Flüchtlingsstrom reißt nicht ab
Bild: Vredenburg
Die Turnhalle der Grundschule Westerwiehe steht für den Sportunterricht vorübergehend nicht zur Verfügung. In dem Gebäude an der Laurentiusstraße sind 33 Flüchtlinge untergebracht.
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Genauso schwierig wie die Suche nach geeigneten Unterkünften gestalte sich die Prognose über die Entwicklung der Neuzuweisungen. Tatsache sei, dass bis zu 20 vom Land zugewiesene Asylbewerber pro Woche keine Seltenheit seien. Aktuell lebten im Stadtgebiet 320 Flüchtlinge, sagte Sunder. Anfang September waren 262 Asylbewerber in der Emsstadt registriert.

Große Probleme bei Wohnraumsuche

„Wenn Sie mich fragen, wie es weitergeht: Ich weiß es nicht.“ Wilfried Dörhoff vom kommunalen Fachbereich Recht, Ordnung und Soziales wollte sich in der Ausschusssitzung zu keiner konkreten Aussage zur Entwicklung der Flüchtlingszahlen bis zum Jahresende hinreißen lassen. Nur so viel: „Wahrscheinlich werden es deutlich mehr sein als aktuell.“

Vor großen Problemen steht die Stadt Rietberg bei der Wohnraumsuche für Asylbewerber. Denn geeignete Mietobjekte werden der Kommune nach Auskunft von Bürgermeister Andreas Sunder nur vereinzelt angeboten. „An der Einrichtung einer städtischen Notunterkunft in der Turnhalle der Westerwieher Grundschule führte daher kein Weg vorbei“, unterstrich Sunder. Bereits 33 Menschen seien dort vorübergehend untergebracht, darunter eine zehnköpfige Familie aus Serbien und eine vierköpfige Familie aus Ghana. Sunder betonte, dass die Asylsuchenden nur einen begrenzten Zeitraum in der Turnhalle bleiben sollen. „Sobald Kapazitäten in den Wohnheimen frei wird, werden sie dorthin verlegt.“

An eine baldige Verbesserung der Lage sei aber nicht zu denken. Im Ernstfall müssten weitere Gebäude zu Notunterkünften umfunktioniert werden, erklärte Sunder. Nicht mehr ausgeschlossen sei auch die Unterbringung von Flüchtlingen in Zelten. Nach wie vor steht die Einrichtung einer Notunterkunft im Rahmen eines Amtshilfeersuchs des Landes Nordrhein-Westfalen im Raum. Derartige Anfragen habe die Bezirksregierung bereits an die Städte Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück und Versmold sowie an die Polizeischule in Schloß Holte-Stukenbrock gerichtet.

„Helfer arbeiten bis zur Erschöpfung“

Nicht gespart wurde in der Schul- und Sozialausschusssitzung am Dienstagabend mit Lob für die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter, die sich um die Betreuung der Flüchtlinge kümmern. „Alle Rathausabteilungen, die in die Asylbewerberthematik involviert sind, arbeiten unbürokratisch zusammen“, bescheinigte Bürgermeister Andreas Sunder seiner Mannschaft. „Die Solidarität innerhalb der Verwaltung ist enorm.“ Festzuhalten bleibe aber, dass der von der Stadt mit der direkten Betreuung der Asylbewerber beauftragte Sozialpädagoge Martin Hübner langsam, aber sicher an seine Belastungsgrenze stoße. Hier sei personelle Unterstützung vonnöten, sagte Sunder.

Dass in allen fünf Ortsteilen, in denen Flüchtlinge untergebracht sind, die jeweiligen Caritaskonferenzen sowie weitere Vereine und Einzelpersonen mit im Boot seien, mache ihn stolz, betonte der Bürgermeister. Ralf Langenscheid (FWG) pflichtete ihm bei und wusste zu berichten, dass viele der freiwilligen Helfer bis zur Erschöpfung im Einsatz seien.

Abfällige Kommentare im Internet ein Ärgernis

Kein Verständnis habe er jedoch dafür, wenn Immobilienbesitzer versuchten, durch die Vermietung von Wohnraum für Flüchtlinge größtmöglichen Profit herauszuschlagen. „Mit dem Elend anderer Menschen Geschäfte zu machen, gehört sich nicht.“ Langenscheid appellierte an alle Hauseigentümer, der Stadt zu vernünftigen Preisen Unterkunftsmöglichkeiten anzubieten.

Marco Talarico (CDU) ärgerte sich über abfällige Kommentare, die im Internet und sozialen Netzwerken über Asylsuchende die Runde machten. „Wir können nichts für irgendwelche Unverbesserlichen“, sagte er. „Aber wir können hier und heute ein klares Zeichen dafür setzen, dass Menschen in Not in unserer Stadt willkommen sind.“ Zugleich wünschte sich Talarico ein Einsehen seitens der rot-grünen Düsseldorfer Landesregierung, „wenn irgendwann der Tag kommt, an dem deutlich wird, dass Rietbergs Aufnahmekapazität erreicht ist“.

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