Gewissermaßen eine Gleichberechtigung
Bild: von Stockum
Isa hatte leichtes Spiel bei der ersten Rietberger Herrensitzung. Der Einsatz des Nummerngirls war dank des Sponsorings eines Autohauses möglich.
Bild: von Stockum

Denn während es Frau wie selbstverständlich bei diversen Altweibersitzungen krachen lässt und sich lediglich dem Pastor als einzigem Kerl im Raum erklären muss, ist das starke Geschlecht in dieser Beziehung doch viel zu lange zu kurz gekommen.

Der Inhalt einer solchen Sitzung ist nicht sonderlich komplex und schnell skizziert: Es geht im Wesentlichen um Frauen und Bier. Manchmal auch um Übergewicht, seltener um Politik, schon gar nicht darum, geistige Höhenflüge anzustreben. Niveau? Wo? Zwischen Frühstück in familiärer Eintracht und dem Tatort konzentriert man sich einfach mal ganz gepflegt auf seine Kernkompetenzen. Die Witze zumeist anzüglich, ein sozialer Schmierstoff namens Pils und von falscher Zurückhaltung keine Spur: Befreit von jeglichem Rechtfertigungsdruck lässt es die geballte Testosteronansammlung krachen, als gäbe es keinen (Montag-)Morgen danach. Wem das nicht gefällt, dem ist kaum zu helfen.

Nummerngirl Isa kein Funke-Mariechen

Manche Frau würde am Sonntag nur allzu gern in die Aula des Schulzentrums linsen. Diejenigen, die tatsächlich bis vors vor neugierigen Blicken geschützte Publikum vordringen, werden von den Männern buchstäblich auf Händen getragen: Allen voran das luftig bekleidete Nummerngirl Isa, das – das muss nochmal klargestellt werden – zwar von einem Rietberger Autohaus für diesen Tag verpflichtet wurde, dort aber keinesfalls beschäftigt ist. Kaum weniger gefeiert wurden die Mädels der Gruppe „Fire Guardians“ und die „Beat Babes“ aus Neuenkirchen, die Turmfalken der Grafschaftler und „Fascinations“ aus Westerwiehe, die die Herren nie ohne eine Zugabe von der Bühne lassen wollen.

Ingo Oschmann würde es wieder tun

Vermutlich liegt Wolfgang Hesse beim „Herengedeck“ goldrichtig mit seiner Vermutung, dass die Frauen ganz froh sind, ihre Kerle mal einen Tag nicht an den Hacken kleben zu haben. Als „Bürgerking“ Andreas Sunder den besten Freund des Tages, das Bier, würdigt, geht ein Johlen durch die Reihen, ebenso als der bislang offenbar karnevalsunerfahrene Comedian Ingo Oschmann eine möglicherweise folgenschwere Entscheidung trifft: Beim nächsten Mal macht es der Scherzkuchen (nach eigenen Angaben für einen Keks zu dick) für die Hälfte der Gage, verspricht er. Einfach, weil es so einen Riesenspaß macht, so ein „Kleines Herrengedeck“.

Man(n) gibt sich keine Blöße

Dafür, dass es eine Herrensitzung ist, wird am Sonntag in der Aula unwahrscheinlich viel gesungen und noch mehr getanzt – zumindest auf der Bühne. Ob Norbert Steltenkamp als „Der blaue Bock“, der Rietberger Fanfarenzug mit Jürgen Descher an seiner Spitze, die Kölsche Coverband „Loud Neighbours“, die Gruppe „Potsch“ mit ihrer Hymne auf die gleichgeschlechtliche Partnerschaft, die Grafschaftler Prinzengarde samt ihrer Freakshow oder Leiharbeiter Dirk Bunger, die Fleisch gewordene Überqualifizierung – es ist erstaunlich, wie hoch die Akteure die Messlatte schon beim ersten „Kleinen Herrengedeck“ anlegen. „Das darf keine einmalige Sache bleiben“, raunt der Ex-Grafschaftler-Präsident Gerd Muhle und spricht schon früh das aus, worin sich am Ende alle einig sind.

„Es wird heiß“, verspricht Moderator Philipp Isenborth zu Beginn der Sitzung. Und er behält recht. Mann gibt sich keine Blöße. Zwölf Monate nach der zündenden Idee und gefühlte 48 000-WhatsApp-Nachrichtenspäter geht ein kühner Plan auf

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