Betonleiche: Kollege des Opfers sagt aus
Bild: Tiemann
Achter Verhandlungstag gegen den 68-jährigen Westerwieher, der seine Frau getötet haben soll. Das Bild zeigt ihn beim Prozessauftakt mit Verteidiger Dr. Holger Rostek (links).
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Er ist ein ehemaliger Arbeitskollege des Opfers. Die 63-jährige Ehefrau des Angeklagten, die kurz vor Weihnachten von ihrem Gatten getötet worden sein soll, war bei der von der Bertelsmann-Stiftung 1994 mitbegründeten gemeinnützigen Einrichtung bis Dezember 2012 als Chefsekretärin beschäftigt.

Das Gericht nahm sich am Dienstag vor gut besetzten Zuschauerbänken viel Zeit, um den 36-jährigen Zeugen über das Ehepaar und über Gesundheitsprobleme der 63-Jährigen zu befragen. Der EDV-Fachmann schilderte, er habe den Angeklagten als „höflichen und adretten Menschen“ kennengelernt. Er habe sich im November 2008 mit den Eheleuten in ihrem Westerwieher Haus getroffen, um den Wunsch des damals als Finanz- und Steuerberater tätigen Gatten nach einer eigenen Internetseite technisch umzusetzen. „Es handelte sich um eine nicht ganz legale Geschichte, um ein lukratives Geschäftsmodell“, sagte der Zeuge aus.

Nach früheren Aussagen anderer Zeugen soll der Angeklagte einige seiner Kunden später erheblich betrogen haben, Tenor: „Das ganze Geld ist weg.“ Das CHE wollte die Sekretärin in den Frühruhestand schicken, auch, weil sie zwar Beflissenheit und Planungserfahrung einsetzte, aber keine „zeitgemäße Arbeitsweise“ bewiesen und beispielsweise statt EDV-Dateien auf ihren gewohnten Kundenkarteikarten beharrt habe.

Die Strafkammer-Vorsitzende setzte alles daran, aufzuklären, ob die 63-Jährige lebensmüde gewesen ist, wie dies der angeklagte Ehemann behauptet. Es habe sie geärgert, schilderte der Arbeitskollege: „Sie sagte, die wollen mich raus haben, ich aber nicht – sie werden es nicht schaffen.“

Sie sei „eine der pflichtbewusstesten und loyalasten Frauen, die ich je kennen gelernt habe“ gewesen, schwärmte der 36-Jährige. Für ihn gäbe es keine Hinweise, „dass sie sich in irgendeiner Form auf ihr Ableben eingestellt hat“. Eine weitere Zeugin (66) aus Gütersloh und jetzige Ehefrau des Mannes, der vor 30 Jahren mit dem Opfer verheiratet gewesen war: „Wir feierten viel gemeinsam. Sie war immer gut drauf. Noch am 15. Dezember hat sie mir eine lustige E-Mail geschickt.“

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