Debatte um Friedhofslinden entfacht
Bild: Vredenburg
Sicherheitsrisiko? Einige Linden auf dem Friedhof in Rietberg sollen aus Sicherheitsgründen gefällt werden. Darüber echauffiert sich die SPD. Sie glaubt, dass für den Pastoralverbund vor allem wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend für die geplante Aktion sind.
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Die Verwaltung des Rietberger Friedhofs, der sich bekanntlich in Trägerschaft des Pastoralverbunds Rietberg-Süd befindet, hat ihre Bäume im Auge – insbesondere einige Linden. Etwa ein halbes Dutzend der uralten Gehölze soll nun entfernt werden, diesen Entschluss hat der Kirchenvorstand gefällt. Der Aufschrei ist bei einigen Bürgern groß. „Diese Bäume sind von unschätzbar ökologischem Wert“, wetterte beispielsweise Rietbergs SPD-Vorsitzender Gerd Muhle am Sonntag bei Facebook, und sprach von einem „Frevel“. Wenn die Kirchengemeinde noch irgendeine Vorbildfunktion haben wolle, müsse sie diese Aktion unterlassen, so der Sozialdemokrat weiter.

Am Montag stellte die SPD-Fraktion im Stadtrat zur nächsten Sitzung des Umwelt- und Klimaausschusses am Donnerstag, 29. November, einen Antrag mit dem Ziel, die Bäume zu erhalten: Das Gremium soll die Stadtverwaltung auffordern, „mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mittel die Fällung der 200 Jahre alten Linden auf dem Friedhof zu verhindern. Außerdem sei durch die zuständige Behörde zu prüfen, ob die Reste der alten Allee unter Naturdenkmalschutz gestellt werden können.

„Es ist eine Haftungsfrage“ 

Alle Besitzer von Bäumen haben die Aufgabe ihrer Verkehrssicherungspflicht nachzukommen, um das Umstürzen der Gewächse zu vermeiden. Das heißt, dass eine regelmäßige Kontrolle der Bäume vom Besitzer durchgeführt werden sollte. So ist auch die Rietberger Friedhofsverwaltung dazu angehalten, darauf zu achten, wie alt der Baum ist, ob sich die Wurzeln bereits aus der Erde gehoben haben, und nachzusehen, ob er von Fäulnis befallen ist. Wenn man selbst nicht beurteilungsfähig ist, sollte ein Fachmann hinzugeholt werden. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft empfiehlt, zweimal im Jahr eine Inspektion durchzuführen.
Pfarrer Andreas Zander war am Montag um Sachlichkeit in einer mittlerweile hitzig geführten Debatte bemüht. Zwei Gründe seien hauptursächlich dafür, dass man sich für die Fällung einzelner Linden entschieden habe: Zum einen steige die Gefahr, dass Totholz herabfalle, zum anderen ruiniere das mittlerweile gewaltige Wurzelweg an einigen Stellen Gehwege und andere bauliche Anlagen. In Summe führe das zu einem erheblichen Risiko. Man sei Verkehrssicherungspflichtiger und damit für den Gefahrenherd Baum verantwortlich. „Es ist eine Haftungsfrage“, reagiert Andreas Zander auf den mittlerweile mehrfach geäußerten Vorwurf, die Kirche lasse die Gehölze absägen, um sich die teuren Pflegemaßnahmen sparen zu können. Im Gespräch mit der „Glocke“ wies der Geistliche darauf hin, dass es sich bei dem Friedhof um einen gebührenfinanzierten, eigenständigen Betrieb handele, was letztlich bedeutet, dass Kosten zwangsläufig auf die Nutzer umgelegt werden müssen. Außerdem sei vorgesehen, neue Bäume zu pflanzen. Allein in der jüngeren Vergangenheit seien etwa 20 heimische Gehölze eingegraben worden.

SPD fordert Unterschutzstellung

„Wenn wir es zulassen, dass neben den finanziellen Aspekten für die Baumpflege hochdrückende Wurzeln und herabfallendes Laub Gründe für das Fällen von 200 Jahre alten kerngesunden Linden sind, dann sollten wir schleunigst das Prädikat Klimagemeinde wieder abgeben“, gibt SPD-Vorsitzender Gerd Muhle in seinem Antrag an den Umwelt- und Klimaausschuss zu bedenken. Mittlerweile ist es zweieinhalb Jahre her, dass der Stadtrat mehrheitlich die Idee einer Baumschutzsatzung ablehnte. Lediglich die Unterstützung der Grünen war den Sozialdemokraten seinerzeit sicher.

„Selbst wenn die Wurzeln die eine oder andere Platte hochheben, muss man doch abwägen, was mehr Wert ist: 200 Jahre alte und mehr als 20 Meter hohe Linden oder einige hochgedrückte Grabumrandungen“, so Gerd Muhle weiter. Die Katholische Kirchengemeinde sei eine öffentliche Institution und habe Vorbildfunktionen. „Diese Baumfällaktion wird eine unkontrollierbare Präzedenzwirkung haben“, befürchten die Sozialdemokraten. „Wir sollten an die Verantwortlichen appellieren, von diesem Vorhaben Abstand zu nehmen.“

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