Jugendhäuser laufen teils auf Sparflamme
Bild: Vredenburg
Knapper Personalschlüssel: Diplom-Sozialpädagoge Patrick Walkenfort, Sozialarbeiterin Jennifer Glaeser und Diplom-Pädagoge Thomas Müller (v. l.) versorgen zurzeit im Rahmen der offenen Jugendarbeit drei Standorte: Rietberg, Neuenkirchen und Mastholte.
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Werner Bohnenkamp (FWG) fragte im Schul- und Sozialausschuss nach, ob es nicht möglich sei, aus der Zweigstelle ein drittes Jugendhaus zu machen, das dann mit den gleichen Öffnungszeiten wie in Rietberg und Neuenkirchen aufwartet. „Sie als Stadt müssen entscheiden, ob Sie das wollen, und dann einen Antrag an den Kreis stellen mit Zahlen, Daten und Fakten“, erklärte Barbara Grube vom Kreisjugendamt. Bezüglich der in der Septembersitzung diskutierten Frage, wie der Kreis sich zur aufsuchenden Jugendarbeit oder zum Streetworking positioniere, stellte die Kreisjugendpflegerin klar: „Auch darüber entscheide nicht ich.“ Die Stadt müsse zunächst den Bedarf ermitteln und dann einen entsprechenden Antrag stellen. Grube machte zudem deutlich, dass aufsuchende soziale Arbeit oder Streetworking keine Ordnungsmaßnahmen beinhalten. In der klassischen Arbeit eines Streetworkers, der als Fürsprecher der Jugendlichen auftrete, stehe die Stärkung der Heranwachsenden und ihres Umfelds im Vordergrund.

Dass in Versmold und Borgholzhausen aufsuchende Jugend- und Sozialarbeit praktiziert wird, habe damit zu tun, dass es dort keine Jugendhaus-Außenstellen gebe. Das sehe in der Kommune Rietberg anders aus. „Die Städte Halle und Steinhagen-Brockhagen haben sich zusätzlich zu ihren Jugendhäusern für eine eigene aufsuchende Sozialarbeit entschieden“, informierte Grube. Mit Blick auf die Öffnungszeiten der drei Standorte in Rietberg, Neuenkirchen und Mastholte vertrat Sozialamtsleiter Wilfried Dörhoff die Meinung, dass die Stadt mit dem derzeitigen Angebot kreisweit im vorderen Bereich liege. „Wir sind aber für eine Diskussion offen“, unterstrich er. Zurzeit laufe eine zusätzliche Sonntagsöffnung zweimal im Monat von 15 bis 20 Uhr an. Bezüglich der aufsuchenden Jugendarbeit durch Streetworker sagte Dörhoff: „Wir müssen überlegen, ob wir das wirklich wollen, oder ob das bisherige Angebot reicht.“ Derzeit ist das Personalkontingent eingeschränkt. Planmäßig mit 3,5 Stellen besetzt, habe es in der offenen Jugendarbeit seit eineinhalb Jahren eine spürbare Fluktuation der Mitarbeiter gegeben, erläuterte Dörhoff.

Durch den Wechsel des langjährigen Leiters des Neuenkirchener Jugendhauses in die Nachbargemeinde Verl sei eine Vakanz entstanden, die sich auch auf die Öffnungszeiten auswirke, informierte Sozialamtsleiter Wilfried Dörhoff das Gremium. Zumindest in der Südtorschule und im Haus Reilmann sei das Team mit 2,5 Stellen wieder vollzählig. Die Einrichtung in Neuenkirchen öffne indes derzeit nur zwölf Stunden in der Woche. „Aktuell laufen Bewerbungsgespräche zur Neubesetzung der offenen Stelle, so dass bald mit einer Verbesserung der Situation zu rechnen ist“, teilte Stadtsprecher Juergen Wohlgemuth auf Nachfrage der „Glocke“ mit. Die Stadt, die sich als Trägerin der drei Jugendhäuser an den Vorgaben des Kinder- und Jugendförderplans des Kreises orientiert, erhält im Gegenzug eine Förderung in Höhe von 65 Prozent der Personalkosten und des pädagogischen Etats. Der Plan ist auf der Internetseite des Kreises hinterlegt.

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