Kaiser verlässt das Wapeldorf
Bild: Vredenburg
Morgen ist es vorbei: Nach 25 Jahren schließt Bernhard Kaiser sein „Kaiserliches Postamt“ im Schatten der Pfarrkirche.
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„Ich werde dich vermissen“, beteuert ein türkischsprachiger Freund, der kurz vor Feierabend schnell noch ein Päckchen Tabak kauft und ein wenig wehmütig erwähnt, dass „Cheffe“ ihn stets in seiner Muttersprache begrüßt habe. Die nicht ganz ernst gemeinte Frage, wie viele Fremdsprachen er sich – begünstigt durch die große kulturelle Vielfalt im Dorf – quasi ganz nebenbei erworben haben mag, winkt Kaiser lachend ab. Begrüßungsworte und Small-Talk auch auf Russisch, Polnisch und Griechisch habe er aber immerhin drauf.

Seine manchmal sehr direkte, gerne Klartext sprechende Art räumt „Lotto-Kaiser“ ohne Zögern ein: „Wer mich aber kennt, weiß mich zu nehmen.“ Die Schließung seines Geschäfts habe er im vergangenen Jahr beschlossen. Die Firma Lüning übernehme die Konzessionen für die Lotto- und Paketannahme, die am Samstag im Elli-Markt neu eröffnet werde. Ebenso wie zwei seiner Mitarbeiterinnen, die dort weiter beschäftigt werden, sei auch er noch stundenweise vor Ort, um das Team zu unterstützen. Das Becker-Haus, sein bisheriger Stammsitz, werde wohl verkauft.

Kaiser erinnert sich noch genau an die Eröffnung seines Geschäfts im Frühjahr 1990, nachdem Carl Spieker auf der anderen Straßenseite seine Lotto-Annahmestelle dicht gemacht hatte. Im Mai 1999 sei dann die Postagentur hinzugekommen. Die frühere Ortsvorsteherin Christel Dreier, die zuvor vehement für den Erhalt des damaligen Postamts im Dorf gekämpft hatte, habe sich aber doch mit der Poststelle in seinem Ladenlokal arrangieren können und ihm zur Eröffnung sogar ein gebackenes Posthorn überreicht.

Mit zwischenzeitlich drei Geschäften und 13 Mitarbeitern – „ich stand damals bei den besten 100 Annahmestellen in der Region immer auf Rang 13“ – hatte Kaiser im Stadtgebiet nach und nach ein gut funktionierendes Lotto-Monopol aufgebaut. „Die Zeiten wurden aber nicht einfacher und so verkaufte ich Ende der 90er-Jahre zunächst das Geschäft am Balkan in Rietberg, einige Jahre später das am Südtor“, blickt der 63-Jährige zurück. Zuvor von morgens früh bis abends spät hinter der Ladentheke, habe er irgendwann mehr Wert auf Lebensqualität gelegt und sich nur noch auf das Geschäft in Neuenkirchen konzentrieren wollen.

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