Ausverkauf im Haus „Betonleiche“
Bild: Daub
In diesem Haus in Westerwiehe hatten die Tote und ihr Ehemann gewohnt. Letzterer hat nun vom Gefängnis aus eine Haushaltsauflösung organisiert.
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 Wer sich in Rietberg auskennt und die Anzeige gelesen hat, wusste sofort: Dort ist im April 2013 die einbetonierte Leiche von Marion L. gefunden worden. Jetzt ist Strafanzeige gegen den inhaftierten Ehemann der Toten gestellt worden. Er hatte offensichtlich bei einem ehemaligen Mithäftling den Verkauf des Hausinventars in Auftrag gegeben.

 Das Problem: Dazu war der Verurteilte Peter K., der in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld einsitzt, gar nicht berechtigt. Der Grund: Die Immobilie wurde zu diesem Zeitpunkt zwangsverwaltet, weil Vermögensverhältnisse und Erbangelegenheiten noch nicht geklärt waren. „Es liegt eine Strafanzeige gegen Peter K. vor, wir prüfen die Angelegenheit“, bestätigte Staatsanwalt Christoph Mackel  auf Nachfrage der „Glocke“.

Fakt ist: Beinah alle beweglichen Gegenstände im Haus am Rapsweg haben während des „Ausverkaufs“, der samstagsnachmittags und sonntagsvormittags stattgefunden hatte, einen neuen Besitzer gefunden: Möbel, Bilder, Waschmaschine und Trockner, Teppiche, Fahrräder und sogar Teile der Kleidung des Ehepaars. Alles wurde vor Ort bar an einen Mann – offenbar der ehemalige Mithäftling von Peter K. – bezahlt.

Völlig unklar ist, wieviel Geld der Verkauf eingebracht hat, ob der Verurteilte und sein Helfer sich den Gewinn geteilt haben, oder was sonst mit dem Erlös passiert ist. Kurios: Nach dem Ausverkauf sind Schilder an der Immobilie angebracht worden, auf denen mögliche weitere Interessenten darüber informiert wurden, dass „dieses Haus mit Inventar verkauft worden ist“. Ob allerdings auch das Objekt selbst bereits veräußert wurde, ob es noch unter Zwangsverwaltung steht, das war nicht zu erfahren.

Peter K. (69) ist im März vor dem Bielefelder Landgericht zu einer Gefängnisstrafe von vier Jahren und fünf Monaten verurteilt worden – wegen versuchten Totschlags. Der Prozess hatte sich über fast ein halbes Jahr hingezogen, dutzende Zeugen waren gehört worden. Der Ehemann der getöteten ehemaligen Bertelsmann-Chefsekretärin hatte vor Gericht beteuert, er habe seine Frau auf deren Wunsch hin erstickt. Sie habe wegen diverser gesundheitlicher Probleme nicht weiterleben wollen, lautete seine Begründung.

Ein ganz anderes Bild hatten viele Zeugen von der 63-jährigen Frau vor Gericht gezeichnet: Sie sei lebenslustig und voller Zukunftspläne gewesen. Mit ihren Krankheiten (ihr fehlte ein Lungenflügel) sei sie offen und souverän umgegangen. Deutliche Worte hatte die vorsitzende Richterin der Strafkammer, Jutta Albert, am 4. März bei der Urteilsverkündung für die Vorgehensweise von Peter K. gefunden. Er hatte seine Ehefrau in der gemeinsamen Garage in eine Inspektionsgrube gelegt und mit Beton übergossen. „Er hat sie unwürdig und in abscheulicher Form beseitigt“, sagte Albert.

Fast ein halbes Jahr lang hatte der Leichnam unentdeckt in der Grube der Doppelgarage in dem Betongrab gelegen. Der Tatzeitpunkt konnte im Prozess nicht mehr ganz genau festgestellt, aber dennoch auf den 19. oder 20. Dezember 2012 eingegrenzt werden. Erst im April 2013 war der Westerwieher in den Fokus der Ermittler geraten, weil der Sohn der Toten aus einer früheren Ehe seine Mutter als vermisst gemeldet hatte.

 Peter K. verstrickte sich in abenteuerliche Geschichten und erzählte immer wieder neue Versionen, um das Verschwinden seiner Frau zu erklären. Unter anderem hatte er verbreitet, sie habe ihn verlassen und sich mit einem brasilianischen Arzt ins Ausland abgesetzt. Gegen das Urteil hat der Anwalt des Westerwiehers Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt. Mit einer Entscheidung über die Zulassung ist erst Ende des Jahres zu rechnen. Sollte diese Beschwerde Erfolg haben, müsste der gesamte Prozess noch einmal aufgerollt werden.

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