Drittes Mehrfamilienhaus kommt später
Bild: Vredenburg
Ortsbildprägend: Der Bauernmarkt rund um die einstige Westfälische Fleischwarenfabrik an der Langen Straße 91 war bis zur Schließung des Modegeschäfts Wapelhorst eine beliebte Anlaufstelle in Neuenkirchen. Der mittlere Gebäudeteil soll vorerst erhalten bleiben. Das vorgelagerte Geschäft und die einstigen Produktionsräume werden abgerissen – sie weichen zwei Mehrfamilienhäusern. Die Pläne stellte Grundstücksbesitzer Heribert Wapelhorst im Rahmen des jüngsten CDU-Ortsspaziergangs vor.
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Im Rahmen des jüngsten CDU-Ortsspaziergangs hat Grundstücksbesitzer Heribert Wapelhorst nun mitgeteilt, dass er das 2600 Quadratmeter große Areal an der Langen Straße 91 inzwischen an einen Investor verkauft hat. Allerdings gebe es eine aktuelle Planänderung. „Der Knackpunkt sind die Mobilfunkmasten dreier Anbieter auf dem Dach des höchsten Gebäudes im Dorf“, informierte der frühere Betreiber eines Modegeschäfts an diesem Standort.

Planänderung notwendig

Weil die Telekom sich dagegen wehre, die Antennen für die Zeit zwischen dem Abriss des alten Gebäudekomplexes und der Fertigstellung der neuen Häuser herunterzunehmen, und für den Fall, dass dies doch geschieht, hohe Regresszahlungen angedroht habe, soll das frühere Wohnhaus der einstigen Fleischfabrik laut Wapelhorst vorerst stehenbleiben. „Dieser Teil wird saniert und für eine vorübergehende Nutzung schön aufgepäppelt“, erklärte er den Teilnehmern des Spaziergangs.

Baubeginn April oder Mai

Rund um den Altbau soll ein Innenhof mit Garagen entstehen. Durch diesen Kompromiss könnten vorläufig allerdings nur zwei neue Mehrfamilienhäuser realisiert werden, stellte er heraus: das eine auf dem Geschäftsgelände, das andere am Standort der früheren Produktionsräume, die Wapelhorst zuletzt an den Betreiber eines Billard- und Internet-Cafés sowie eines Wettbüros vermietet hatte. Nach der Fertigstellung bestehe die Chance, die Mobilfunkmasten auf den Neubauten zu installieren. Wapelhorst: „Die Antennen sollen bleiben, weil die Verlegung an einen anderen Standort aufgrund der vorhandenen Infrastruktur, die an anderer Stelle neu geschaffen werden müsste, zu kostspielig wäre.“

Er rechnet mit einem Baubeginn im April oder Mai. Wenn die beiden Wohnhäuser errichtet sind, soll auch das letzte verbliebene Bestandsgebäude abgerissen werden. So schaffe man Platz für die dritte geplante Immobilie. Bis dahin könnten jedoch noch etwa fünf Jahre ins Land gehen. Denn wie Juergen Wohlgemuth, Pressesprecher der Stadt Rietberg, auf Anfrage der „Glocke“ mitteilt, liegt für keines der drei geplanten Mehrfamilienhäuser bislang ein Bauantrag vor, weshalb auch noch keine Baugenehmigung erteilt worden sei.

Ensemble nicht unter Denkmalschutz

Nach Auskunft von Juergen Wohlgemuth steht das Gebäudeensemble nach wie vor nicht unter Denkmalschutz. Im Frühjahr 2018 hatte Claudia Reck von der Abteilung „Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen“ des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) mit Sitz in Münster die frühere Westfälische Fleischwarenfabrik zwar nicht als Industriedenkmal eingestuft, aber deutlich gemacht, dass der markante Komplex als „einer der wenigen verbliebenen historischen Produktionsstätten im Ortskern ohne Zweifel eine Bedeutung für die Geschichte von Neuenkirchen hat“.

Der Wohnteil biete noch heute Einblicke in die Wohnverhältnisse zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Aufgrund seiner prägenden Gestaltung könne der Immobilie durchaus eine städtebauliche Qualität zugesprochen werden. Die LWL-Spezialistin für technische Kulturdenkmäler bewertete den Gebäudekomplex vor diesem Hintergrund abschließend „zweifelsohne als erhaltenswerte Bausubstanz“.

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