Biotop vorschnell aufgegeben?
Bild: Vredenburg
 Die Erschließungsarbeiten im Gewerbegebiet „In der Feldmark“ sind abgeschlossen. Jetzt wird die gerodete Fläche von HB Solar nicht mehr benötigt.
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  Die Firma HB Solar beabsichtigte, auf seiner benachbarten Feuchtfläche einen lang gezogenen Lager- und Produktionshalle zu errichten. Das Unternehmen, das 2008 von Lintel in das Rietberger Gewerbegebiet gezogen war, hat vorige Woche Insolvenz angemeldet („Die Glocke“ berichtete). Das Biotop indes, das als besonders schützenswert galt, ist zerstört.

Erlen und Eschen abgeholzt

Nachdem die Fachausschüsse im Februar 2011 grünes Licht für das Bauvorhaben des bis dahin expandierenden Betriebs gegeben hatten, wurden innerhalb kürzester Zeit alle Bäume rund um die 500 Quadratmeter große Schilffläche abgeholzt. Der Jungbestand aus Erlen und Eschen bildete aufgrund seiner Ausdehnung im Sinne des Gesetzes eine Waldfläche. Mit dem Hinweis auf die hohe Wertigkeit des Baumbestands, gerade auch mit Blick auf den extrem niedrigen Waldanteil von nur fünf Prozent in Rietberg, war eine Überbauung im Jahr 2007 zunächst abgelehnt worden. Als Ausgleichsfläche für das Biotop hat man etwa 1500 Meter südlich kurzfristig drei tiefe Kuhlen ausgebaggert – bis heute ohne schützenden Bewuchs. Artenschutz ist durch europäisches Recht streng vorgegeben und sieht vor, dass neue Lebensräume funktionieren müssen, wenn alte aufgegeben werden.

BUND beklagt: Ersatzfläche zu spät angelegt

Tierschützer wiesen bereits vor einem Jahr darauf hin, dass die im alten Biotop beheimateten Amphibien, die aufwändig umgesiedelt werden sollten, ohne schützenden Schilfbewuchs im neuen Lebensraum nicht überlebensfähig seien. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hatte im Vorfeld erhebliche Bedenken gegen die Aufgabe des alten, funktionierenden Feuchtbiotops geäußert. Die Ersatzfläche sei zu spät angelegt worden und weise keine „adäquate Naturnähe“ auf. Weiterhin bemängelte der BUND, nicht frühzeitig genug in das Verfahren einbezogen worden zu sein. In einer schriftlichen Stellungnahme der Stadt heißt es dagegen, die Ausgleichsfläche und auch die Umsiedlung von Fauna und Flora sei in enger Abstimmung und nach Vorgaben der Fachbehörden erstellt worden. Erst danach „ist die alte Biotopstruktur abstimmungsgemäß zurückgebaut worden“.

Entwässerungsmaßnahme erforderlich

Das alte Biotop war Anfang der 80er-Jahre im Rahmen des Flurbereinigungsverfahrens entstanden. Landwirte mussten damals als Ausgleichsmaßnahme bis zu drei Prozent ihrer Ackerflächen abgeben. Die so entstandene Fläche wurde seinerzeit per Handschlag zu treuen Händen der Stadt übergeben. „Erst im November 2009 hatte der Bauausschuss 270 000 Euro bewilligt, um HB Solar den Bau einer zweiten Halle zu ermöglichen. Als das dritte Bauvorhaben von HB Solar vor einem Jahr in den Fachausschüssen der Stadt Rietberg vorgestellt wurde, war klar, dass durch die Versiegelung der Feuchtfläche neue Entwässerungsmaßnahmen erforderlich wurden. Das bisherige ringförmige Erschließungssystem galt als nicht mehr ausreichend. Entlang der Karl-Schiller-Straße, die ebenfalls versetzt werden sollte, war ein 225 Meter langer Regenwasserkanal geplant. Die Mitglieder des Bauausschusses bewilligten weitere 240 000 Euro.

Nachfrage nach Gewerbefläche

„Die Erschließungsmaßnahmen, die übrigens günstiger waren, sind arbeitstechnisch abgeschlossen“, heißt es auf Nachfrage in einer schriftlichen Stellungnahme aus dem Rathaus. Sorgen um eine brach liegende, nun nicht mehr benötigte Gewerbefläche mache sich die Verwaltung aber nicht: „Die Nachfrage nach Gewerbeflächen, gerade auch an der verkehrsanbindungsrelevanten Bundesstraße 64, ist ungebrochen groß“.

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