Idyllischer Park weicht Bauvorhaben
Bild: Vredenburg
Trauriges Bild: Die frühere Parklandschaft am Bibeldorf in Rietberg war bekannt für ihre prachtvollen Buchen, Eichen, Eschen, Birken und Platanen. Seit wenigen Tagen ist die Fläche komplett gerodet. Die Stadt will das Areal bebauen.
Bild: Vredenburg

Dennoch fielen auf der Parkfläche am Bibeldorf jetzt viele prächtige Buchen, Eichen, Eschen, Birken und Platanen, die jahrzehntelang gewachsen waren, der Säge zum Opfer. Grund für den Kahlschlag: Das Areal soll bebaut werden. Der geänderte Bebauungsplan teilt das 0,6 Hektar große Gebiet in zwei Teilbereiche mit unterschiedlichen Nutzungsmaßen. Im nördlichen Areal, das an die Ems grenzt, sind auf vier Grundstücken Einfamilien- oder Doppelhäuser mit je zwei Wohneinheiten geplant, im südlichen Bereich sollen zwei Mehrfamilienhäuser mit je sechs Wohneinheiten entstehen. Zudem soll die Verkehrsfläche entlang der Eberhard-Unkraut-Straße erweitert werden, um dort die Abfallbehälter unterzubringen.

Auf Fläche sollen Häuser entstehen

„Das Gebiet zeichnet sich im Wesentlichen durch die markanten Gehölzstrukturen auf der Fläche und in den Randbereichen aus. Neben seiner ökologischen Wertigkeit wirkt der Gehölzbestand städtebaulich prägend und identitätsstiftend“, hatte das Büro für Stadtplanung und Kommunalberatung Tischmann Schroten aus Rheda-Wiedenbrück in der Begründung zur Bebauungsplanänderung geurteilt und deshalb vier in Kettenform aneinandergereihte Einfamilienhäuser als zweite Bebauungsvariante vorgeschlagen. Die zurückhaltendere Bebauung biete den Vorteil, einen Großteil der Gehölze halten zu können. Aus naturschutzfachlicher Sicht favorisierten auch die Untere Landschaftsbehörde des Kreises Gütersloh sowie der Landesbetrieb Wald und Holz NRW im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung diese schonendere Variante.

Politik und Verwaltung konnten sich „in Abwägung der privaten und öffentlichen Interessen“ dafür jedoch nicht erwärmen. Der Bauausschuss votierte einstimmig für die große Lösung. „Um den Privaten eine angemessene Gestaltungsfreiheit bei der Nutzung und Gestaltung der Gartenbereiche einzuräumen und aufgrund unzureichender Kontrollmöglichkeiten soll auf eine Festsetzung zum Erhalt für den Gehölzbestand in der Fläche weitgehend verzichtet werden“, heißt es in den Erläuterungen zur Änderung des Bebauungsplans. Lediglich im Südosten des Plangebiets solle „aus städtebaulichen und ökologischen Überlegungen“ eine Buche zum Erhalt festgeschrieben werden.

Planänderung läuft im beschleunigten Verfahren

Die Ausgleichsmaßnahmen begrenzen sich auf einen fünf Meter breiten Pflanzstreifen entlang der westlichen und östlichen Plangebietsgrenze, mit einer mindestens zweireihigen Wildstrauch- oder Baumhecke mit heimischen Gehölzen im Westen. Auf eine Festsetzung zur Anpflanzung von Bäumen soll dort aber ebenfalls verzichtet werden, „um eine ausreichende Besonnung der Grundstücke zu gewährleisten“. Im Osten soll die Anpflanzung einer Heckenstruktur mit mindestens einem Baum je 20 Meter entlang der Grundstücksgrenze im Bebauungsplan festgesetzt werden – mit der Auflage, diese Bepflanzung dauerhaft zu erhalten.

Die Stadt Rietberg hat sich entschieden, die Änderungen der Bebauungs- und Flächennutzungspläne im beschleunigten Verfahren durchzuführen, und beruft sich dabei auf eine Maßnahme der Innenstadtentwicklung und darauf, dass die versiegelbare Fläche keine zwei Hektar betrage. Die Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung ist nicht vorgesehen. Die Stadt hält die Ausweisung der Bauflächen „zur Sicherung einer bedarfsgerechten Entwicklung und zur Deckung des örtlichen Wohnraumbedarfs“ grundsätzlich für geboten und räumt der Planung Vorrang vor einem Verzicht auf Eingriffe in Natur und Landschaft ein. Da laut Experten auf Ebene der Bauleitplanung nicht alle denkbaren Auswirkungen auf den Artenschutz ermittelbar sind, kann die Stadt für Schäden nach dem Umweltschadensgesetz haftbar gemacht werden.

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