Eichen erinnern an glückliche Heimkehr
Erdeinig mit Holzschuhen: Die Großfamilie Brüggenjürgen zur Zeit der Anpflanzung der beiden Friedenseichen. Das Bild zeigt (v.l.) Konrad, Maria, Katharina mit Kind Anna, Kriegsheimkehrer Heinrich sowie seine Eltern Katharina und Heinrich Brüggenjürgen. 

Genauso dicht, wie die Westerwieher Friedenseichen heute noch zusammenstehen, sind auch die historischen Geschehnisse miteinander verwoben, die einst Grund für die Anpflanzung der Bäume waren. Die Bewohner des Hofs an der Westerwieher Straße feierten im Herbst 1918 nicht nur wie zahlreiche weitere Menschen im Land das Ende des Ersten Weltkriegs, sondern auch die Heimkehr des Sohns Heinrich. Heinrich Brüggenjürgen war der Vater des heutigen Hausherrn, der ebenfalls Heinrich Brüggenjürgen heißt. Vor einem Jahrhundert war die Erleichterung bei der Familie, die im Dorf besser unter der Bezeichnung Pöttker bekannt ist, groß: Der geliebte Sohn war nach den Wirren des Kriegs gesund und wohlbehalten nach Hause gekommen. Während des Ersten Weltkriegs musste er in der Reichshauptstadt Berlin seinen Dienst als Soldat ableisten.

Sohn sehnsüchtig erwartet

Die beiden freudigen Ereignisse nahmen der Heimgekehrte und sein Vater, der ebenfalls Heinrich hieß, zum Anlass, um aus Dankbarkeit zwei Friedenseichen zu pflanzen. Seither sind sie zu starken Hartholzbäumen mit umfangreichen Kronen herangewachsen. Sie zeugen seit mittlerweile einem Jahrhundert vom Ende des Ersten Weltkriegs und der sehnsüchtig erwarteten Heimkehr des Sohns.

Genauso wie in Westerwiehe sind damals in vielen Teilen Deutschlands Friedenseichen von dankbaren Menschen in die Erde gesetzt worden. Überhaupt hat die Eiche in Westfalen über Jahrhunderte einen großen Stellenwert erreicht, insbesondere in ländlichen Regionen. Es gab kaum ein landwirtschaftliches Anwesen, das seine Erbauer oder Eigner nicht mit Eichen umrahmten. Mitunter stehen die Bäume auch an den langen Hofzufahrten regelrecht Spalier. Bis heute legen diese stattlichen und knorrigen Hartholzlieferanten an vielen Höfen Zeugnis von der alten Tradition der Friedenseichen ab.

Stattliche Bäume überall im Land beliebt

In dem Zusammenhang ist auch die 1000-jährige Eiche in Schloß Holte zu nennen. Ob sie nun wirklich so alt ist oder nicht, sei dahingestellt. Aber ein riesiges Exemplar – wenn auch zwischendurch vertrocknet – ist sie allemal. Über viele Jahre ist die Eiche das Ausflugsziel von Schulklassen in der Region gewesen.

Von 2002 bis 2012 wurde der Eichenbestand in deutschen Wäldern um 70.000 auf 1,1 Millionen Hektar vergrößert, so dass der Anteil der stattlichen Bäume heute 11,6 Prozent des deutschen Walds beträgt.

Doch zurück zur Familie Brüggenjürgen nach Westerwiehe: Der heutige Hofbesitzer Heinrich Brüggenjürgen weiß zu berichten, dass die Familie vor und nach dem Ersten Weltkrieg ihr Einkommen mit einem Dreschkasten, einem Sägewerk sowie dem Bestellen der eigenen Felder erwirtschaftete. Während in der Landwirtschaft das ganze Jahr über Arbeiten zu erledigen waren, musste der Dreschkasten nur nach der Erntezeit und das Sägewerk insbesondere in den Wintermonaten in Betrieb genommen werden. Das geschah bei Brüggenjürgen mit einer Dampfmaschine. Eine solche Antriebsart ist heutzutage nur noch im Museum zu besichtigen. Auch alte Bilder geben darüber noch Aufschluss.

Dreschen für den Lebensunterhalt

Wenn nach der Ernte das Korn in Richten getrocknet war, wurde es entweder sofort gedroschen oder zunächst auf dem Dachboden sicher und trocken zwischengelagert. Dann konnte es immer noch zu einem späteren Zeitpunkt in der kalten Jahreszeit gedroschen werden. Das Rattern des Sägewerks mit dem typischen Zischen und Blubbern war ebenfalls eher im Winter zu vernehmen.

Das Leben und emsige Treiben auf dem Hof an der Westerwieher Straße ortsausgangs des Kükendorfs in Richtung Osten ist seit mehr als 100 Jahren eng mit den beiden Friedenseichen verbunden. Und daran wird sich bestenfalls auch in ferner Zukunft nichts ändern.

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