Haftstrafe für Mordversuch an Ehefrau
Archivbild: Eickhoff
Am 18. Oktober hatte ein Rietberger an der Dr.-Bigalke-Straße auf seine Frau eingestochen.
Archivbild: Eickhoff

 Die Motive des gewalttätigen Mannes, der die 27-jährige Mutter zweier Töchter vor der Tat bereits zweimal krankenhausreif geprügelt hatte, bezeichnete Richterin Jutta Albert als verachtenswert. „Dieser Prozess hat deutlich gezeigt, dass eine Eheschließung einer in Deutschland aufgewachsenen, gebildeten Frau mit türkischem Hintergrund mit einem Mann aus der Türkei, der mitgebrachtes Rollenverständnis nicht abgelegen will, nicht vereinbar ist“, betonte die Vorsitzende des fünfköpfigen Richtergremiums. Die Staatsanwaltschaft hatte elf Jahre Freiheitsstrafe für schuldangemessen gehalten, der Verteidiger hatte vier Jahre Gefängnis wegen gefährlicher Körperverletzung gefordert.

Narzistische Persönlichkeit

 Richterin Jutta Albert betonte zu Beginn ihrer einstündigen Urteilsbegründung, der Täter habe seiner Frau Untreue unterstellt, die er bereits beim „Austausch eines Kusses“ gesehen habe. Er habe verdeutlicht, dass es „mit der Position eines türkischen Mannes absolut nicht zu vereinbaren ist, etwa Windeln zu wechseln.“ Er sei eine narzistische Persönlichkeit, die nur das Wörtchen „Ich“ kenne. Was er seiner Frau angetan habe, sei für ihn zweitrangig. Als verachtenswert nannte die Richterin die in der Beweisaufnahme gesammelten Motive für die Bluttat: beispielsweise die Wut über eine Ehefrau, die die Spielsucht ihres Partners nicht mehr ertragen konnte. Ihr Mann hatte die Nächte mit Freunden im Café beim Würfeln und Zocken vergeudete. Dann der Streit über die Schulden des arbeitslosen Mannes, der sich Bankkredite holte und die Ehefrau zwang, diese zu unterzeichnen. Diese Sache kam in Streitgesprächen immer wieder zur Sprache. Seine Wut über die zerrüttete Ehe, seine Eifersucht auf angebliche Bekanntschaften seiner Frau, die Einschaltung der Polizei, die „Rückkehrverbote“ für den Täter in die gemeinsame Wohnung anordnete, die Verweigerung von Aussprachen, die die 27-Jährige ablehnte.

Heimlich den Notruf gewählt

Schließlich war da noch seine Wut über die Notlüge seiner Frau, sie habe die Polizei nicht alarmiert, als er sie am 18. Oktober 2010 – vor der Messer-Attacke – bedrängte. Als sie sich der Gefahr einer Eskalation bewusst wurde, hatte sie heimlich auf ihrem Handy den Notruf ausgelöst.

Für die Richterin stand fest: Der 32-jährige Messerstecher hat seine Ehefrau mit einem Küchenmesser auf dem Bürgersteig der Dr.-Bigalke-Straße zu töten versucht, aus „sehr niedrigen Beweggründen.“. Er habe schon auf sie eingestochen, als sie noch auf beiden Beinen stand. Er habe sie zu Boden gerissen, ihre Kleider hochgeschoben und der sich auf dem Bürgersteig windenden Frau weitere „sieben nachweisbare Stiche“ bis zu zwölf Zentimeter tief beigefügt. Die Klinge traf eine Niere.

Mit einem theatralischen Aufschrei nahm der Angeklagte, dem eine Dolmetscherin übersetzen musste, das Urteil zur Kenntnis. In den 55 Minuten der Urteilsbegründung gab er ein weinerliches Bild ab. „Es würde ihm gut zu Gesicht stehen, wenn er an andere denken würde, bevor er an die eigene Sache denkt“, gab die Richterin dem Angeklagten einen Hinweis. Am Ende der Verhandlung meldete er sich zwar zu Wort, aber die Richterin entzog es ihm wieder, als sie feststellte, dass er lediglich über die Höhe des Urteils diskutieren wollte. Der Verhandlung wohnte auch die 27-jährige Ehefrau des Verurteilten schweigend bei. Beim Verlassen des Gerichtssaals brach sie weinend zusammen.

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