Konservator durchkreuzt Kirchenpläne
Bild: Vredenburg
Die Immobilie belegt laut Gutachten, wie in den 1920er-Jahren das Raumprogramm eines Pfarrhauses aussah, und veranschauliche damit die Wohn- sowie Arbeitssituation eines Priesters.
Bild: Vredenburg

Entworfen vom Architekten Max Sonnen, künde die Immobilie „vom etablierten Heimatstil der 1920er-Jahre“. Das Pfarrhaus, so schreibt Dr. Michael Huyer vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe, sei – nicht zuletzt als später gestalterischer Impuls Sonnens im Rietberger Stadtkern – für eben diesen Baustil von hoher Bedeutung. Die Immobilie belege, wie zur Zeit der Weimarer Republik das Raumprogramm eines Pfarrhauses in einer Kleinstadt aussah und veranschauliche damit die Wohn- sowie Arbeitssituation eines Priesters. Für Erhalt und Nutzung lägen wissenschaftliche, genauer gesagt architekturgeschichtliche Gründe vor, führen die Münsteraner Denkmalschutzexperten aus.

Der besondere Status des Pfarrhauses soll am Dienstag, 22. Januar, Thema im Bau-, Planungs- und Verkehrsausschuss sein, der ab 17 Uhr im Alten Progymnasium tagt – vermutlich aber auch nur in Form einer nachrichtlichen Mitteilung. Denn die Würfel sind längst gefallen. Drei Monate hat die Verwaltung Zeit, dem LWL eine Durchschrift des Eintragungsbescheids nebst Kopie der Denkmallisteneintragung „zur Kenntnis zu geben“. Der Verwaltung stehe kein Ermessensspielraum zu, schreibt Bürgermeister Andreas Sunder in der Vorlage zur Sitzung.

Keinen gesteigerten Wert auf einen besonderen Schutzstatus seiner Wohnung hatte Pfarrer Andreas Zander gelegt. Ganz im Gegenteil: „Das hat unsere gesamte Planung über den Haufen geworfen“, sagt der Geistliche. Denn bekanntlich muss sich die katholische Gemeinde vor dem Hintergrund der Bildung eines Pastoralen Raums in Rietbergs Mitte baulich verändern – und dem Pfarrhaus beziehungsweise der Fläche, auf dem es steht, kam eine zentrale Rolle in den Überlegungen zu. Nun aber, da keine Maßnahmen mehr zulässig sind, die die Architektur der Immobilie verändern, geschweige denn ein Abriss und der Neubau eines modernen Verwaltungssitzung für die Großgemeinde möglich wären, müssen die Verantwortlichen ganz neu denken. Außer einen behutsamen Sanierung geht nichts.

„Inwieweit das Gebäude einen ortsbildprägenden Charakter hat, muss jeder für sich selbst entscheiden“, sagt Andreas Zander. Außer Einschränkungen habe man vom Denkmalstatus nichts, macht der Geistliche deutlich. Aber: „Das ist jetzt so, damit müssen wir leben.“

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