Dorfklatsch nur in Gänsefüßchen
Bilder: Grujic
Abgehoben: Die „Beachboys“ flogen mit ihrer Airline nach Amerika. Gerade angekommen, trafen sie auch schon auf Elvis Presley.
Bilder: Grujic

Die Hühnerbarone in der „Wêiebouer“ schrieben das Jahr 1963, als sich am Rosenmontag pünktlich um 19.11 Uhr zum ersten Mal der Vorhang zum närrischen Treiben der Kolpingkarnevalisten erhob. Was im Saal von Georg Kerkstroer mit zehn Aktiven auf der Bühne einen vielversprechenden Anfang nahm, hat sich ein halbes Jahrhundert später zu einer ausgewachsenen Prunksitzung gemausert, die alles hat, was Karneval in Reinkultur auszeichnet: Büttenredner mit markigen Sprüchen, Kleinkunst, Schunkellieder, flotte Gardetänze und einen Moderator (Peter Strathoff), der sich selbst nicht allzu wichtig nimmt, sondern lieber dezent im Hintergrund agiert.

„Rumpelstilzchen“ achtet auf Zitierweise

Was haben Ex-Bundesbildungsministerin Annette Schavan und Mäggi Mertensmeier gemeinsam? Sie besitzen beide keinen Doktortitel. Trotzdem ist Letztere klar im Vorteil: Dürfte sich Mäggi Mertensmeier „Frau Doktor“ nennen, dann wäre ihr die peinliche Pressekonferenz der CDU-Politikern vom Samstag erspart geblieben. Denn anders als in Annette Schavans Doktorarbeit von 1980 fehlten bei Mäggi Mertensmeiers Büttenrede in der 50. Kolpingsitzung am Freitagabend die Anführungsstriche nicht. Auf ihre Rolle als Rumpelstilzchen, das den Dorfklatsch des vergangenen Jahrs zu einer Büttenrede verwob, hatte sie sich bestens vorbereitet – vor allem mit Blick auf die Zitierweise.

Kennenlernparty für Pastor Dröge und die Landfrauen

Vorsichtshalber hatte sie ein Paar überdimensionaler Gänsefüßchen mitgebracht, „schließlich will ich mich nicht mit fremden Federn schmücken“ – und schon gar nicht mit dem Räumungsbefehl, den Pfarrer Augustinus Dröge zum Erntedankfest für die Westerwieher Kirche ausgegeben hatte, nachdem die Landfrauen das Gotteshaus mit Feldfrüchten geschmückt hatten.

Rumpelstilzchen Mäggi Mertensmeier
Ihr Rat, um künftig Missverständnisse dieser Art zu vermeiden: „Eine Kennenlernparty mit den Landfrauen wäre gut, damit Pastor Dröge diese kennenlernen tut.“

Alltagsfrust statt Wolke sieben

Das haben „Ährwin“ (Ralf Gnüchwitz-Holtkamp) und seine bessere Hälfte längst hinter sich. Das Frisch-Verliebt-Sein ist dem grauen Alltag gewichen, was auf beiden Seiten zu manch nüchterner Erkenntnis geführt hat. „Ährwins“ Frau vergleicht bisweilen gern Männer mit Wolken. Grund: „Wenn sie sich verzogen haben, kann es noch ein schöner Tag werden.“

Zwiegespräch mit der Rinderzunge

Mit ganz anderen Problem musste sich während der Kolpingsitzung der „Blaue Bock“ (Norbert Steltenkamp) herumschlagen. Schwer im Magen lag ihm beispielsweise noch sein letzter Besuch im „1895, 1576 oder wie auch immer der Laden heißt“: Erst wunderte er sich über einen Hund, der beim Essen bettelnd vor seinem Tisch saß – bis sich herausstellte, dass „Stelte“ vom Teller des Vierbeiners speiste. Dann wurde ihm zu allem Überfluss eine Rinderzunge serviert, „die so frisch war, dass man sich noch mit ihr unterhalten konnte“.

Neuzüchtung: Brieftaube und Papagei

Apropos tierische Kommunikation: Sie wird auch für Brieftauben immer wichtiger. Besonders erfolgreiche Westerwieher Brieftaubenzüchter kreuzen ihre „Renner der Lüfte“ sein kurzem mit Papageien, wie der „Blaue Bock“ zu berichten wusste. „Die finden einfach schneller zurück nach Hause, denn sie können nach dem Weg fragen.“

„Brandlöschzug“ sorgt für Sicherheit

Für Sicherheit sorgte der von „Fabse und Tüt“ alias Fabian Hartkamp und Daniel Stücker ins Leben gerufene „erste Westerwieher Brandlöschzug“. Ob Feuervorbeugung, Flammenbekämpfung oder Wiederbelebungsmaßnahmen: Die zwei „Blauröcke“ gingen beherzt ans Werk. Als Präventivmaßnahme hatten sie den Saal von Seppel Kreutzheide mit Rettungsbooten ausgestattet, „die im Ernstfall von Frauen, Kindern und Memmen zuerst bestiegen werden dürfen, was vor allem die Rietberger Gäste freuen dürfte“.

Teatime mit Queen Elisabeth II.

Zu hohen Ehren kam der Westerwieher Landadel durch den Besuch von Queen Elisabeth II. (Markus Diekotto) und Prinz Charles (Klaus Hesse). In reinstem Cambridge-Englisch begrüßte die Monarchin die Gäste im Saal, allen voran „King Kuper“, „Burgerking Sunder“ und ihren Lieblingswirt, den „lovely Seppel“, bevor sie die Prinzen aus Rietberg, Mastholte, Neuenkirchen und Boke um sich scharte, um gemeinsam mit ihnen eine britische „Teatime“ mit „Prinzenrolle“ und Co. zu zelebrieren.

„Papermen“ lässen ihre Hüllen fallen

Toppen konnten dieses Adelsaufgebot nur noch die „Papermen“ (Dirk Strathoff und Heiner Kraienhorst), die im wahrsten Wortsinn ihre (Papier-)Hüllen fallen ließen, um sich immer wieder aufs Neue in Soul-Divas, Pop-Prinzessinnen oder ägyptische Herrscherinnen aus der Zeit der Pharaonen zu verwandeln.

„Sie hatte nur noch Schuhe an“

Für Tanzeinlagen sorgten „Art of Act“, „Fascination“, „Gardeküken“ und „Gardeteenies“. Nach Amerika flogen die „Beachboys“ das Publikum mit einer Maschine ihrer eigens gegründeten Airline. „Pitsch“ rockte zu „Gangnam Style“ und „Sie hatte nur noch Schuhe an“ den Saal, während die KFD-Frauen mit ihrer „Bläck Fööss“-Imitation gehörig Eindruck schindeten.

SOCIAL BOOKMARKS