Haftbefehl gegen Artur T. wird aufgehoben

Artur T. hat im Westerwieher Mordprozess erstmals eingeräumt, am 3. November 2015 nach Westerwiehe gefahren, beim Kerngeschehen jedoch nicht dabei gewesen zu sein.

Eine Aufhebung des Haftbefehls soll bei der nächsten Sitzung der Ersten Kammer am 20. Mai erfolgen. Das heißt auch, dass T. bis zu einem neuen Haftantritt auf freien Fuß kommt. Darauf verständigten sich am späten Mittwochnachmittag Kammer, Staatsanwalt und Verteidiger. Der Komplize von T., Robert D., hat indessen wenig Aussichten, dass sich seine lebenslange Inhaftierung noch ändern wird. Die Anwälte von T., die auf eine Freilassung ihres Mandanten abgezielt haben, wollen sich vermutlich am 20. Mai in Plädoyers äußern.

Martin Rother, einer der beiden Verteidiger von D., nannte der Kammer einen für die Beweisnahme „wichtigen Aspekt“: Sein Mandant sei sich aufgrund einer aktuellen Erinnerung „relativ sicher“, dass in seinem bei seiner Festnahme beschlagnahmten Handy die Telefonnummer von „Wiqutor“ gespeichert ist. Der Begriff ist die polnische Schreibweise von „Viktor“, jenem Namensträger – vermutlich russischer Provenienz –, der im Kerngeschehen im Haus der Brüder Heinrich und Werner S. mitgewirkt haben soll und seither vergeblich gesucht worden ist. Auch ein weiterer, ebenfalls nicht greifbarer Zeuge, ein gewisser „Tomek“, wurde am Mittwoch erneut ins Gespräch gebracht. Diesmal hieß es, der Gesuchte sei zu irgendeinem Zeitpunkt bei dem Rheda-Wiedenbrücker Fleischkonzern Tönnies beschäftigt gewesen.

Die Diskussion drehte sich außerdem um die Frage, ob im ersten Verfahren im Vorfeld des Urteilsspruchs Gespräche zwischen den damaligen Verteidigern und dem Staatsanwalt über einen Strafrahmen von sieben bis maximal 14 Jahren Gefängnis geführt worden sind. Der jetzige Anklagevertreter Udo Vennewald teilte mit, sein zu diesem Zeitpunkt eingesetzter Kollege habe ihm versichert, dass es sich um „Sondierungsgespräche“ gehandelt habe. Vor allem soll es dabei um die Frage gegangen sein, ob T. als Angeklagter im Tötungsdelikt bei seiner Einlassung anders eingestuft werden sollte. Damals hatten sowohl T. als auch D. bis zuletzt über den genauen Tathergang geschwiegen – auf Anraten ihrer Anwälte.

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