Erdgassuche in Rietberg zu gefährlich
Erdgasbohrungen im Naturschutzgebiet „Rietberger Emsniederung“? Die „Fracking“-Lizenzen für das Aufsuchen neuer Gasressourcen wurden per Erlass landesweit vorläufig ausgesetzt.

Auch Gabriele Siepen (Grüne) und Harald Prill (FDP) forderten, mit eindeutigen Grundsatzbeschlüssen Flagge zu zeigen gegen „Fracking“. In einer Doppelsitzung des Bau-, Planungs- und Verkehrsausschusses sowie des Umwelt- und Klimaauschusses hatte Peterwitz die Thematik aus Sicht eines Wasserversorgers dargestellt. Demnach hat die Bezirksregierung Arnsberg als zuständige Behörde – ohne Beteiligung der Bürger und Träger öffentlicher Belange – 2009/2010 Lizenzen für das Aufsuchen neuer Gasressourcen erteilt und in NRW Felder ausgewiesen, die sich über die halbe Landesfläche erstrecken. Rietberg befindet sich in dem Feld „Falke“, das dem kanadischen Gas- und Ölproduzenten BNK Petroleum Inc. zugesprochen wurde. Den Förderfirmen wird mit der erteilten Lizenz für fünf Jahre das Recht zugestanden, auf den ausgewiesenen Flächen nach Gas zu suchen.

Was Peterwitz beunruhigt: „Die Felder erstrecken sich auch über Wasserschutzgebiete und Siedlungen.“ Auf der Suche nach Gasvorkommen sind auf Quadratkilometer großen Flächen gleich an mehreren Stellen Bohrungen im Bereich von 1000 bis 2500 Metern Tiefe geplant. Um an den begehrten Rohstoff zu gelangen, wird mit zahlreichen Chemikalien kontaminiertes Wasser (Petroloum, Dieselöl, Biozide) mit hohem Druck in das Bohrloch gepresst. „Das entspricht etwa dem Lärm eines startenden Düsenjets“, so Peterwitz. Durch die Risse im aufgebrochenen Gestein kann das Gas ausströmen. Aber: Bei der Bohrung müssen alle Bodenschichten, auch die des Trinkwassers, durchbohrt werden. Und: „An jeder Bohrstelle werden 50 Tonnen gefährlicher Stoffe zugesetzt. Allein die Biozide summieren sich auf 45 Kilogramm pro Bohrloch.“ Dabei sei bekannt, dass bereits geringe Schadstoffmengen ausreichen, das Trinkwasser nachhaltig zu vergiften.

Als Folge des hohen Drucks könne zudem das Gestein im Untergrund reißen und sich verschieben, sodass sich das Gas seinen eigenen Weg an die Oberfläche sucht, dadurch unkontrolliert entweicht und möglicherweise entzündet. In Basel (Schweiz) sei durch „Fracking“ ein Erdbeben der Stärke 3,5 ausgelöst worden, sagte der Fachmann.

In Nordrhein-Westfalen ist „Fracking“ vorläufig per Erlass gestoppt worden. Das Landesumweltministerium fordert seit Januar letzten Jahres eine wasserrechtliche Erlaubnis für die Bohrungen. Ulrich Peterwitz von der Gelsenwasser AG: „Man will wissen, welche Umweltrisiken sich tatsächlich ergeben und hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, das im Sommer vorliegen soll.“ Erst danach könne die weitere Vorgehensweise festgelegt werden.

Die Gelsenwasser AG fordert, in Wasserschutzgebieten auf Erdgasgewinnung per „Fracking“ zu verzichten und verlangt abdichtende Schichten, die das Grundwasser schützen. Weiterhin müssten die verwendeten Chemikalien offengelegt werden. „Vor allem brauchen wir eine Änderung des Bergrechts (ein Bundesgesetz), eine ordentliche Beteiligung aller Betroffener und mehr behördliches Aufsichtspersonal“, betonte Ulrich Peterwitz. Darüber hinaus sei die Störfall-Vorsorge nicht hinreichend geklärt, denn „wenn die Firmen die Gasvorkommen ausgebeutet haben, sind sie weg“.

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