Kuper-Kandidatur erwischt Parteien kalt
Bild: Neitemeier
„Ich bin ja nicht aus der Welt“: André Kuper betonte, dass er und seine Familie weiterhin in Rietberg wohnen bleiben, sollte er am 13. Mai in den Landtag gewählt werden. Auch den Vorsitz des Gartenschaupark-Fördervereins wolle er behalten. „Rietberg bleibt unsere Heimat.“
Bild: Neitemeier

„In seiner 15-jährigen Amtszeit hat André Kuper die Stadt weit nach vorne gebracht, da beißt die Maus keinen Faden ab“, sagte Grünen-Fraktionssprecher Hans-Dieter Vormittag. Doch obwohl er vordergründig immer auf eine möglichst breite Bürgerbeteiligung gesetzt habe, sei Kuper wenn es darauf ankam doch ein „Mann der einsamen Entscheidungen“ gewesen. Jüngstes Beispiel sei der geplante Rewe-Neubau in Neuenkirchen.

Sunder: „Bürger sollten die Wahl haben“

„Bei allen Differenzen in Sachfragen ist André Kuper jemand, der mit großem Engagement viel für Rietberg erreicht hat“, sagte der Bokeler Ortsvorsteher und FWG-Stadtverbandschef Andreas Sunder. In Düsseldorf könne Kuper demnächst die Politik aus dem selben Blickwinkel verfolgen wie die Freien Wähler seit Jahrzehnten in Rietberg – nämlich von der Oppositionsbank aus. Die FWG werde jetzt einen Kandidaten für die anstehende Bürgermeisterwahl suchen, möglicherweise im Schulterschluss mit den übrigen Oppositionsfraktionen. Sunder: „Die Bürger sollten eine echte Wahl haben und nicht nur ja oder nein ankreuzen können.“

Muhle: „Glanzzeiten waren längst vorbei“

Für SPD-Fraktionschef Gerd Muhle hat sich der Kuper-Rückzug schon seit einiger Zeit abgezeichnet. „Dass er sich zu Höherem berufen fühlt, war klar.“ Kupers Wechsel an den Rhein könne man an der Ems als Chance sehen, denn: „Seine Glanzzeiten als Bürgermeister waren seit längerem vorbei.“ Zu festgefahren seien zuletzt die Differenzen zwischen Stadtoberhaupt und Opposition gewesen.

Prill: „Herber Schlag für Rietberg“

„Für Rietberg ist Kupers Wechsel in den Landtag ein herber Schlag, für ihn persönlich eine große Chance“, erklärte FDP-Fraktionssprecher Harald Prill. Einen adäquaten Nachfolger für das Amt des Bürgermeisters zu finden, werde schwer, denn: „Es gibt kaum jemanden, der ihm das Wasser reichen kann.“

Schütte: „Zu Dank verpflichtet“

Kupers Leistungen für die Stadt seien vorbildlich, attestierte ihm auch CDU-Fraktionschef Franz-Josef Schütte. Für ihn ist klar: „Ob in Rietberg oder Düsseldorf – André Kuper wird weiterhin Vollgas geben.“ Die CDU könne ihm für sein Engagement nur danken – und ihn im anstehenden Landtagswahlkampf nach Kräften unterstützen. Über einen Nachfolger will sich Schütte erst ab Mai Gedanken machen.

Kuper: „Entscheidung nicht leicht gemacht“

Nicht leicht gemacht hat sich André Kuper nach eigenem Bekunden die Entscheidung, den Chefsessel im Rietberger Rathaus gegen einen Platz im Düsseldorfer Landtag einzutauschen. „Ich bin aber davon überzeugt, dass ich für die Menschen aus dem Südkreis Gütersloh im Landesparlament viel bewegen kann“, sagte Kuper der „Glocke“. Ausschlaggebend sei letztlich die Tatsache gewesen, „dass wir uns rund um die Uhr bemühen können, das Beste für unsere Stadt zu erreichen, aber regelmäßig aus Düsseldorf Steine in den Weg gelegt bekommen, die uns den Boden unter den Füßen wegziehen“. Als Beispiel nannte Kuper die drohende finanzielle Mehrbelastung durch die Abundanzumlage, die selbst solide wirtschaftende Städte an den Rand des Ruins treiben könne.

Neuwahl binnen sechs Monaten

Kuper kündigte an, bei der Suche eines geeigneten Nachfolgers für ihn behilflich sein zu wollen, „sofern ich gefragt werde“. Bis zum 13. Mai bleibe er im Amt. Sollte er die Landtagswahl im Südkreis Gütersloh für die CDU gewinnen, müsse er den Bürgermeister-Posten zeitnah niederlegen. Spätestens nach sechs Monaten müssten die Rietberger in einem weiteren Urnengang über seinen Nachfolger abstimmen. Bis dahin vertrete ihn in Amtsgeschäften der Kämmerer und Erste Beigeordnete Dieter Nowak.

SOCIAL BOOKMARKS