Geisterjäger und Models auf der Bühne
Bild: Grujic
Schwungvolle Liebeserklärung: In feschen Dirndln verschenkten die Tänzerinnen von „Art of Act“ ihre Herzen an das Westerwieher Publikum. Ihr mitreißender Auftritt war einer der Höhepunkte der fünfstündigen Prunksitzung der Kolpingkarnevalisten am Freitag- und Samstagabend im Saal der Gaststätte Josef Kreutzheide.
Bild: Grujic

Die Westerwieher Kolpingkarnevalisten haben bei den Prunksitzungen am Freitag- und Samstagabend im Saal von Josef Kreutzheide ihr Möglichstes getan, um die Alltagssorgen in Vergessenheit geraten zu lassen und die Vorfreude auf Rosenmontag weiter zu steigern. Dass ihnen das gelungen ist, bewiesen die Lachtränen, die während der jeweils fünfstündigen närrischen Bühnenshows literweise flossen – und so mancher Zuschauer soll sogar mit akutem Zwerchfellversagen aufgrund zu starker Lachmuskelbeanspruchung ins Krankenhaus eingeliefert worden sein. Selbst Stammgäste des Westerwieher Sitzungskarnevals kamen ob des Einfallsreichtums der Aktiven auf der Bühne aus dem Staunen, Schunkeln, Lachen und Mitsingen kaum mehr heraus.

Totgesagte leben länger

Als Frosch und Prinzessin breitete das amtierende Schützenkönigspaar Mäggie und Norbert Mertensmeier genüsslich den aktuellen Westerwieher Dorfklatsch vor dem Publikum aus. Ob ein vom Hofhund verschlungener Weihnachtsbraten, der bei Familie Tönsmeier über die Festtage „Schmalhans Küche“ zur Folge hatte, oder peinliche Druckfehler im Pfarrbrief („Totgesagte leben länger“): Die Märchengestalten aus dem Kükendorf hatten die Lacher auf ihrer Seite.

Wovon Tauben träumen

Weniger zum Strahlen zumute war dem Brieftaubenehepaar (Fabian Hartkamp und Daniel Stüker), das den Zuschauern von der Vogelstange aus sein Leid klagte. „Mit der Postkutsche fing das Elend an. Und im Zeitalter von SMS und E-Mail braucht keiner unsere Dienste mehr“, beschwerten sich die beiden Turteltauben. Kein Wunder, dass ihr Nachwuchs sein berufliches Heil als Zielobjekt bei der Tontaubenjagd oder als Kandidat bei „Westerwiehes next Vogelmodel“ sucht.

Wovon arbeitslose Jungtauben träumen, kann Gisela Hills längst in den schillerndsten Farben berichten: Eine Karriere auf den Laufstege dieser Welt. Das „gefragte Topmodel in XXXL“ schwärmte von seinem Treffen mit Modezar Karl Lagerfeld und gestand unumwunden: „Größe 38 habe ich zwar, aber nur bei den Schuhen. Und ohne Schminke mache ich sogar in der Geisterbahn eine gute Figur.“

„Blauer Bock“ sagt adieu

Eine feste Größe bei den Sitzungen der Westerwieher Kolpingkarnevalisten ist seit 30 Jahren Norbert Steltenkamp. Am Wochenende nahm er in seiner Paraderolle als „Blauer Bock“ seinen Hut. „Es war mein Ding, ganz egal, was die anderen sagen“: Mit den Worten Udo Lindenbergs verabschiedete sich „Stelte“ nach seinem (vorerst) letzten umjubelten Auftritt von seinen Fans.

Elferratspräsident Peter Strathoff dankte dem Wahl-Lipplinger für sein Engagement und versicherte: „Wenn du es dir doch irgendwann anders überlegen solltest – wir haben in unserem Programm immer eine halbe Stunde für dich frei.“

„Eigentlich trinke ich nicht mehr“

Bevor es für Büttenass Norbert Steltenkamp Standing Ovations und nicht enden wollenden Beifall gab, hatte er als „Blauer Bock“ noch einmal gehörig vom Leder gezogen. Das Glas Bier im Anschlag durfte dabei nicht fehlen, obschon: „Eigentlich trinke ich ja nicht mehr. Aber eben hat die Brauerei angerufen, die brauchen bis Montag leere Flaschen.“ Schon kurz nach seiner Geburt zeichnete sich für den „Blauen Bock“ ab, dass er nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen würde: „Im Krankenhaus wäre ich beinahe vertauscht worden, aber die Hebamme hat meinen Vater dabei erwischt.“ Dafür klappt es bei „Stelte“ wenigstens mit der Beziehung: „Letztens hat meine Frau mir eröffnet, dass sie Lust auf ’nen flotten Dreier hat. Ich hab’ ihr gesagt, dass sie sich den BMW ruhig kaufen darf.“

Vergleichsstudie

Mit einer Vergleichsstudie der besonderen Art brillierten Philip Isenborth, Fabian Hartkamp, Daniel Stüker, Thomas Brüggemann und Christopher Kleibaumhüter. Sie demonstrierten die auseinanderklaffenden Arbeitsleistungen von Rietberger und Westerwieher Karnevalisten, äh, Handwerkern. Fazit: Während die Kollegen aus der Emsstadt noch das richtige Ersatzteil suchen, haben die Berufsgenossen aus dem Hühnerdorf schon ein komplettes Haus hochgezogen und den dazugehörigen Garten angelegt.

Titelverteidiger in Schöning

Eine reife Leistung boten am Freitag und Samstag die Westerwieher Tanzgarden. Als „Ghostbusters“ enterten die quietschfidelen „Beachboys“ den Saal. Da hatten Poltergeister und Schreckensgespenster eindeutig das Nachsehen. Beim Männerballettturnier in Schöning will die Gruppe am Samstag, 8. März, ihren Titel verteidigen. Preisverdächtig waren auch die schwungvollen Choreografien von „Gardeteenies“, Gardekücken“ sowie den Showtanzgruppen „Art of Act“ und „Fascination“.

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