Kaum einer ist wunschlos glücklich
Bild: Werneke
Fahrschulbetreiber Bertwald Adrian im Gespräch mit dem Leiter der „Glocke“-Lokalredaktion, Nimo Sudbrock, und seinem Stellvertreter Kai von Stockum (v. l.).
Bild: Werneke

Leider ist es ja nicht ganz so einfach, dennoch muss etwas Träumerei erlaubt sein, gerade zum Fest der Feste, an dem unfassbar viele Wünsche tatsächlich in Erfüllung gehen. Und so hat die Lokalredaktion der „Glocke“ unlängst in Rietbergs guter Stube die Bürger gefragt, welche Wünsche sie für ihre Heimatstadt hegen, was das Leben dort noch lebenswerter machen würde und wo Politik beziehungsweise Verwaltung im neuen Jahr ganz dringend ran müssen.

„Glocke“-Aktion lockt zahlreiche Teilnehmer

Am Ende des Tages war es ein recht ansehnlicher Stapel Karten, auf denen die Teilnehmer ihre Hoffnungen notiert hatten. Wunschlos glücklich ist eigenen Angaben zufolge nur Bürgermeister Andreas Sunder an diesem Abend gewesen. Andere mussten nicht lange überlegen, wo es ihrer Ansicht nach noch Verbesserungsbedarf gibt, und an welcher Stellschraube es sich zu drehen lohnt. Insbesondere die Innenstadt ist den Rietbergern ein Herzensanliegen. „Ich wünsche mir eine verkehrsberuhigte Zone, in der wir viele Geschäfte zum Shoppen aufsuchen können und zwischendurch Pause in einem schönen Café machen können“, schrieb eine Teilnehmerin. Eine andere regte eine Fußgängerzone an, wiederum jemand anderes könnte sich für eine deutlich rollstuhlgerechtere Pflasterung erwärmen.

Hoffnung auf Entschleunigung

Hardy Vormittag würde eine gewisse Entschleunigung auf der Rathausstraße fürs Erste schon reichen. Andrea Brinkmann sehnt sich ein „perfektes Innenstadtkonzept“ herbei, „an dem niemand herummäkelt“. Eine erfolgreiche Umsetzung vorausgesetzt, könnte dann auch möglicherweise der Wunsch von Marianne Bartscher, „dass die Geschäfte endlich wieder voll werden“, in Erfüllung gehen. Georg Tölle hat mit der Outlet-Geschichte noch nicht vollständig abgeschlossen. Man könnte doch in zwei Jahren erneut über das Vorhaben abstimmen, meinte der Einzelhändler im Ruhestand vor dem Redaktionsmobil der „Glocke“. „Vielleicht machen die Investoren ja noch mit und haben noch bessere Ideen.“ Hauptsache sei doch, dass in Rietberg etwas passiere, so Tölle weiter. Und Gerd Muhle schrieb auf die (rote) Karte: „Ich wünsche mir, dass wir alle begreifen, in welch liebenswerter Stadt wir leben.“

Mehr als genug Stellschrauben

Josef Martinschledde würde es sehr begrüßen, wenn die Innenstadt in Gänze altengerechter gestaltet würde – insbesondere die Pflasterung der Müntestraße sei für Menschen mit Rollatoren oder anderen Hilfsmitteln schwer zu bewältigen. Selbst mit dem Rieti-Express sei es recht holprig. Bertwald Adrian hält an einer Idee zur Steigerung der Attraktivität der Innenstadt fest, die eigentlich schon als begraben gilt: die Pförtnerampel am Nordtor. „Ich finde den Vorschlag nach wie vor gut“, sagt der Fahrschullehrer. Das Gleiche gilt für das City-Outlet. „Es wäre schön gewesen, wenn das geklappt hätte“, so Adrian weiter. Nun müsse eben irgendetwas anderes passieren und beispielsweise das Konzept des zentralen Marktplatzes umgesetzt werden, um Rietberg als Einkaufsstandort zu sichern.

Parkplatzsituation heiß diskutiert

Immer wieder war auch die schwierige Parkplatzsituation Thema am Redaktionsmobil der „Glocke“. Die ohnehin wenigen Stellflächen sollten bitte erhalten bleiben, formulierte Sonja Fietz ihren Wunsch an Politik und Verwaltung. Ein Parkhaus hinter dem Schnäppchenmarkt könnte sich Ralf Langenscheid gut vorstellen. Vielleicht würde das auch Gerda Petersen entgegenkommen, denen jene Blechkarossen ein Dorn im Auge sind, die von morgens bis abends am Westwall – wo sie seit 45 Jahren wohnt – abgestellt werden. Weniger Verkehr in der Innenstadt, dafür mehr Angebote für Kinder – das wünschen sich Anja Flöttmann und Irina Renken.

Bettina Schmalen-Gand hätte schon eine Idee: und zwar eine Dependance der Kreismusikschule in einem zentralen Gebäude, das ihr kostengünstig, besser noch mietfrei überlassen würde. Dort könnte die Institution dann Kurse für den hoffnungsvollen Nachwuchs anbieten, während die Eltern in der Innenstadt bummeln und so alle gemeinsam eine stärkere Frequentierung als bislang bewirken. „Man muss bereit sein, neue Wege zu gehen“, sagt die Instrumentallehrerin.

Steh-Espressobar in zentraler Lage

Einen konkreten Wunsch haben Monika Wiemann und Elke Dietrich – und zwar den nach einer Steh-Espressobar, in die man während des Bummels mal schnell hineinschlüpfen, einen Kaffee trinken und Small-Talk betreiben kann. Bestenfalls läge dieses unkomplizierte Café zentral, also in unmittelbarer Nähe zum Rathaus, meinen die beiden Frauen. Ein größeres Angebot bei bezahlbarer Mode, außerdem ein Sportgeschäft ist das, was Isabell Kröger fehlt. Mehr dürfte es ihres Erachtens auch in der Gastronomie sein – und zwar am liebsten von solchen Gaststätten, die sich ein Vorbild am „1643“ nehmen. „Das ist wirklich eine Bereicherung“, sagt die Westerwieherin.

SOCIAL BOOKMARKS