Jahrzehntelange Flickschusterei
Bild: von Stockum
Teuer zu stehen kommt die Flächenkommune ihr großes Wirtschaftswegenetz. Jahrzehntelang ist versäumt worden, ausreichend Finanzmittel zur Instandhaltung bereitzustellen. Mittlerweile bewegen sich die ermittelten Kosten im zweistelligen Millionenbereich.
Bild: von Stockum

Selbst vor dem Hintergrund, dass die Investitionen in den kommenden Jahren deutlich höher ausfallen sollen, als das in der Vergangenheit der Fall war, wird die Kommune es kaum schaffen können, flächendeckend einen passablen Zustand zu erreichen.

Auch wenn es nicht besonders sexy sei, müsse man sich im Klaren darüber sein, dass für das Wirtschaftswegenetz künftig noch mehr Geld in die Hand genommen werden müsse, betonte Bürgermeister Andreas Sunder während der jüngsten Sitzung des Bau-, Planungs- und Verkehrsausschusses. Zuvor hatte Kai Weltzien vom Büro Lehmann und Partner (Erfurt) ein Konzept vorgelegt, wie die Stadt dem Verfall im Außenbereich begegnen kann, und das ganze mit Zahlen unterlegt. Und die waren alles andere als erfreulich.

Eine halbe Million Euro stehen für dieses Jahr im städtischen Haushalt zur Instandsetzung der Wirtschaftswege zur Verfügung, ab 2019 soll weiter draufgesattelt werden. Aber selbst das ist noch deutlich zu wenig. Weltzien kommt auf einen Bedarf von 13,7 Millionen Euro. 28 Prozent der Anlagen müssten umgehend instandgesetzt werden, weitere 37 Prozent seien kaum weniger marode. Setzt sich der Verfall in diesem Maß fort, so glaubt Weltzien, werde man in wenigen Jahren zwei Drittel des gesamten Bestands erneuern müssen. Das entspräche dann 150 Kilometern.

Sunder machte unlängst deutlich, dass die Wirtschaftswege in den vergangenen Jahrzehnten alles andere als ein Aufgabenschwerpunkt dieser Kommune gewesen seien. Man habe das Netz vernachlässigt. Jetzt sei es nicht damit getan, nur Geld hin-einzupumpen. Es brauche auch Personal, dass diese Herausforderung stemme, „wenn es nicht wieder Flickschusterei werden soll“.

Wichtig ist eine Differenzierung zwischen Gemeindestraßen und Wirtschaftswegen. Erstere finden sich im dicht besiedelten Raum. Wenn dort Maßnahmen dringend erforderlich werden, beteiligt die Kommune die Anlieger an den Kosten. Im Außenbereich sieht das anders aus. Denn die Wirtschaftswege dort erfüllen verschiedene Funktionen und dienen nicht nur der Erreichbarkeit der Höfe. Insofern möchte die Stadt davon absehen, die Landwirte an der Rechnung zu beteiligen. Deshalb sind die zunächst eingeplanten 500 000 Euro ausschließlich für die Erhaltung und Instandsetzung der Pättkes auf dem Land bestimmt.

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