Becker-Haus dem Erdboden gleichgemacht
Bild: Vredenburg
Manch einem Zaungast blutete das Herz bei diesem Anblick. Am Montag wurde das Haus Becker im Neuenkirchener Ortskern dem Erdboden gleich gemacht.
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Mit der Morgensonne krachte schließlich auch die schmucke Fassade mit dem prägnanten Türmchen zu Boden. Bernhard Kaiser, der in dem alten Becker-Haus 25 Jahre lang ein Tabakwaren- und Lottogeschäft betrieben hat, hätte sich zum Andenken gern die in die Fassadenspitze gemauerte Sonne gesichert, die mehr als 100 Jahre das goldverzierte Gründungsjahr „Anno 1905“ beschien. Aber auch diese zerbrach, als das Mauerwerk in sich zusammenfiel. In den vergangenen Tagen war um den bevorstehenden Abriss im Wapeldorf eine erhitzte Debatte entbrannt. Die einen freuen sich auf etwas „schönes Neues“ an dieser Stelle, die anderen können nicht verstehen, dass es nicht möglich gewesen sein soll, zumindest die schmucke Fassade mit dem markanten Türmchen zu retten.

Bürgermeister Andreas Sunder erklärt auf Nachfrage der „Glocke“: „Um die Fassade im Original zu erhalten, hätte ein unverhältnismäßig großer Aufwand betrieben werden müssen. Nach sorgfältiger Prüfung sowie vielen Gesprächen mit dem Bauunternehmer Heribert Krähenhorst und den vorherigen Eigentümern des Gebäudes sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir im Sinne der Entwicklung des Ortskerns darauf verzichten.“ Wenn ein Gebäude mit unrealistischen baulichen Auflagen versehen werde, laufe man Gefahr, schlimmstenfalls eine dauerhafte Bauruine zu schaffen, für die sich niemand interessiere. Sunder: „Ein solcher Dauerleerstand an so prominenter Stelle wäre meines Erachtens kein gutes Zeichen für Neuenkirchen gewesen.“ Die erteilte Abrissgenehmigung sei an die Bedingung geknüpft worden, den Neubau ebenfalls mit einer prägenden Fassade zu errichten, so Sunder. Das Amt für Denkmalpflege in Münster habe das Gebäude bereits in den 1990er-Jahren als nicht ortsbildprägend bewertet.

Auf dem frei gewordenen Areal im Ortskern Neuenkirchens wird ab Mitte August ein modernes Wohn- und Geschäftshaus entstehen. Nach der Fertigstellung im Spätsommer 2017 soll auch das Nachbargebäude, das zurzeit eine Apotheke beherbergt, einem Neubau weichen. Sind beide Immobilien fertiggestellt, entstehen dort – gegenüber der Kirche – 45 bis 50 Parkplätze.

Darüber hinaus plant das Bauunternehmen Krähenhorst die Bebauung der dahinter befindlichen, etwa 4000 Quadratmeter großen Grünfläche. „Die Planungen sind aber noch nicht spruchreif. Sie müssen noch mit der Stadtverwaltung abgestimmt werden“, erklärte der Bauunternehmer Heribert Krähenhorst am Montag auf Nachfrage der „Glocke“.

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