Dr. Röhr behandelt in rollender Klinik
Vor allem Kinder werden von Dr. Günter Röhr bei seinen Auslandseinsätzen untersucht. Die kleine Patientin, die mit ihrer Mutter in die Ambulanz von Valintia auf den Philippinen gekommen ist, hat keine Angst vor dem „German Doc“, denn sie war schon mehrfach bei ihm in Behandlung.

Dr. Röhr klettert in die „Rolling Clinic“. Sechs Stunden später trifft er im Städtchen Wao auf etwa 300 Menschen, die sehnsüchtig auf ihn gewartet haben. „Ich konnte an diesem Tag nur noch 84 von ihnen behandeln, weil es dann dunkel war und wir kein ausreichendes Licht für Untersuchungen hatten“, berichtet der gebürtige Bokeler von seinem jüngsten Einsatz als ehrenamtlicher „Arzt für die Dritte Welt.“

Das Röhr-Team der „Rolling Clinic“ besteht aus Fahrer Lito, der vor Ort auch einem deutschen Zahnarzt assistiert, der Übersetzerin Glen, Helferin Nancy, die für die Medikamentenausgabe sorgt, und Queeny, die für die Erstbefragung, Blutdruckmessung und Gewichtsprüfung der Patienten zuständig ist.

Tuberkulose bedroht Menschen in armen Regionen

Die erste Patientin wird hereingetragen. „Sie konnte vor Schwäche nicht auf den Beinen stehen“, erinnert sich Dr. Röhr. „Sie hatte typische Symptome einer Lungen-Tuberkulose mit Bluthusten, Schwäche, Gewichtsverlust und Nachtschweiß.“ Wegen des schlechten Allgemeinzustands überweist sie der gebürtige Ostwestfale ins Krankenhaus: „Bis zur ambulanten Diagnosestellung wäre sie wahrscheinlich schon gestorben. Als ich sie zehn Tage später in der Klinik besuchte, ging es ihr schon viel besser.“

Von Wao aus fährt das Röhr-Team täglich ein anderes Inseldorf an. Es kommen Menschen mit Sehstörungen durch Linsentrübung oder Bindehautwucherungen, zwei in den Tropen häufige Augenerkrankungen. Andere haben Bronchitis, Erkältungen oder Lungenentzündungen. „Häufig ist die überbelastete Wirbelsäule erkrankt: Die Bauern arbeiten ohne technische Hilfsmittel und haben deshalb frühzeitig mit degenerativen Knochenveränderungen zu kämpfen.“

Auch Hauterkrankungen, sagt Dr. Günter Röhr, seien auf den Philippinen häufig: Krätze, Abszesse, Furunkel und bakterielle Krankheiten wie Eiterflechten. Schistosomiasis grassiert bei Menschen, die im Reisanbau arbeiten. „Kleine Würmer durchdringen die Haut, es gibt unzählige Tote.“

Sein zweiter Einsatz führte den Mediziner nach Talakag, einer Großraumgemeinde mit 67.000 Einwohnern auf Mindanao. Es kamen „nur“ 6888 Patienten in zehn Tagen. „Ich konnte mir mehr Zeit nehmen für Untersuchungen, es lagen eher normale Verhältnisse vor.“ Seinen Einsatz in der Organisation „Ärzte für die Dritte Welt“ sieht Dr. Röhr als sehr sinnvoll an: „Meine Arbeit hat mir ein tiefes Gefühl der Befriedigung verschafft.“ Es seien viele Menschen mit schweren Erkrankungen unter seinen Patienten gewesen, denen er habe helfen können. „Das Gefühl, dass sie mich brauchen, war immer da.“

Gefahr für Leib und Leben

In Wao begleitete ihn die Vizebürgermeisterin zu seinen Einsätzen, auch Mitglieder des örtlichen Rotarier-Clubs halfen mit. „Sogar der Gouverneur der Provinz Lanao del Sur erwies uns mit seinem Besuch die Ehre.“ Dr. Röhr und seine Leute wurden täglich von bis zu sieben Soldaten eskortiert – zu ihrem eigenen Schutz. Hauptziel war jedoch, dass die Soldaten der Bevölkerung die Haare schnitten. Dr. Röhr: „Tatsächlich konnten wir das mit Staunen beobachten.“

Seine beiden letzten ehrenamtlichen Einsätze führte den Bokeler nach Nicaragua. Die Fahrt stand erneut unter der Fahne der Organisation „Ärzte für die Dritte Welt“, die auch in Bangladesch, Indien und Kenia hilft und deren bekanntestes Mitglied die Schauspielerin und Ärztin Maria Furtwängler ist.

Unweit der Grenze zu Honduras rumpelte Dr. Röhr mit einem Geländewagen wochenlang durch die Berge in abgelegene Nester, wo er im Freien Sprechstunde hielt. Ein Stethoskop und eine Taschenlampe waren seine ständigen Begleiter. Und 90-prozentiger Alkohol als ersatzweises Desinfektionsmittel.

Der Helfer auf Zeit nimmt Entbehrungen auf sich, bringt die eigene Gesundheit in Gefahr, erhält dafür keinen Cent. Und wie alle „Ärzte für die Dritte Welt“ muss er die Hälfte der Flugkosten selbst berappen.

Arzt liebt das Abenteuer

Männer lieben Abenteuer. Dr. Günter Röhr auch und besonders in Verbindung mit der Erkenntnis, helfen zu können. „Ich glaube, dass ich richtig handele“, sagt er bescheiden. Bald will er wieder weg – nach Indien oder nach Kenia.

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