Krippe erzählt besondere Geschichte
Bild: Wille
Im Atrium des Klosters kümmerten sich (v. l.) Schwester Diemut und Schwester Beate um den Aufbau der  Krippe. Die afrikanischen Figuren erzählen eine persönliche Geschichte.
Bild: Wille

Eine der Schwestern verbindet mit den Figuren eine sehr persönliche Geschichte. Schwester Diemut ist vor 35 Jahren ins Kloster eingetreten. Ein zweijähriger Aufenthalt in Afrika sollte ihrem Leben eine Wende geben. Als sie in einem Krankenhaus in Simbabwe gearbeitet hat, knüpfte sie Kontakt zu den Missionaren. „Ich bin in Afrika zu meinem katholischen Glauben zurückgekommen“, erzählt sie. Als sie dort einen Gottesdienst in einem Dorf unter einem Baum besuchte, sprang die Freude an Gott, wie sie dort im Glauben lebendig war, wie ein Funke auf sie über. Später, nachdem ihr Glaube, der durch Skepsis und Gleichgültigkeit verschüttet war, wieder lebendig wurde, kam der Gedanke, in ein kontemplatives Kloster zu gehen, bei der heute 71-Jährigen auf. Es brauchte aber noch fünf Jahre in Deutschland, bis sie in Varensell eintrat.

„Ich hatte schon immer eine tiefe Beziehung zu Weihnachten.“ Vor ihrem Eintritt sei sie auf einer Israelreise in Bethlehem gewesen, wo ihr zum ersten Mal bewusst geworden sei, dass Gott Mensch geworden ist, sagt Schwester Diemut. Bei ihrem Aufenthalt in Simbabwe lernte sie die Schnitzerschule auf einer Missionsstation kennen. Jungen aus dem Busch übten dort die Kunst des Schnitzens aus. Auch Krippenfiguren haben sie gefertigt.

Als Schwester Diemut vor 35 Jahren in das Kloster eintrat, bekam sie die afrikanischen Krippenfiguren geschenkt. „Für mich ist die Krippe eine Verbindung zu den Menschen in Simbabwe“, sagt sie. Jedes Mal, wenn die Krippe im Atrium des Varenseller Klosters aufgebaut wird, erinnert sich die gebürtige Berlinerin an ihre Zeit in Afrika, wie sie zum Glauben zurückfand und der Wunsch aufkeimte, in ein Kloster einzutreten.

Wenn Besucher erstaunt vor der Krippe stehen bleiben und fragen, warum im Kloster schwarze Figuren stehen, kann Schwester Diemut ihre persönliche Geschichte erzählen. Eine Geschichte über Glauben, Menschlichkeit und Veränderungen im Leben. Eine Geschichte, wie sie nicht jede Krippe in sich trägt.

Aber die afrikanischen Figuren haben noch viel mehr zu erzählen: Es ist eine wichtige christliche Botschaft, die sich aus dem Nachdenken über die Geburt Jesu und die Menschwerdung Gottes ergibt.

Zeichen der Solidarität

Das Kloster besitzt mehrere Krippen. Dennoch haben sich die Schwestern zuletzt bewusst für die afrikanische Krippe von Schwester Diemut entschieden. Denn die schwarzen Figuren sind ein Symbol für die Flüchtlingsproblematik.

„Wir hören so viel von den Flüchtlingen und wir fühlen uns für sie mitverantwortlich. Die afrikanische Krippe erinnert uns an diese armen, heimatlosen Menschen“, betont Schwester Beate. Sie stellt jedes Jahr die Krippe im Atrium des Klosters auf. Die schwarzen Holzfiguren hat sie schon gut zehnmal aufgebaut. In Zeiten, in denen immer mehr Hilfsbedürftige auch nach Rietberg kommen, sei es umso wichtiger, die Besucher des Klosters mit einem Zeichen der Solidarität auf diese Problematik aufmerksam zu machen.

Über den Krippenfiguren haben die Schwestern einen Sternenhimmel angebracht. „Er verbindet uns alle “, sagt Schwester Beate und bringt den letzten, größten aller Strohsterne an.

Die Krippe ist absichtlich sehr schlicht gehalten. Vor den drei schwarzen Figuren steht lediglich eine Kerze und eine Christrose. „Ich wollte etwas Schlichtes und habe bewusst nichts Auffälliges gewählt“, erklärt Schwester Beate.

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