Joggerin rettet drei Katzen das Leben
Weil sich Ivonne Eppings eigene Katzen nicht so recht mit den drei Findelkindern anfreunden können, sucht die Westerwieherin für die fünf Wochen alten Stubentiger, die sie am Freitag beim Joggen entdeckt hat, ein neues Zuhause. „Interessenten können sich bei mir melden“, sagt die 47-Jährige.

Bei Cafébesitzerin Ivonne Epping sind die flauschigen Katzenkinder in Sicherheit. Auf dem Hof an der Lipplinger Straße unweit der Pfarrkirche haben sie ein neues Zuhause auf Zeit gefunden. Noch am vergangenen Freitag war es um ihr Schicksal schlecht bestellt. Von ihren Vorbesitzern in der Westerwieher Wildnis ausgesetzt, waren die hilflosen Kätzchen auf sich selbst angewiesen.

An diesem Tag ist alles anders

Regelmäßig joggt Ivonne Epping mit Mischlingshündin Ella über den Radweg auf der alten Bahntrasse in Richtung Nadermanns Tierpark. Die Strecke kennt die 47-Jährige wie ihre Westentasche. Und doch ist an diesem Freitag alles anders.

Grausige Gewissheit

Den regungslosen Katzenkörper auf dem Grünstreifen am Wegesrand sieht die Gastronomin schon von Weitem. Als sie näher kommt, wird aus der düsteren Vorahnung grausame Gewissheit: Die kleine Katze ist tot. Im angrenzenden Dornengebüsch entdeckt Ivonne Epping zwei weitere Katzenkinder. Der weiß-rot gefärbte Kater und sein Schwesterchen mit samtweichem Fell in Schildpattfärbung machen mit lautem Miauen auf sich aufmerksam. Nur freiwillig aus dem Gestrüpp hervorkommen, das wollen sie nicht. „Wahrscheinlich hatten sie zu viel Angst“, sagt Ivonne Epping. „Wer weiß, welche schlimmen Dinge sie schon erlebt haben.“

Schnell zurück nach Hause

Die Westerwieherin zögert nicht eine Sekunde. Sie dreht um und läuft mit Hündin Ella zurück nach Hause. Dort versorgt sie sich mit allem, was sie zur Rettung der Katzen braucht: Ein verschließbarer Pappkarton mit ausreichend Luftschlitzen, eine Heckenschere, Handschuhe, mit Wasser verdünnte Milch und frisches Hackfleisch, das sie von ihrer Nachbarin bekommen hat.

Rettungsaktion mit der Heckenschere

Zurück am Fundort, bahnt sich Ivonne Epping mit der Heckenschere vorsichtig einen Weg zu den wimmernden Katzen. Als sie die beiden in den mitgebrachten Karton gesetzt hat, fallen die völlig ausgehungerten Tiere förmlich über Milch und Hackfleisch her. Sofort zeigen die flauschigen Schwänzchen vor Glück und Zufriedenheit in die Höhe. Wenige Minuten später setzt eben dieses behagliche Schnurren ein, mit denen Katzen ein Gefühl der Geborgenheit quittieren. Und Ivonne Epping weiß, dass sie alles richtig gemacht hat.

„Nimm mich mit!“

Als Ivonne Epping zum zweiten Mal an diesem Tag von der alten Bahntrasse aus den Heimweg antreten will, hört sie wieder ein Miauen. Es kommt nicht aus dem Karton und nicht aus dem Gebüsch, sondern aus einem nahe gelegenen Maisfeld. Dort hatte das dritte der Geschwisterchen auf seine Rettung gewartet. „Es klang ein bisschen so, als ob er sagen wollte: ,Halt, ich bin auch noch hier. Nimm mich mit!‘“, erinnert sich die 47-jährige Tierfreundin. Klar, dass sie dem weiß-rot getigerten Kater, der etwas dünner ist als seine beiden Geschwister, diesen Wunsch nur zu gern erfüllt.

„Kinderzimmer“ im Café

Eine umfangreiche tierärztliche Untersuchung haben die drei „Findelkinder“ inzwischen hinter sich. Und an ihr „Kinderzimmer“ in einem Nebenraum des Cafés haben sie sich längst gewöhnt.

„Herzlos und unverantwortlich“

Wenn Ivonne Epping an die Ereignisse der letzten Tage zurückdenkt, kann sie vor allem eins nicht verstehen: „Wie jemand so herzlos sein kann, so junge Katzen auszusetzen und sie damit einfach ihrem Schicksal zu überlassen.“ Drei der vier hätten zwar überlebt, „doch es hätte auch ganz anders kommen können“. Dass sie die Tiere ausgerechnet am letzten Tag vor den Sommerferien entdeckt habe, lege den Verdacht nah, „dass die Vorbesitzer in den Urlaub fahren wollten und nicht wussten, was sie mit den jungen Katzen machen sollten“. Herzlos und unverantwortlich nennt Ivonne Epping, die für die Katzenkinder jetzt nach neuen Besitzern Ausschau hält, dieses Verhalten.

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