Klangvolles in märchenhafter Kulisse
Bild: Vredenburg
Einfach umwerfend in ihren Rollen: Maren Hanswillemenke (r.) gibt die böse Stiefmutter, Adeline Moreau die ungehobelte Tochter.
Bild: Vredenburg

Wie im Fluge verging die fast dreistündige Vorstellung der Jugend-Musical-Bühne Rietberg unter der Leitung von Paul-Leo Leenen. Schon der Anfang des Stücks ist furios: Tosender Applaus lässt die Cultura erbeben. Das Spiel beginnt im Halbdunkel. Während sich das „Gesindel“ auf der Bühne sammelt, um die umfangreichen Beschäftigungen auf dem väterlichen Gutshof aufzunehmen, bleibt den Zuschauern genügend Zeit, tief in die märchenhafte Kulisse einzutauchen. Erst nach Minuten erleuchten Scheinwerfer die scheinbare Idylle. Gerade rechtzeitig kommt diese sprichwörtliche Erleuchtung für den großen Auftritt der herrschsüchtigen Stiefmutter (Maren Hanswillemenke) und ihrer verzogenen Tochter (Adeline Moreau).

Grandios besetzte Rollen

Grandios besetzt, stürzen sich die beiden schrägen Schönheiten stimmgewaltig und mit überbordender Spielfreude in das turbulente Geschehen – und auf das „schmutzige“ Aschenbrödel, in Spiel und Gesang bezaubernd und brillant verkörpert von Luisa Oesterwiemann (15). „Heul nicht, es wird wieder bessere Zeiten geben“, raten die wenig zimperlichen Bediensteten dem armen Ding. „Als ob ich heule – ich habe Wut“, ruft Aschenbrödel, sattelt ihr Pferd – das passender Weise auf den Namen „Nikolaus“ hört – und und bittet es, sie weit hinaus in die Welt zu tragen, weit weg von dem Hof ihres Vaters, den die böse Stiefmutter geerbt hat. Im Wald trifft Aschenbrödel auf den edlen Königssohn (in einer Paraderolle Marius Frese), der sich anschickt, harmlose Tiere zu jagen. Die Verzweifelte weiß das zu verhindern – und dem „Möchtegernprinzen, diesem Gold- und Silberpüppchen“, wie sie ihn nennt, gehörig den Kopf zu verdrehen. Mittlerweile betritt auch der König (Jannis Gnädig) schlecht gelaunt die Bühne des Rietberger Rundtheaters. Er fragt sich, wo die Königin (Anna Merschbrock) denn bleibt: „Weit und breit nichts zu sehen von ihr. Dabei will sie, wenns ums Regieren geht, immer ganz vorn dabei sein“. Die Bediensteten klären die Verspätung auf: „Das Navi hat uns den falschen Weg gezeigt“.

Prinz will nur die Eine

Der schlecht gelaunte König findet es an der Zeit, den ungeratenen Sohn zu verheiraten und veranstaltet vor diesem Hintergrund einen Hofball. Jedes wohlanständig gewandelte Frauenzimmer, „so stattlich es auch sei“, ist eingeladen, an diesem Großereignis mitzutun. Der Prinz will aber nur die Eine, die dank der Hilfe der niedlichen Täubchen (gespielt von Lilli Ackermann, Johanna Schlüter, Madleen Lücklenotto, Lena Sudahl und Magdalena Senger) gerade noch rechtzeitig zum Ball erscheint.

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