CO: Interviews fangen Meinungsbild ein
Bild: Nienaber
Das Marktforschungsunternehmen Kantar Emnid hat dem Rat empfohlen, die Meinungsumfrage zum Rietberger City-Outlet mithilfe von Telefoninterviews durchzuführen. 1000 Bürger will Emnid befragen. Die Anrufe erfolgen allesamt vom Emnid-Sitz in Bielefeld aus. Die Vorwahl werde zu sehen sein, erklärte am Donnerstag Senior-Director Oliver Krieg den Ratsmitgliedern.
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Das Marktforschungsunternehmen mit Sitz in Bielefeld ist von der Verwaltung damit beauftragt worden, die Gemütslage der Rietberger zum umstrittenen Outlet-Projekt in repräsentativer Form einzufangen. In Vorbereitung auf die Sondersitzung des Gremiums hatte sich am Montag bereits eine Arbeitsgruppe aus den im Rat vertretenen Parteien, Bürgermeister Andreas Sunder und Verwaltungsvertretern mit dem möglichen Umfragedesign und den Themen beschäftigt.

Wie soll die Umfrage umgesetzt werden? Oliver Krieg empfiehlt, die Abfrage in Form von Telefoninterviews durchzuführen. Dazu werden die notwendigen Nummern per Zufallsgenerator ermittelt. Eine entsprechend programmierte Matrix soll gewährleisten, dass die Auswahl der Befragten die Gewichtung aller sieben Ortsteile nach Einwohnerzahl, die Geschlechterverteilung sowie einen repräsentativen Altersschnitt berücksichtigt. Da man über diesen Weg die tatsächlichen Verteilungen jedoch niemals so ganz trifft, werden die Ergebnisse später noch einmal nachgewichtet. „Dieses Verfahren ist bei uns standard und liefert qualitativ hochwertige Resultate“, informierte Krieg.

Die Rietberger sind durch die Nähe zum CO besonders von dem Vorhaben betroffen. Müssten ihre Antworten dann nicht auch stärker gewichtet werden? Nein, sagt Oliver Krieg. Jeder habe das gleiche Recht, seine Meinung zu äußern. Er zieht den Vergleich zum Bahnprojekt Stuttgart–Ulm („Stuttgart 21“). Dort sähen sich die Stuttgarter auch als besonders betroffen an. „Trotzdem hat ganz Baden-Württemberg darüber abgestimmt.“

Wie viele Befragte braucht es für ein repräsentatives Ergebnis? Die Antworten von 1000 Befragten liefern laut Oliver Krieg ein gutes Ergebnis. Die Abweichung zum realen Meinungsbild der Bevölkerung liegt nach Emnid-Erfahrungen zwar im Schnitt bei knapp drei Prozent und würde bei einer umfangreicheren Studienlage abnehmen. Mehr Teilnehmer bedeuten jedoch auch höhere Kosten. Deshalb bewertete Krieg die vorgeschlagene Lösung als „guten Kompromiss beim Kosten-Nutzen-Faktor“.

Was passiert, wenn ein Teilnehmer nicht erreichbar ist? Das Meinungsforschungsinstitut unternimmt jeweils bis zu sechs Versuche, einen Kontakt herzustellen. Die Anrufe erfolgen zwischen 17 und 21 Uhr. Es soll auch möglich sein, einen späteren Termin zu vereinbaren, wenn der Betroffene zum Zeitpunkt des Anrufs keine Möglichkeit hat, an der Umfrage teilzunehmen.

Ab welchem Alter sollen Teilnehmer befragt werden? Oliver Krieg rät der Stadt dazu, angelehnt an das Kommunalwahlrecht Bürger ab 16 Jahren an der Umfrage zu beteiligen.

Wie lang sollten die Telefoninterviews sein? Nicht länger als zehn Minuten, empfiehlt der Senior-Director von Kanter Emnid. Wie viele Fragen in diesem Rahmen gestellt werden können, hänge nicht zuletzt von der Länge der Fragestellung ab. Es sollen sowohl Ja-/Nein- als auch skalierte Fragen eingebaut werden.

Wird es auch kritische Fragen geben? Auf jeden Fall. Bei der Gewichtung von Aspekten, die von den Rietbergern eher positiv (Belebung der Innenstadt) beziehungsweise eher negativ (Verkehrsentwicklung) bewertet werden, müsse man „eine saubere Balance“ halten, so Krieger. „Wir haben es hier mit einer komplexen Aufgabenstellung zu tun, die im Fragenkatalog abgebildet werden muss.“ Die Fragen selbst sollen übrigens im Vorfeld nicht veröffentlicht werden, um ein möglichst ungefiltertes Meinungsbild zu erhalten.

Wann sind Ergebnisse zu erwarten? Auf jeden Fall nicht mehr in diesem Jahr. So gibt Krieg allein für Finalisieren und Einprogrammieren der Fragen sowie für die Schulung der Interviewer ein Zeitfenster von zwei Wochen vor. In der Woche vor Weihnachten führe Emnid zudem grundsätzlich keine Telefoninterviews durch, um die Bürger in dieser für viele stressigen Zeit nicht unnötig zu stören.

Was kostet das Ganze überhaupt? Die Kosten werden je nach Umfang und Gestaltung voraussichtlich zwischen 20 000 und 32 000 Euro betragen, heißt es in der Vorlage zur Sondersitzung des Rats. Die entsprechenden Haushaltsmittel wurden bereits in der letzten Zusammenkunft des Gremiums bewilligt.

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