Grüne Innenstadt geht gehörig ins Geld
Bild: Grujic
Für das Pflanzbeet am Nordtor in Höhe des Lind-Hotels muss dringend Ersatz her, sagt der von der Stadtverwaltung beauftragte Gutachter. Er schlägt eine Variante mit Betonumrandung vor.
Bild: Grujic

Deshalb hat die Stadt ein Grünkonzept in Auftrag gegeben, über das in der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Klimaausschusses beraten worden ist. Landschaftsplaner Jürgen Edenfeld benannte die Stärken des zur Landesgartenschau im Jahr 2008 intensivierten Grünkonzepts für den historischen Stadtkern, wies aber auch auf Schwachpunkte hin, die nach und nach ausgemerzt werden müssten. Aus Sicht des Experten bildet die Innenstadt in Kombination mit den Wallanlagen eine in sich geschlossene Parkanlage. Durch Bäume, Beete und Rasenflächen entsteht nach Einschätzung Edenfelds „das Gesamtbild einer durchgrünten Stadt, in der man gerne verweilt“. Das Ziel, durch mehr Natur im Ortskern die Aufenthaltsqualität für Einheimische und Touristen zu erhöhen, sei folglich erreicht worden. Davon zeugten auch die Übernachtungszahlen und die durchschnittliche Verweildauer der Gäste in Rietberg, erläuterte Edenfeld.

Schönheit hat ihren Preis – das gilt insbesondere für die Blumensäulen, die zur Landesgartenschau entlang der Rathausstraße aufgestellt worden sind. 30 000 Euro habe im Jahr 2012 allein die Pflege und jahreszeitlich abgestimmte Bepflanzung der Säulen gekostet, informierte Edenfeld. Hinzu kamen fast 1700 Euro für kleinere Reparaturarbeiten und Dünger. In Kürze müsse das gesamte Substrat aus den Pflanzsäulen entfernt und gegen neues ersetzt werden, erklärte der Landschaftsplaner. Das sei aufgrund der vergleichsweise unpraktischen Form der Blumensäulen kostenintensiv, aber unvermeidbar, denn der Nährboden stamme noch aus dem Jahr 2008.

Edenfeld riet dazu, die Säulen gegen leichter transportierbare Elemente zu ersetzen, die aus übereinander gestapelten Etagen bestehen und folglich wesentlich leichter zu pflegen sind. Mit Anschaffungskosten in Höhe 1000 Euro pro Etagensäule müsse man jedoch rechnen. Würden die stationären Elemente gegen diese mobile Variante ersetzt, könnte zudem die arbeits- und kostenintensive Ummantelung der Säulen zu den Karnevalstagen entfallen.

Eine weitere „Baustelle“ sind aus Sicht von Jürgen Edenfeld die Pflanzbeete am Nordtor zwischen dem Lind-Hotel und dem Fotostudio Leweling, die abgängig seien und deshalb zeitnah ersetzt werden müssten.

Bäume haben es in engen Gassen nicht leicht

Als Ersatz für die eigentlich nur als zeitlich begrenzte Zwischenlösung gedachten Beete am Nordtor kann sich Landschaftsplaner Jürgen Edenfeld fest installierte Pflanzflächen vorstellen, die beispielsweise mit Beton eingefriedet werden könnten. Auf dem Prüfstand gestellt werden müssen laut Grünkonzept auch zahlreiche weitere Beete in der Innenstadt. Dabei müsse der Blick sowohl auf die Bepflanzung als auch auf die Größe der einzelnen Flächen gerichtet werden. Es mache zum Beispiel wenig Sinn, ein oder zwei Quadratmeter große Beete zu pflegen – der Aufwand hierfür sei relativ hoch und der Nutzen vergleichsweise gering.

