„Freundschaften sind das Wichtigste“
Bild: Sudbrock
Als Zeichen der Freundschaft hatten die Rietberger zwei Apfelbäume mit nach Oberglogau gebracht. Bürgermeister Andreas Sunder, Komiteevorsitzende Monika Kuper, Oberglogaus Vize-Bürgermeister Sebastian Gerstenberg, Roza Zgorzelska von der Deutschen Minderheit und der Oberglogauer Bürgermeister Dr. Piotr Bujak (v.l.) wollen die Städtepartnerschaft weiter festigen.
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Die Pflanze namens Städtepartnerschaft regelmäßig zu düngen und zu gießen, sei der Erfolgsgarant für ein gelungenes Miteinander, sagte die Gründerin des Heimatmuseums im Oberglogauer Ortsteil Friedersdorf (Biedrzychowice) zum Abschied. Dort gab es abgesehen von schlesischer Gulaschsuppe auch geballte Informationen zur bewegten Vergangenheit des Landstrichs kurz vor der tschechischen Grenze. Bestehende Verbindungen zu pflegen und neue Kontakte zu knüpfen, sei für den Austausch über Grenzen hinweg die Grundvoraussetzung, sagte Roza Zgorzelska. „Freundschaften sind das Wichtigste im Leben.“

50 gut gelaunte Teilnehmer

Die Stippvisite im Friedersdorfer Heimatmuseum setzte bei strahlendem Spätsommerwetter für die 50 Teilnehmer aus Rietberg den Schlusspunkt hinter ein abwechslungsreiches Reiseprogramm, das gefüllt war mit unvergesslichen Erlebnissen.

Stationen auf der Fahrt waren abgesehen von Oberglogau auch die Städte Breslau, Krakau und Tschenstochau (Czestochowa). In Breslau erhielt die Reisegruppe dank der guten Kontakte der Komiteevorsitzenden Monika Kuper eine exklusive Führung durch die dortige Universität. Dekan Professor Adam Jezierski erwies sich dabei als ausgesprochener Musikliebhaber. Für sein spontanes Konzert auf Orgel und Klavier in der prachtvollen Universitätskapelle erntete er reichlich Applaus.

Würstchen aus Krakau

In der für ihre Würstchen bekannten 750.000-Einwohner-Metropole Krakau genossen die Rietberger die unverwechselbare Atmosphäre des riesigen Marktplatzes, des Wawelhügels mit dem königlichen Schloss sowie der Jagiellonen-Universität.

130 Mitarbeiter zeichnen im Drei-Schicht-Betrieb in der Niederlassung der Rietberger Seppeler-Gruppe in Tschenstochau dafür verantwortlich, dass Kundenaufträge so schnell wie möglich abgewickelt werden. In der modernsten polnischen Feuerverzinkerei des Rietberger Traditionsunternehmens konnten die Emsstädter mit eigenen Augen verfolgen, wie selbst sperrige und meterlange Metallteile eine Schutzschicht gegen Korrosion erhalten. Bis zu 50.000 Tonnen Stahl beträgt die jährliche Maximalauslastung des Vorzeigebetriebs, erfuhren die Rietberger, die von Unternehmenschef Kai Seppeler und seiner aus Polen stammenden Ehefrau Nina Seppeler zur Werksbesichtigung eingeladen worden waren.

Abends konnten die Besucher vor der verhüllten Schwarzen Madonna in der Basilika des Klosters Jasna Gora in der Nähe von Tschenstochau ihre Bitten vorbringen.

Beethoven begeistert

Kunst und Kultur, Gespräche und Gastfreundschaft prägten die Atmosphäre in Rietbergs oberschlesischer Partnerstadt Oberglogau, die das Endziel der Reise bildete. Die Konzerte im Rahmen des 27. Beethoven-Festivals, bei denen unter anderem die Oppelner Symphonie und der ukrainische Star-Pianist Artem Yasynskyy brillierten, ließen nicht nur die Herzen der Klassik-Fans unter den Reiseteilnehmern höher schlagen. Bleibende Eindrücke hinterließen auch die Stadtführung mit dem Oberglogauer Bürgermeister-Stellvertreter Sebastian Gerstenberg und der feierliche Erntedank-Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Bartholomäus.

Ein besonderes Anliegen war der Reisegruppe um Monika Kuper einmal mehr die unbürokratische Unterstützung Benachteiligter. Im Altenheim freute man sich über Hilfsgüter, Lebensmittel und Kleidung aus Rietberg. Zudem tauschten sich Gabi Meise und Ingrid Lemmen vom Altenpflegeheim St. Johannes Baptist in Oberglogau mit ihren dortigen Arbeitskolleginnen aus.

Fremde werden zu Freunden

Das Fazit der jüngsten Austauschfahrt fiel positiv aus. „Mein unermüdliches Wirken verfolgt das Ziel, Fremde zu Freunden zu machen und punktuelle Not zu lindern“, resümierte Komiteechefin Monika Kuper. Das sei die beste Rezeptur für ein geeintes Europa. Der Oberglogauer Bürgermeister Dr. Piotr Bujak wertete den Besuch als „Symbol der Erneuerung“. Gemeinsam habe man in Sachen Städtepartnerschaft einen neuen, vielversprechenden Weg eingeschlagen. Rietbergs Bürgermeister Andreas Sunder, der gemeinsam mit Beigeordnetem Andreas Göke für einige Stunden zur Reisegruppe dazugestoßen war, bezeichnete den regelmäßigen Austausch als „wirksamste Medizin gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit“.

„Kommen Sie wieder“

„Kommen Sie gerne wieder“, betonte Sebastian Gerstenberg zum Abschied der Gruppe. Diese wurde außer von Monika Kuper auch von deren Stellvertreter Dr. Jacek Sakowski, Vorstandsmitglied Nimo Sudbrock, von Vertretern der Malteser sowie Rietbergs Vize-Bürgermeister Detlev Hanemann begleitet. Das werden sich die 50 Reiseteilnehmer im Alter von 21 bis 82 Jahren, die eine unvergessliche Zeit in der Partnerstadt verbrachen, bestimmt nicht zweimal sagen lassen.

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