„Förderschule ist kein Auslaufmodell“
Bild: Schulte-Nölle
Was die neuen Räumlichkeiten der Martinschule zu bieten haben, zeigten die Schüler den Gästen gestern selbst. Das Bild zeigt die beiden Zehntklässler Hendrik und Lena mit zwei interessierten Eltern.
Bild: Schulte-Nölle

Mit dem Umzug vom Torfweg in das ehemalige Gebäude der Hauptschule an der Langen Straße 173 habe das „Martinteam“ einen attraktiven Standort erhalten, hob der Schulleiter in der frisch renovierten Aula hervor. Der Neuanfang in Neuenkirchen stelle daher einen wichtigen Beitrag dar, um die Martinschule Rietberg-Verl zumindest mittelfristig zu sichern.

Wuchern wolle und könne man darüber hinaus jedoch mit einem ganz anderen Pfund: der in der Martinschule seit 1970 gelebten sonderpädagogischen Förderung. „Zusammen mit diesen schönen neuen Räumen erhält uns das auch in Zukunft konkurrenzfähig. Inklusion braucht Zeit, die Förderschule ist kein Auslaufmodell“, zeigte sich Bardt kämpferisch.

Eine Ansicht, die auch Andreas Sunder teilt. Viele Eltern und Schüler hätten dem Umzug der Schule mit Sorge entgegengeschaut, erinnerte sich Rietbergs Bürgermeister, der gestern auch in der Funktion des Vorstehers des Schulverbands Rietberg-Verl zu den voll besetzten Rängen sprach. Umso mehr freue es ihn, dass sich diese Sorgen nun als nichtig herausgestellt hätten. „Wenn ich mich hier so umsehe, bin ich der festen Überzeugung, dass sich die Schüler wohl fühlen werden“, sagte Sunder.

Seit Ende Dezember 2013 sind die Renovierungsarbeiten am früheren Teilstandort Neuenkirchen der Gemeinschaftshauptschule Rietberg abgeschlossen. Seither erstrahlen nicht nur der Parkettboden und die Wände der Aula in neuem Glanz: Auch die Schulflure kommen Dank LED-Technik deutlich heller und somit freundlicher daher. Darüber hinaus wurden die Klassenräume frisch gestrichen und die darin befindlichen Teppiche gereinigt.

Den Schülern der Klassen 1 bis 10 stehen insgesamt zwölf Klassenräume zur Verfügung. Verzichten müssen Kinder und Kollegium künftig allerdings auf die Gruppenräume. „Diese Räume wurden beim Bau der Martinschule am Torfweg mit in das Förderkonzept aufgenommen, hier haben wir leider nicht den Platz dafür“, bedauerte Reinhard Bardt im Gespräch mit der „Glocke“.

Aktuell rund 150 Schüler

Die Martinschule wird zurzeit von rund 150 Schülern besucht. Damit erfüllt die Einrichtung nur knapp die Auflagen des NRW-Schulgesetzes, das für die Errichtung und Fortführung von Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen eine Mindestanzahl von 144 Schülern festschreibt. Schulleiter Reinhard Bardt hofft daher darauf, dass nicht nur Eltern aus Rietberg und der Gemeinde Verl ihre Kinder mit einem speziellen Förderbedarf auf seine Schule schicken, sondern der Nachwuchs künftig auch aus Schloß Holte-Stukenbrock kommen wird.

Hintergrund: Zum Schulbezirk von Schloß Holte-Stukenbrock gehört eigentlich die Comeniusschule in Bielefeld-Sennestadt. Die Fördereinrichtung ist jedoch aufgrund der Gesetzesänderung von der Schließung bedroht – sie erreicht die erforderliche Schüleranzahl nicht und darf daher in der Primarstufe keine Kinder mehr aufnehmen. Aktuell besuchen bereits vier Schüler aus Schloß Holte-Stukenbrock die Martinschule.

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