„Die Glocke“ rettet befallene Buchsbäume
Bild: Nienaber
Tipps vom Experten: Fredi Oesterwiemann (l.) weiß, welches Kraut gegen den Buchsbaumzünsler gewachsen ist. Wie man der gefräßigen Raupe Herr wird, verriet der Gärtnermeister aus Bokel beim Besuch des „Glocke“-Mobils im Rietberger Gartenschaupark.
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Denn hat sich der grüne Vielfraß einmal eingenistet, ist ihm nur schwer Herr zu werden – eine Tragödie in etlichen Akten, von der auch viele „Glocke“-Leser ein Liedchen singen können, wie sich beim Besuch des Redaktionsmobils in Rietberg herausstellte.

Verzweiflung bei Gartenbesitzern ist groß

Groß ist die Verzweiflung bei Dieter Geppert. Im Garten des gebürtigen Rietbergers hat sich der aus Asien stammende Schädling so weit breitgemacht, dass dutzende Buchsbäume nur noch ein kümmerliches Bild abgeben. Etliche braune Äste des eigentlich immergrünen Gewächses breitet er vor Fredi Oesterwiemann auf dem Tisch aus. Der wirft einen kurzen Blick darauf und stellt seine Diagnose.

„Ganz klar ein Zünslerbefall“, sagt der Gärtnermeister aus Bokel, der auf Einladung der „Glocke“ Tipps rund um die Bekämpfung des ungeliebten Kleintiers gibt. Vermutlich seien die Raupen aus Eiern geschlüpft, die ein Weibchen bereits im vergangenen Herbst auf die Unterseite der Blätter gelegt hatte. Mit den steigenden Temperaturen hätten sich daraus die gefräßigen Raupen entwickelt. In wenigen Tagen, so die Vermutung des Experten, wird es im Garten von Dieter Geppert gehörig flattern. Dann werden sich aus den Krabblern Nachtfalter entwickelt haben – und der Kreislauf des Zünslerlebens könnte von vorn beginnen.

Gegen den Zünsler ist ein Kraut gewachsen

Aus Erfahrung weiß Oesterwiemann, dass immer noch viele Gartenbesitzer vor dem Zünsler kapitulieren. „Aber es ist ein Kraut gegen ihn gewachsen“, beruhigt er „Zünsleropfer“ Geppert und die vielen anderen Besucher, die trotz Dauerregens zum Eingang Mitte des Gartenschauparks gekommen waren, wo das „Glocke“-Mobil auf sie wartete. Wobei „Kraut“ nicht wirklich den Kern der Sache trifft. Bacillus thuringiensis – auf diesen Namen hört der biologische Wirkstoff, auf den der Bokeler Gärtnermeister setzt. Die Raupen, die sich von den damit bespritzen Blättern des Buchsbaums ernährten, würden innerhalb weniger Tage absterben. Mit einer zweiten Behandlung nach rund zwei bis drei Wochen mache man auch der nachschlüpfenden Brut den Garaus.

Tipps

Bei der Bekämpfung des Buchsbaumzünslers ist das rechtzeitige Bemerken des Befalls wichtig. Es empfiehlt sich daher eine regelmäßige Kontrolle der Pflanzen. Um ein Aufkommen der Buchsbaumzünslerfalter festzustellen, sollten spezielle Pheromonfallen aufgestellt werden. Diese locken mit Duftstoffen die Männchen an, welche dann in der Falle kleben bleiben. Ist der Nachtfalter erst einmal im Garten nachgewiesen, sollte gespritzt werden. Der Wirkstoff Bacillus thuringiensis eignet sich nach Ansicht Fredi Oesterwiemanns am besten zu Bekämpfung der Zünsler. Wurde der Buchsbaum durch den Befall stark in Mitleidenschaft gezogen und droht sogar abzusterben, kann ein Rückschnitt das Gewächs noch vor der endgültigen Zerstörung bewahren. Fraßstellen sollten jedoch immer abgeschnitten werden. In Extremfällen ist das letzte Mittel der Bekämpfung die vollständige Vernichtung der befallenen Buchsbäume, damit sich der Schädling nicht weiter ausbreiten kann.

Zusätzlich müsse die Pflanze die Gartenschere zu spüren bekommen. Grundsätzlich sollten Fraßstellen weggeschnitten werden. Auch stark in Mitleidenschaft gezogene Exemplare könne ein Totalrückschnitt gegebenenfalls noch retten.

Not macht erfinderisch

Mehr als 150 Gartenfreunde aus Rietberg sowie aus dem gesamten Kreisgebiet nutzten die Gelegenheit, um sich von Fredi Oesterwiemann und Gartenschaupark-Chefgärtner Marco Rüschkamp in Sachen Zünslerabwehr beraten zu lassen. Die meisten von ihnen stehen schon seit Monaten mit der Raupe auf Kriegsfuß.

Manch einer ist in der Not schon so erfinderisch geworden, dass er zu unkonventionellen Mittel greift. Ulla Krimphove aus Langenberg saugt die Buchsbäume in ihrem Garten regelmäßig mit einem Industriestaubsauger ab. Bislang habe sie damit immer gute Erfolge eingefahren. Gänzlich aus ihrem Buchsbaumbestand verjagen konnte Ulla Krimphove die ungebetenen Gäste jedoch nicht.

Andere wiederum setzen auf Hochdruckreiniger und Plastiktüten. Letztere werden über die Pflanzen gestülpt, sodass der Schädling erst gar nicht in die Nähe der Blätter kommt, die auf seiner Speisekarte ganz oben stehen.

Am Rückschnitt führt kein Weg vorbei

Von all diesen Dingen hält der Bokeler nicht viel. „Was nützt der schönste Buchsbaum, wenn er vom Wasserstrahl gerupft oder mit Tüten verhüllt im Garten steht?“, fragt sich Oesterwiemann. Auch von Algenkalk, der für den Kampf gegen den Zünsler als Allheilmittel gepriesen werde, sollten Hobbygärtner lieber die Finger lassen. „Mit dem ersten Regen ist das Zeug runter von den Pflanzen“, erläutert Oesterwiemann.

Nicht immer aber können befallene Buchsbäume gerettet werden, weiß der Gärtnermeister. Aber auch dann gelte es, gewisse Regeln einzuhalten. „Tote Pflanzen, auf denen der Zünsler gewütet hat, gehören in die Tonne und nicht auf den Kompost“, betont der Fachmann. Ansonsten sei eine Rückkehr des Schädlings vorprogrammiert.

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