich das in der Regel sofort und kann früh genug den Tierarzt verständigen“, sagt er.

Ständige Begleiterin des 25-Jährigen ist seine Border-Collie-Hündin Leika. Sie ist zum Hüten von Schafen ausgebildet. Mit ihrer Hilfe treib Krause seine Herde im Sommer – wenn es die Verkehrslage erlaubt – von einer zur nächsten Wiese. Sei die Strecke allerdings zu weit entfernt oder führe entlang vielbefahrener Straßen, verlade er die Schafe lieber auf den Viehanhänger. „Wie viele Kommandos Leika beherrscht, kann ich gar nicht sagen“, gesteht Krause. Für die Arbeit mit den Schafen seien es etwa sieben Pfiffe, denen sie, ohne zu zögern, Folge leiste. Das sei allerdings nur ein Bruchteil. Zudem gebe die Hündin viele Verhaltensweisen schon vor. Auch wenn die Schafe genüsslich im Stall ihr Heu fressen, passt Leika auf.

Nachwuchs scheitert an begrenzter Fläche

Hauptberuflich Maurer, nebenberuflich Schäfer: Obwohl seine Eltern nicht aus der Landwirtschaft kommen, ist  ihm bereits mit 13 Jahren klar gewesen, dass er Schäfer werden möchte, sagt Lars Krause. Angefangen habe er damals mit drei Schafen. „Mein Eltern dachten, das wären nur Flausen“, erinnert er sich. Mit der Vermutung lagen sie allerdings falsch: Heute besitzt der Wiedenbrücker mehr als 50 Vierbeiner, darunter Mutterschafe und ein Zuchtbock. Nach dem Schulabschluss eine Ausbildung in diesem Bereich zu absolvieren, dazu hätten ihm seine Lehrer abgeraten. „Hier in der Region haben es Schäfer schwer“, weiß der 25-Jährige. Grund dafür sei unter anderem die dichte Bebauung. Um von dem Beruf leben zu können, müsse man eine viel größere Schafsherde haben, als er sie besitze. „Unmöglich bei den begrenzten Wiesenflächen, die hier zur Verfügung stehen“, sagt er.

Anders sei das beispielsweise in Ostfriesland sowie an der Ost- und Nordsee. Dort könnten die Schafsherden im Sommer auf den kilometerlangen Grasstreifen am Deich grasen. Ein selten gewählter Beruf sei der des Schäfers aber nicht nur aus diesem Grund, weiß Krause: „In dem Job muss man sich auch mal schmutzig machen und das wollen die meisten Jugendlichen nicht. Sie suchen sich eher eine Ausbildung im Büro.“ Die Arbeitszeiten seien ebenfalls abschreckend. Ob haupt- oder nebenberuflich, Schafzucht sei immer aufwendig. „Man hat nie frei“, sagt der 25-Jährige. Feiertage und Wochenenden faul auf dem Sofa zu verbringen oder spontan in den Urlaub zu fahren, das könne er sich nicht leisten. Schließlich müssen die Vierbeiner zweimal täglich versorgt werden.

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