CDU und FDP halten an Hauptschule fest
Auf dem Weg zur Profilschule: Die Hauptschule Rietberg – im Bild der Standort Neuenkirchen – will sich mit einem neuen pädagogischen Konzept einen Namen machen.

Vorausgegangen war eine fast eineinhalbstündige Diskussion, in deren Verlauf noch einmal alle Argumente auf den Tisch kamen. Am Ende stimmten CDU und FDP für die Fortführung der Hauptschule, FWG, SPD und Bündnisgrüne dagegen.

Mit seiner Mehrheitsentscheidung folgt der Fachausschuss der Empfehlung der Stadtmarketing-Arbeitsgruppe „Schule“, die sich seit Anfang Februar eingehend mit der Zukunft der Hauptschule beschäftigt hatte. Dem Gremium gehörten die Leiter aller weiterführenden Schulen der Emsstadt sowie Vertreter von Grundschulen, Ratsfraktionen und Stadtverwaltung an. Gerd Clarfeld, langjähriger Leiter der Bildungsabteilung des Kreises Gütersloh, moderierte die fünf Treffen.

Ganztagsunterricht in Vorbereitung

In der Ausschusssitzung am Donnerstagabend stellte er das Beratungsergebnis vor, für das sich 15 der 22 Arbeitsgruppenmitglieder ausgesprochen hatten. Die AG „Schule“ empfahl den Politikern, die Hauptschule Rietberg als so genannte Profilschule mit neuer inhaltlicher und pädagogischer Ausrichtung weiterzuführen. Beide Standorte der Schule sollen erhalten bleiben. In Mastholte werden die Jahrgangsstufen fünf bis sieben, in Neuenkirchen die Klassen acht bis zehn unterrichtet. Durch die Einführung des Ganztagsbetriebs, die verstärkte Zusammenarbeit mit der Realschule und dem Gymnasium sowie dem gemeinsamen Unterricht von Schülern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf (Stichwort Inklusion) könne die Attraktivität der Hauptschule gesteigert werden, erläuterte Gerd Clarfeld.

Der vom Schul- und Sozialausschuss gefasste Beschluss, der jetzt noch vom Stadtrat bestätigt werden muss, folgte dem Vorschlag der Stadtmarketing-AG in allen wesentlichen Punkten.

Keine Mehrheit für Gemeinschaftsschule

Clarfeld wies darauf hin, dass für die von FWG, SPD und Grünen bevorzugte Variante – die Einrichtung einer drei- bis vierzügigen Gemeinschaftsschule als Versuch – nur sieben AG-Mitglieder gestimmt hatten. Bei einer Gemeinschaftsschule werden Kinder mit Hauptschul-, Real- und Gymnasialempfehlung vor allem in den ersten beiden Jahren gemeinsam unterrichtet, erst später folgt eine Differenzierung. In Langenberg wurde die Konrad-Adenauer-Schule kürzlich zur Gemeinschaftsschule.

Kleinegesse: „Pädagogische Neuausrichtung versuchen“

Die Leiter der drei weiterführenden Schulen der Emsstadt unterstützten die Beschlussempfehlung der Arbeitsgruppe. Ein flammendes Plädoyer für „ihre“ Hauptschule hielt die kommissarische Schulleiterin Britta Kleinegesse. „Der Ausschuss sollte uns die Chance geben, die pädagogische Neuausrichtung zu versuchen.“ 475 Schüler und 30 Lehrer stünden hinter den anstehenden Umwälzungen. Notwendige Veränderungen seien bereits eingeleitet worden. „Das bislang Erreichte sollte nicht achtlos weggeworfen werden“, forderte Britta Kleinegesse.

Esser warnt vor Etikettenschwindel

Peter Esser, Leiter des Gymnasiums Nepomucenum, wies darauf hin, dass es in Rietberg eine gut funktionierende Realschule sowie ein ebenso anerkanntes Gymnasium gebe. Zu glauben, dass sich Viertklässler mit Realschul- oder Gymnasialempfehlung künftig vermehrt an der Gemeinschaftsschule anmelden, sei illusorisch. „Es wird eher so sein, dass sich in der Gemeinschaftsschule die Kinder mit Hauptschulempfehlung sammeln. Und das wäre dann wirklich ein Etikettenschwindel: Es steht zwar Gemeinschaftsschule drauf, aber es sind nur Hauptschüler drin.“

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