Ausweitung der Schulsozialarbeit
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Um die Ausgrenzung von sozial benachteiligten und individuell beeinträchtigten Kindern zu verhindern, ist frühe Hilfe unerlässlich. Nachdem die für den Primarbereich zuständige Sozialarbeiterin gekündigt hat, hat der Schulausschuss nun dem Rat empfohlen, den Stellenanteil für alle Grundschulen möglichst ab 2018 von 0,77 auf 1,27 Stellen zu erhöhen.
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Trennung der Eltern, Mobbing, Essstörungen, Missbrauchssituationen und Gewalterfahrungen belasten mehr Mädchen und Jungen, als gemeinhin angenommen.

Frühe Hilfe unerlässlich

Frühe Hilfe ist also unerlässlich. Umso mehr hat die Bildungseinrichtungen jüngst die Kündigung ihrer Sozialarbeiterin getroffen. Derzeit finanziert die Stadt Rietberg 4,77 Stellen für Sozialarbeit (inklusive Übergangscoaching) an den städtischen Lernorten – 0,77 Stellen an den Grund- und vier volle an den weiterführenden Schulen. 2016 ließ man sich das Gesamtpaket 335.000 Euro kosten. Dienstleister ist dabei der Caritasverband des Kreises Gütersloh. Die befristete Förderung der Landesregierung ist überschaubar: Düsseldorf steuert aktuell etwa 37.000 Euro per anno bei.

19 Wochenstunden sind zu wenig

Die Verteilung führte zuletzt dazu, dass eine Sozialarbeiterin im Rahmen von 19 Wochenstunden vier Grundschulstandorte im Stadtgebiet abdecken musste. Zieht man die Zeit für die Hin- und Herfahrerei ab, für Dokumentationspflichten und dergleichen mehr, kann sich jeder ausrechnen, wie viel unterm Strich noch für die praktische Tätigkeit blieb. Jüngst hat die Frau die Brocken hingeworfen. Die Pädagogen zeigen Verständnis: Zuverlässiges Engagement sei so nicht leistbar, heißt es in Briefen an die Verwaltung.

Mehrkosten von 38.000 Euro im Jahr

Insgesamt entfallen derzeit laut Berechnung 30 Wochenstunden Schulsozialarbeit auf sechs Grundschulstandorte. Deutlich zu wenig, hat auch die Stadtverwaltung erkannt. Man müsse nur nach Rheda-Wiedenbrück blicken, um festzustellen, dass dort mit einer halben Stelle je Standort agiert werde. „Das zeigt, dass in Rietberg Handlungsbedarf besteht“, heißt es aus dem Rathaus. Nach Rücksprache mit den Schulleiterinnen und dem Caritasverband des Kreises Gütersloh schlägt die Verwaltung daher vor, den Stellenanteil für alle Grundschulen möglichst ab 2018 von 0,77 auf 1,27 Stellen zu erhöhen. Der neue Anteil für die Grundschulen entspräche dann insgesamt 49,5 Stunden. Kostenmäßig würde das eine Steigerung von 38.000 Euro pro Jahr ausmachen. Der Schulausschuss empfiehlt dem Rat, dem zu folgen.

Eltern und Lehrer entsetzt

Sie, ihre Kolleginnen und Eltern seien bestürzt, schrieb Bärbel Hilgenkamp, Leiterin der Rudolf-Bracht-Grundschule in Mastholte, unlängst in einem Brief an die Verwaltung, nachdem die Sozialarbeiterin gekündigt hatte.

„Dann besser ganz verzichten“

Deutliche Worte fand auch der Lehrerrat der Emsschule Rietberg. Wenn man rechnerisch vier bis sieben Stunden Sozialarbeit an einer Schule je Woche anbiete, dann solle man besser ganz darauf verzichten. Andernfalls wecke man bei einer so dünnen Personaldecke Erwartungen, denen man am Ende ohnehin nicht gerecht werden könne. Enttäuschungen seien die Folge, die aber strukturell bedingt seien. Insofern könne man sogar gut verstehen, dass die Sozialarbeiterin gekündigt habe.

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