Kritisch in Augenschein genommen hat Edenfeld bei der Erstellung des Grünkonzepts auch verschiedene Baumstandorte in der Altstadt. Sein Fazit: Bedingt durch die enge Bebauung fristet so mancher Baum im wahrsten Wortsinn ein Schattendasein. Nicht nur der Lichteinfall ist gering, auch die Entfaltungsmöglichkeiten für das Wurzelwerk und die Versorgung mit Wasser und Nährstoffen könnten besser sein. Planer Edenfeld rät dazu, einzelne Standorte zu überdenken und grundsätzlich über die Wahl anderer Sorten nachzudenken, die nicht so sehr in die Höhe schießen und folglich von den sie umgebenden Häusern nicht so stark eingeengt werden. Den Rosimien, die in den 1980er-Jahren entlang der Rathausstraße in die Erde gesetzt worden sind, bescheinigt der Fachmann aus Neuenkirchen keine gute Zukunft. Der alle zwei Jahre erforderliche Rückschnitt sei nichts anderes als ein „Sterben auf Raten“. Die Schmale Sumpfeiche, die maximal 15 Meter hoch und fünf Meter breit werde, mache in der schwierigen Gemengelage zwischen Fahrbahn, Gehweg, Stellflächen und historischer Bausubstanz mehr Sinn. „Und dort, wo es der Platz zulässt, könnte man auch Linden pflanzen“, unterstrich Jürgen Edenfeld.

Als eher ungeeignet für innerstädtische Standorte stuft er auch die Baumsorten Winterlinde, Türkische Baumhasel und Ginko ein, die entlang der Seitenstraßen zu finden sind. Baummagnolien und Amberbäume seien den besonderen Anforderungen besser gewachsen. Insgesamt gibt es im Stadtkern 68 Bäume in kommunalem Besitz, größere Anlagen wie den Klostergarten oder das Ehrenmal-Umfeld nicht mitgerechnet. Für zirka 300 Euro pro Stück seien Ersatzexemplare zu bekommen, sagte Edenfeld.

Festhalten will der Landschaftsplaner an den Pflanzampeln sowie an den Blumenkästen vor den Fenstern der Häuser sowie an den Rankpflanzen vor Fassaden. Hier gelte es, sogar noch draufzusatteln. Die Wirkung dieser kleinen „Blühzonen“ dürfe nicht unterschätzt werden.

Ziel: Pflegestandards beibehalten

23 Einzelmaßnahmen umfasst der Handlungskatalog, den der von der Stadt mit der Erstellung des Grünkonzepts beauftragte Landschaftsplaner Jürgen Edenfeld den Mitgliedern des Umwelt- und Klimaausschusses vorgelegt hat. Sie sind in drei Kategorien aufgeteilt: Die Umsetzungsempfehlung variiert zwischen einem Jahr und mehr als fünf Jahren.

Dirk Bunger (CDU) vermisste eine konkrete Kostenaufstellung zu den einzelnen Maßnahmen. „Das hätte uns die Entscheidung leichter gemacht.“ Josef Beermann (FWG) regte an, zur Reduzierung der laufenden Pflegekosten für die Grünanlagen und Beete im Stadtkern auf die Unterstützung Ehrenamtlicher zu bauen. „In Neuenkirchen kümmert sich eine Helfergruppe um Stadlers Wäldchen, auch die Pflanzkübel im Ortskern werden ehrenamtlich in Ordnung gehalten. Das müsste doch auch in Rietberg möglich sein.“

Beermanns Fraktionskollege Jürgen Don unterstrich, dass die Aufrechterhaltung des „grünen Standards“ in der historischen Innenstadt fraktionsübergreifender Konsens sei. „Eine kahle Rathausstraße wäre das Schlimmste, was uns passieren kann.“ Allerdings müsse in Zeiten knapper Kassen nach Wegen gesucht werden, um die Kosten zu senken. Auch Uwe Goldbeck (Grüne) regte an, über Patenschaften für Säulen und Beete oder andere Formen der Bürgerbeteiligung ernsthaft nachzudenken.

„Wir sind die Letzten, die sich gegen solche Vorschläge sträuben“, sagte Bürgermeister Andreas Sunder. Die Aufrechterhaltung des Pflegestandards sei aber nun einmal nicht zum Nulltarif zu haben. Bislang kümmern sich in erster Linie die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs um Bepflanzung und Bewässerung von Bäumen, Beeten, Blumensäulen und Co.

Die Mitglieder des Umwelt- und Klimaausschusses folgten einstimmig dem Beschlussvorschlag der Verwaltung. Der sieht vor, dass „aufgrund der besonderen Bedeutung des Innenstadtbereichs die hochwertige Grünpflege weiterhin beibehalten wird“. Die im Grünkonzept enthaltenen Optimierungsvorschläge sollen „im Rahmen der personellen und finanziellen Mittel und unter Beachtung der fachlichen und praktischen Gegebenheiten nach und nach umgesetzt werden“, heißt es in dem Beschluss.

SOCIAL BOOKMARKS