Kaninchenzüchter feiern Goldjubiläum
Bild: Daub
Die Vorbereitungen für die Jubiläumsschau des Kaninchenzuchtvereins W 376 Rietberg laufen auf Hochtouren.
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Alle Hände voll zu tun hatten im Vorfeld der Jubiläumsschau nicht nur die Jungzüchter, sondern auch die gestandenen Vereinsmitglieder. Es galt, das Festzelt im Neuenkirchener Teil des Gartenschauparks für die Jubiläumsschau vorzubereiten. 300 Tiere aus unterschiedlichen Rassen und Farbschlägen sollen an zwei Tagen gezeigt werden. Dass die Züchter ihre Ausstellung in einem Zelt veranstalten, ist neu. Bislang nutzten sie für gewöhnlich die Halle der Gaststätte Blomberg an der Rathausstraße. Aber im Jubiläumsjahr wollen die Kaninchenfreunde andere Wege gehen. 1964 wurde der Rietberger Kaninchenzuchtverein aus der Taufe gehoben. In der Gaststätte Mitte-Funke beschlossen Gerhard Mertens, Johannes Morfeld und Josef Linnemann aus Rietberg sowie Erwin Hille aus Oesterwiehe und Heinz Jungmann aus Neuenkirchen die Vereinsgründung. Heute lebt von den Gründern nur noch der inzwischen 73 Jahre alte Gerhard Mertens. Johannes Morfeld wurde damals zum ersten Vositzenden gewählt. Heute steht Wolfgang Ewers an der Spitze der Züchter, sein Stellvertreter im Amt ist Mathias Hollmann. Gegenwärtig zählt der Verein 40 Mitglieder, die allesamt die Vorliebe für Rassekaninchen teilen. Es gab bereits drei Vorgängervereine in Rietberg, den ersten ab Juni 1931. Ihm war jedoch keine lange Lebensdauer beschieden. Ein weiterer Verein verfolgte in den Kriegsjahren von 1939 bis 1945 vor allem das Ziel, die Bevölkerung mit frischem Kaninchenfleisch zu versorgen. Nach Kriegsende verschwand er sang- und klanglos in der Versenkung. Dass Kaninchen im Krieg und in den Aufbaujahren danach nicht aus Lust und Laune, sondern wegen ihres Fleischs gehalten wurden, ist kein Geheimnis. Da wurden den gerade einmal 1800 Gramm leichten Zwergwiddern die fünf Kilo schweren Blauen Wiener oder die Zehn-Kilo-Prachtexemplare von Deutschen Riesen vorgezogen, denn es galt, rein pragmatisch zu denken. Ab den 1960er-Jahren konzentrierte sich das Interesse der Rietberger Züchter vermehrt auf die Haltung möglichst vieler Rassen und Farbschläge. Heute ist es die Freude am lebendigen Tier, an seiner Fellfarbe, Statur und Vitalität, die das Freizeitvergnügen der Züchter ausmacht.

Schwarzer Schleier bedeckt das Fell

Die Spannbreite der Kaninchenrassen, die im Jubiläumsjahr von den Mitgliedern gezüchtet werden, ist groß. Deutsche Riesenschecken und Deutsche Widder zählen zu den besonders stattlichen Exemplaren. Eine Nummer kleiner sind Helle Großsilber, Blaue Wiener, Hasenkaninchen, Alaska und Havanna. Sachsengold, Kleinchinchilla und Rhönkaninchen bringen es auf noch geringere Maße. Zu den Exoten gehören die Schwarzgrannen, die ein eigentlich weißes Fell tragen, über das sich jedoch ein rußig-schwarzer Schleier legt, der durch so genannte Grannenhaare verursacht wird. Auch Züchter von Kurzhaarrassen (Blau- und Weißrexe) und Haarstrukturrassen (Satinkaninchen) sind in den Reihen der Rietberger Vereinigung zu finden. Bereits sechs Monate nach der Gründung richtete der Verein die Jungkaninchenschau des Wiedenbrücker Kreisverbands aus. Auf dem Gelände von Züchterfreund Horstkemper wurden 245 Tiere aus 34 Rassen präsentiert. Eine weitere Kreisjungtierschau folgte 2004 mit mehr als 1000 Tieren. 2008 und 2010 wurden weitere Kreisschauen realisiert – sie lockten zahlreiche Besucher ins Kolpinghaus und ins „Atrium“. Bis 2008 sorgten Züchter, die mit vielen Auszeichnungen dekoriert wurden, dafür, dass Rietberg als eine Hochburg für Blaue Wiener in der Region bekannt war. Danach hob sich dieser gute Ruf wieder auf –weil die entsprechenden Vereinsmitglieder entweder das Züchten aufgegeben hatten oder verstorben waren. Mit seinem Beitrag zur Landesgartenschau 2008 konnte der Kaninchenzuchtverein W 376 Rietberg in der Öffentlichkeit nachhaltig punkten: Seitdem erfreuen sich nämlich unzählige junge und alte Parkbesucher an einer Auswahl kuschliger „Mümmelmänner“, die die Züchter in ihrer Anlage unweit der Volksbank-Arena präsentieren. 15 Tiere werden in den Ställen und Freilaufgehegen Jahr für Jahr bis Ende Oktober gezeigt, bevor sie ins wärmere Winterquartier wechseln. In Wurfweite von dort, wo der Verein seit 2008 öffentlichkeitswirksam für die Kaninchenzucht wirbt, steht das Festzelt, in dem am Samstag, 10 bis 19 Uhr, und am Sonntag, 10 bis 18 Uhr, die Jubiläumsschau über die Bühne geht – so schließt sich der Kreis.

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