Altweiber übernehmen in Rietberg die Macht
Bild: Sudbrock
Süße Versuchung: Die Candy-Girls verwöhnten ihre Fans mit Lollis, Zuckerwatte und anderen kalorienreichen Köstlichkeiten.
Bild: Sudbrock

Doch der Ausblick auf fabelhafte Feen, knackige Candy-Girls und Badenixen im Bikini entschädigte die Herren der Schöpfung für alle Strapazen.

Altweiber in Rietberg – schöner kann Karneval kaum sein. Das gilt nicht nur für das einzigartige Flair der ehemaligen gräflichen Landeshauptstadt, sondern auch für die fantasievollen Kostüme der im Grunde überhaupt nicht bösen Närrinnen. Für den Tag ihrer Machtübernahme hatten sich die Jeckinnen aus den sieben Ortsteilen der Emskommune gehörig ins Zeug gelegt: 1716 von ihnen zogen gut gelaunt und farbenfroh verkleidet über die Rathausstraße.

Umzug mit mehr als 1700 Närrinnen

Ob es am vorfrühlingshaften Wetter lag oder an der vergleichsweise langen Karnevalssession: Mit 91 Gruppen war der Umzug deutlich größer als sonst. Und an den Straßenrändern verfolgten wesentlich mehr Zuschauer als in den vergangenen Jahren das närrische Treiben.

Geboten wurde den Zaungästen der femininen Übernahme der Rietberger Regierungsgeschäfte einiges. Wahrsagerinnen und Kartenspielerinnen, Schneeeulen und Nussknacker, Schnapsdrosseln und Indianerfrauen machten die Innenstadt unsicher.

Von Buchsbaumzünslern und fliegenden Händlern

Kein Anschluss unter dieser Nummer? Dass die Giebelstadt beim Zugang zum schnellen Internet nicht abgehängt wird, forderte eine Fußgruppe, die als riesiges Glasfasernetz daherkam. Dem nimmersatten Buchsbaumzünsler sagten gleich zwei Frauenformationen den Kampf an. Ihre Heckenscheren hatten sie direkt dabei.

Leere Ladenlokale, die einem jeden Einkaufsbummel verderben können, waren den Altweibern am Donnerstag ebenfalls ein Dorn im Auge. Eine Lösung zur Belebung der Innenstadt in der Ära nach dem Outlet hatten sie aber bereits parat: fliegende Händler, die mit Sack und Pack entlang der Rietberger Shoppingmeile ihre Zelte aufschlagen.

„Doppelte Doktorsche“

Wer jetzt noch immer an der Überlegenheit des vermeintlich schwachen Geschlechts zweifelte, wurde von Hildegard Humann, der Frau mit dem doppelten Doktortitel, eines Besseren belehrt.

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