Gehälter bei Kuper zunächst gesichert
Die Mitarbeiter der Heinrich Kuper GmbH & Co. KG mit Stammsitz in Rietberg sind am Dienstag im Rahmen einer Betriebsversammlung über das laufende Insolvenzverfahren informiert worden.

Das erklärte Hans-Werner Heißmann-Gladow, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Gütersloh-Oelde, auf Nachfrage der „Glocke“. Er begleitete am Dienstag gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Dr. Hendrik Heerma von der Sozietät „FRH – Fink Rinckens Heerma“ die mehrstündige Zusammenkunft, zu der auch die Kollegen aus den Kuper-Zweigniederlassungen in Freiburg, Korbußen und Berlin an den Stammsitz gekommen waren.

Strukturelle Probleme der Vergangenheit nicht gelöst

Im Wesentlichen sei es um technische Fragen, etwa zur Bedeutung und zum Ablauf einer Insolvenz, gegangen, sagt Heißmann-Gladow. Demnach hat der Insolvenzverwalter mit Beginn des Prozesses drei Monate – also bis zum 1. November – Zeit, die Vermögens- und Finanzverhältnisse des Unternehmens zu sichten und gemeinsam mit Geschäftsführung sowie Betriebsrat eine tragfähige Zukunftsstrategie zu entwickeln. „In diesem Zeitraum werden die Löhne von der Agentur für Arbeit in gewohnter Höhe und inklusive Überstunden weitergezahlt.“ Erst nach dem Stichtag entscheide sich dann, wie es konkret für die Firma und ihre Beschäftigten weitergeht.

Grundsätzlich setzt Heißmann-Gladow auf das Prinzip Hoffnung. Das Portfolio aus Produktion von Neu- und Handel mit Gebrauchtmaschinen für die Möbelbranche sowie Herstellung eines speziellen Leimfadens beschere Kuper ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Markt, der im Übrigen nach wie vor floriere. Der Branche gehe es gut, dort werde reichlich Geld verdient, macht der Gewerkschafter klar.

Dass davon offenbar bei Kuper nicht genug angekommen ist, um einer finanziellen Schieflage zu entgehen, sieht er nicht zuletzt in der Vergangenheit des Traditionsunternehmens begründet. Was aktuell passiert, sei „immer noch ein Zusammenfegen des Scherbenhaufens von 2013“. Damals mussten, unter anderem aufgrund schwerwiegender struktureller Defizite, 108 Angestellte entlassen werden („Die Glocke“ berichtete). Zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens kam es jedoch nicht. In der Folge sei es, trotz guter Ansätze und einer neuen Ausrichtung, nicht gelungen, diese strukturellen Probleme zu lösen, bedauert Hans-Werner Heißmann-Gladow, der schon damals die Firma Kuper begleitete.

„Kommen um Umbau nicht herum“

„Seit dem 1. August steht Kuper unter dem Schutz des Insolvenzrechts. Dies eröffnet uns ein Zeitfenster, um das Unternehmen neu auszurichten und einen Investor zu finden“, teilt der vorläufiger Insolvenzverwalter Hendrik Heerma im Nachgang der Versammlung mit. Die Hausaufgaben bestünden nun unter anderem darin, zu definieren, mit welchen Mitarbeitern man künftig marktfähige Produkte und Dienstleistungen anbieten könne sowie diejenigen Geschäftsbereiche zu identifizieren, die zur beabsichtigten Fortführung des Unternehmens beitragen können.

Neues Raumkonzept dringend erforderlich

Knackpunkte seien allerdings bereits auf den ersten Blick ersichtlich. Dringend erforderlich sei etwa ein neues Raumkonzept. „Wie die ‚neue Kuper‘ aussehen wird, müssen wir gemeinsam erarbeiten. Da stehen wir als Insolvenzverwaltung naturgemäß erst am Anfang“, sagt Dr. Heerma. Im Schulterschluss mit dem Gläubigerausschuss, der voraussichtlich noch in dieser Woche tagen wird, sowie allen weiteren Verfahrensbeteiligten wolle er alles unternehmen, um einen wirtschaftlich gesunden Rahmen für eine Fortführung der Firma zu schaffen. Er macht aber auch klar: Der Umsatz entspricht nicht den Erwartungen. „Deshalb werden wir um einen Umbau des Unternehmens nicht herumkommen.“ Ob dies ohne Verlust von Arbeitsplätzen geschehen könne, wolle er nicht versprechen.

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