Dolchstoß für Rietberger Einzelhandel?
Bild: Sudbrock
„Bitte drücken“ steht auf dem gelben Signalgeberknopf an der Fußgängerampel am Nordtor. Würde die Anlage in eine Pförtnerampel umgewandelt, würde sie künftig auch dann zeitweise Rot zeigen, wenn kein Spaziergänger oder Radler die Rathausstraße überqueren will.
Bild: Sudbrock

Eine Ampel, die länger als gewohnt Rot anzeigt und Verkehrsteilnehmer damit zum Halten zwingt, könne einen erzieherischen Effekt für diejenigen Autofahrer haben, die die Rathausstraße „einfach nur als Abkürzung benutzen“, erläuterte CDU-Fraktionschef Marco Talarico (Bild). Es gehe darum, den Durchgangsverkehr aus der Rietberger Innenstadt herauszuhalten und dadurch die Attraktivität des Zentrums zu steigern. Kunden von Geschäften oder Anwohner sollten allerdings auch künftig durch die City fahren können.

Standortvorteil nicht aufs Spiel setzen

Bei Judith Wulf, FWG-Ratsfrau aus Bokel, stieß die CDU mit ihrem Ansinnen auf wenig Gegenliebe. Die Geschäftsfrau, die in Isselhorst selbst einen Laden betreibt, wies darauf hin, dass Durchgangsverkehr für den örtlichen Einzelhandel „unglaublich wichtig“ sei. Eine Pförtnerampel, die den Verkehr und damit den Fluss potenzieller Käufer ausbremse, könne „den Dolchstoß für viele Geschäfte entlang der Rathausstraße bedeuten“. Die aktuelle Situation, dass Kunden in Rietberg relativ nah bis vor die Ladenlokale vorfahren könnten, sei ein Standortvorteil, den man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen dürfe. Und noch etwas trieb die Bokeler Ortsvorsteherin um: Eine Pförtnerampel könne möglicherweise in Konkurrenz zu der geplanten Fußgängervorrangzone vorm Rathaus stehen. „Wie sollen diese beiden Maßnahmen zusammenpassen?“, wollte sie wissen.

Ablehnend stand auch Walter Schrewe (SPD) dem CDU-Vorstoß gegenüber. „Wenn man das aktuelle Verkehrsaufkommen beobachtet, kann man sich fast selbst ausrechnen, wie lange die Schlange wartender Autos durch eine Pförtnerampel werden würde“, gab er zu bedenken.

Handlungskonzept erarbeiten

Gerd Muhle warnte davor, den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen. „Bevor wir nicht wissen, wie es nach dem Outlet-Aus mit der Innenstadt weitergeht, sollten wir keine Einzelmaßnahmen von solcher Tragweite in den Stiel stoßen“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende. Muhle plädierte stattdessen dafür, gemeinsam mit den Bürgern zunächst das Integrierte Handlungskonzept für den Stadtteil Rietberg voranzutreiben und bekräftigte: „Zum jetzigen Zeitpunkt lehnen wir eine Pförtnerampel kategorisch ab.“

Hans-Dieter Vormittag (Grüne) befürchtete bei einer Umsetzung des CDU-Antrags lange Rückstauungen im Knotenbereich Wiedenbrücker/Westerwieher Straße und betonte: „Autos stoßen deutlich mehr Abgase aus als langsam vorbeigleitende Fahrzeuge.“ Aus Gründen des Anwohner- und Umweltschutz sei dies ein K.o.-Kriterium für die Ampel.

Marco Talarico konterte, dass die CDU bewusst keine Priorisierung vorgenommen habe. „Es geht lediglich darum, einen Vorschlag, der im Rahmen unseres Ideenwettbewerbs aus der Bürgerschaft an uns herangetragen wurde, prüfen zu lassen.“ Ohne eine Experteneinschätzung komme man in der Sache nicht weiter. „Sollte sich bei dieser Analyse zeigen, dass ein Verkehrschaos dabei herauskommt, dann lassen wir die Sache natürlich sein.“

Sunder unterbreitet Kompromissvorschlag

Im Verlauf der mehr als einstündigen Ratsdebatte unternahm Bürgermeister Andreas Sunder dreimal den Versuch, einen Kompromissvorschlag ins Gespräch zu bringen. Erst ganz am Ende fand sein Plan auch bei FWG, SPD und Grünen Gehör. Der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich das Gremium letztlich einstimmig verständigte, sieht vor, bei der Verkehrsabteilung des Kreises Gütersloh zunächst eine Kostenanfrage zu stellen. „Dann wissen wir genau, was wir für eine entsprechende Analyse ausgeben müssten“, erläuterte der Rathauschef.

Beim Kreis sei man erfahren darin, die Auswirkungen von Ampelschaltungen zu prognostizieren. Diese könne im Fall der Rathausstraße auf Grundlage der Daten einer Verkehrszählung passieren, die aktuell ohnehin in der Innenstadt durchgeführt werde. Bis zur nächsten Sitzung des Bau- und Planungsausschusses Anfang November werde das Angebot der Kreisverwaltung vorliegen, versprach Sunder. „Dann kann die Politik immer noch entscheiden, ob sie den Auftrag dazu erteilen will.“

„Sehr sympathisch“ fand Professor Manfred Niewiarra (FDP) die von Sunder ins Spiel gebrachte Kompromisslösung. „Das macht vor einer endgültigen Entscheidung durchaus Sinn“, sagte er. Die bisherige Debatte habe einem politischen Schaulaufen geglichen, „weil niemand von uns die tatsächlichen Fakten kennt“.

SOCIAL BOOKMARKS