Kein Ermittlungsverfahren gegen Heim
Bild: Daub
Eine strafrechtliche Verfolgung des Falls im Altenpflegeheim St. Johannes findet nicht statt.
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Der Gütersloher Rechtsanwalt Martin Rother, der im Auftrag seiner Mandantin Kornelia Haarmann-Vieding (56) aus Neuenkirchen eine Strafanzeige wegen Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung von Schutzbefohlenen gegen das Altenpflegeheim erstattet hatte, hofft jetzt auf Zeugen, „die den Mut haben, auszusagen.“

Wie „Die Glocke“ am 23. August berichtet hatte, war in der Einrichtung an der Rügenstraße die 89-jährige Christine Haarmann (Mutter der Klägerin) während ihres zwölftägigen Kurzzeitpflege-Aufenthalts im Mai dieses Jahrs am Knie verletzt worden. Die Rentnerin kehrte mit einer offenen und nicht versorgten Wunde nach Hause zurück. Eine ärztliche Behandlung schloss sich an, die Wunde war erst nach fünf Wochen geheilt.

Die Mitarbeiterin eines ambulanten, in Rietberg ansässigen Pflegedienstes, die regelmäßig die 89-Jährige betreute, entdeckte die Verletzung und benachrichtigte die Angehörigen. Die an Demenz erkrankte Seniorin konnte über die Herkunft der Verletzung keine Auskunft geben. Die Heimleitung war nicht bereit, den Vorfall aufzuklären. Daraufhin schaltete die Tochter der Betroffenen den Rechtsanwalt ein. Am 23. Mai wurde Strafanzeige gestellt. Heimleiter Hubert Löbbecke hat auf Anfrage der „Glocke“ erklärt: „Inhaltlich nehme ich dazu keine Stellung. Das Problem lässt sich nur gerichtlich klären.“

In dem Schreiben der Bielefelder Staatsanwaltschaft, das Staatsanwalt Christoph Mackel unterzeichnete, heißt es: „Die polizeilichen Ermittlungen konnten keinen Nachweis dafür erbringen, dass respektive der Frau Christine Haarmann in dem St.-Johannes-Baptist-Altenheim in Rietberg in der Zeit vom 9. bis 20. Mai 2014 vorsätzlich oder fahrlässig Verletzungen am Knie zugefügt worden sind.“ Weitere Nachforschungen würden zur Zeit keinen Erfolg versprechen. Weiter heißt es: „Sollten sich nachträglich Anhaltspunkte für die Klärung der Straftat ergeben, werden die Ermittlungen wieder aufgenommen.“

Rechtsanwalt Martin Rother bilanzierte: „Wer für die Verletzung verantwortlich ist, bleibt vorerst offen. Alle mutmaßlichen Beteiligten bestreiten, mit der Sache etwas zu tun zu haben. Aber wir haben einige Anrufe von Personen erhalten, die über erhebliche Missstände im Altenpflegeheim berichtet haben.“ Und Klägerin Cornelia Haarmann-Vieting betonte gegenüber der „Glocke“: „Vielleicht hat doch jemand etwas gesehen. Und traut sich endlich, dies zu bezeugen.“

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