Aktivisten wollen Bäume vor Fällung retten
Bild: Schulte-Nölle
Mit Plakaten und Bannern haben sich am Sonntagmittag rund 40 engagierte Bürger für den Erhalt der Friedhofslinden eingesetzt. Organisiert worden war die Protestaktion von der Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz (GNU) im Kreis Gütersloh.
Bild: Schulte-Nölle

Wie berichtet, sollen dort sieben 80 bis 90 Jahre alte grüne Riesen gefällt werden. Der Beschluss des Kirchenvorstands löst bei den rund 40 Bürgern, die am Sonntag Plakate mit Parolen wie „Bäume ermöglichen Leben“ und „Bibel: Bäume sind heilig“ in die Luft reckten, absolutes Unverständnis aus. „Ein solch hohes Alter erreicht heute fast kein Baum mehr. Dabei sind gerade diese Exemplare aufgrund ihrer Größe und ihres Blattreichtums maßgeblich für die Sauerstoffproduktion verantwortlich“, machte GNU-Vorstandsmitglied Angelika Daum deutlich.

GNU: Neupflanzungen keine Lösung

Dass die Linden durch junge Bäume ersetzt werden sollen, wie Pfarrer Andreas Zander bereits in Aussicht gestellt hat, vermag für sie den drohenden Frevel an der Natur nicht zu heilen: „Für einen 100-jährigen Baum müssten 2700 neue gepflanzt werden, allein um die Sauerstoffproduktion des alten zu erreichen.

Das wären in Rietberg für die sieben Linden mindestens 14 000 neue Exemplare“, rechnet sie mit Blick auf Recherchen des Biologen sowie Garten- und Landschaftsarchitekten Aloys Bernatzky vor. Für die Umweltaktivistin steht daher fest: Die Kirche, die seit Jahrhunderten dafür eintritt, die Schöpfung zu bewahren, kann unmöglich wollen, dass den Friedhofslinden der Garaus gemacht wird.

Pfarrer: Totholz stellt Gefahr dar

Die Maßnahme ist laut Pfarrer Zander notwendig, weil die Baumriesen etwa durch herabfallendes Totholz eine Gefahr für Passanten darstellen. Darüber hinaus drücke ihr enormes Wurzelwerk die Gehwege hoch. Da sich Rietbergs letzte Ruhestätte in Trägerschaft des Pastoralverbunds befindet, ist dieser auch für die Verkehrssicherheit zuständig. Und das kann ins Geld gehen.

Müssen Pflegearbeiten geleistet werden, schlagen diese mit etwa 800 Euro pro Baum zu Buche, sagt Grünen-Ratsfrau Gabriele Siepen, die am Sonntag ebenfalls gegen die geplante Fällaktion demonstrierte. Als Baumschutzbeauftragte der Gemeinde Steinhagen weiß sie: „Das Abwerfen von Totholz gehört zur normalen Lebensäußerung eines Baums und betrifft daher nicht nur alte Exemplare.“ Die im Übrigen kerngesunden Linden aus Kostengründen niederzureißen, bezeichnete sie als zynisch. SPD-Chef Gerd Muhle wiederholte derweil seine Forderung nach einer Baumschutzsatzung. „Hätte sich Rietberg für eine solche Satzung ausgesprochen, würden wir heute hier nicht stehen müssen“, unterstrich er.

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