André Kuper: „Das Amt in Demut ausüben“
Bild: von Stockum
Ihre Stimmen haben am Wahlsonntag Monika und André Kuper in der Rietberger Emsschule abgegeben. 
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Losgelöst vom Diktat des gefüllten Terminkalenders sitzen der Präsident des Landtags von Nordrhein-Westfalen und seine Frau nach der Stimmabgabe im Rietberger Eiscafé Venezia, löffeln Spaghettieis und versichern glaubhaft: Das Amt als Vorsitzender des Düsseldorfer Parlaments fordere auf der einen Seite, sei andersherum aber auch ungemein spannend. Kuper spricht weniger von dienstlichen Verpflichtungen als vielmehr von „Dingen, die ich erleben darf“. Die Liste der Funktionen und Gremien, in denen er Mitglied ist, ist ellenlang, jene mit den Zielen, die er sich gesetzt hat, nicht kürzer. „Einfach kann jeder“, sagt der 56-Jährige, der seit 2012 CDU-Parlamentarier in Düsseldorf ist und zuvor 15 Jahre hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Rietberg war.

Die NRW-Landes- ist der künftigen Bundesregierung einen Schritt voraus: Sie hat Praxiserfahrung im Umgang mit der AfD. André Kuper, der als Landtagspräsident zur fraktionsübergreifenden Neutralität verpflichtet ist, sieht sich in der Schiedsrichterrolle. Ein Parlament sei naturgemäß der richtige Ort des Streits. „Aber es muss sachlich und fair zugehen. Debatten müssen geprägt sein von gegenseitigem Respekt und müssen ohne persönliche Beleidigungen verlaufen.“ Ob der Empfang von 50 Generalkonsuln aus 30 Nationen, die Eröffnung der Tour de France, Besuche von Staatspräsidenten und Wirtschaftsgremien oder Personalangelegenheiten als Chef der 300-köpfigen Landtagsverwaltung – die Aufgaben, denen sich André Kuper in Düsseldorf stellt, sind vielfältig.

Um kurz nach 6 Uhr bricht er wochentags zur Fünf-Kilometer-Joggingrunde am Rhein entlang auf, ehe er keine anderthalb Stunden später an seinem Schreibtisch sitzt. Die Arbeitstage enden selten vor Einbruch der Dunkelheit. Gleichwohl empfindet der studierte Betriebs- und Verwaltungswirt das nicht als Last, sondern vielmehr als Chance und Herausforderung, der er sich gern stelle. Sein Ziel sei es, die Demokratie und gleichzeitig das Bewusstsein für ihren hohen Wert zu stärken. „Meinungs- und Pressefreiheit, Versammlungs- und Wahlrecht, Gleichberechtigung und vieles mehr sind Errungenschaften, die für uns selbstverständlich sind, anderswo in der Welt allerdings weniger“, weiß Kuper. So möchte er unter anderem das Besuchsprogramm im NRW-Landtag deutlich ausweiten. Jedes Kind, jeder Jugendliche Nordrhein-Westfalens solle mindestens einmal während seiner Schulzeit das Parlament in Düsseldorf kennengelernt haben.

Er wolle sein Amt in Demut ausüben, sagt ein bodenständig gebliebener André Kuper. Sein großzügiges Büro mit Blick auf den Rhein sei einzig den Repräsentationspflichten geschuldet. Denn im Grunde genommen mag es der Rietberger eher bescheiden: Wochentags lebt er in Düsseldorf in einem 20-Quadratmeter-Apartment in einem Abgeordnetenwohnheim. Wenn es auch zeitlich schwieriger geworden ist, sucht André Kuper den Kontakt zu den Menschen in seinem Wahlkreis und nimmt seine Pflichten als Parlamentarier wahr – denn das ist er schließlich auch noch: ein gewählter Volksvertreter. Er ist nach wie vor Mitglied des geschäftsführenden Fraktions- und Landesvorstands der NRW-CDU und „damit ständig im Dialog mit den Ministern, Staatssekretären und dem Ministerpräsidenten“. Als solcher, der zudem auch noch bestens vernetzt in Land, Bund und Teilen Europas, nimmt er die Anliegen aus Ostwestfalen mit an den Rhein, im Großen wie im Kleinen: „Ich bringe Menschen und ihre Anliegen zusammen. Auch das ist eine meiner Aufgaben“, sagt André Kuper der sich freut, dass sich erste Erfolge seines früheren Einsatzes zeigen: Die Abundanzumlage (sogenannter Kommunalsoli) welche die Kommunen im Kreis mit rund zwölf Millionen Euro pro Jahr belastete, wird jetzt abgeschafft.

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