Landgericht spricht 32-Jährigen frei
Das Landgericht Bielefeld hat einen 32-Jährigen freigesprochen, der in Verdacht stand, seine Lebensgefährtin in der gemeinsamen Wohnung in Varensell vergewaltigt zu haben.

Dabei habe nicht zweifelsfrei festgestellt werden können, dass eine Vergewaltigung stattgefunden hat, sagte Guiskard Eisenberg, Pressesprecher des Landgerichts, gegenüber der „Glocke“. Was unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt wurde, waren harte Vorwürfe, die die Frau erhoben hatte und die zur Anklageerhebung geführt hatten: Im April soll der Lebensgefährte der Mutter zweier Kinder, die nach relativ kurzer Beziehung seit Dezember 2017 mit ihm Tisch und Bett in einer Fünfzimmerwohnung in Varensell geteilt hatte, aus Eifersucht „mit der Hand einen kräftigen, schmerzhaften Schlag gegen die linke Wange“ versetzt haben.

Angeklagter: „Sie hat mich ständig kontrolliert“

Drei Nächte später habe er sie gezwungen, trotz des anhaltenden Streits mit ihm zu schlafen. Am 20. Mai will sie dann von ihm vergewaltigt worden sein. Am 28. Juli, so klagte die Frau ihren Lebensgefährten weiter an, habe er sie beim Versuch, ihre letzten Sachen aus der Wohnung abzuholen, vor dem Haus auf dem Hof „weggezerrt“. Hämatome, Hautabschürfungen und Nackenschmerzen seien die Folgen gewesen.

„Alles Lüge“, erklärte der 32-Jährige vor Gericht standhaft: „Sie hat mich ständig kontrolliert. So hat sie an meinem Handy herumgefummelt, um Beweise für ihre Eifersucht zu finden. Ich habe dann zu ihr gesagt, sie soll ihre Sachen packen.“ Sie habe daraufhin geweint und geschimpft. Wochen später habe sie ihm angeboten, gemeinsam einen Urlaub in der Türkei zu verbringen – er habe abgelehnt.

Gleich zu Beginn der Verhandlung hatte der vorsitzende Richter der 21. Strafkammer betont, der Angeklagte könne, falls er schweigen wolle, nicht mit einer bewährungsfähigen Strafe rechnen. So schilderte der Mann aus Kasachstan, der inzwischen in Dormagen wohnt und von Rechtsanwalt Stephan Scheffel begleitet wurde, ausführlich seine konfliktreiche Beziehung.

Vermeintliches Opfer verstrickt sich in Widersprüche

Nichtöffentlich prüfte die Kammer im Anschluss die Aussagen des vermeintlichen Opfers. Die Frau hatte sich sowohl bei drei polizeilichen Vernehmungen als auch im Gerichtssaal bezüglich des Kerngeschehens in erhebliche Widersprüche verstrickt. Öffentlich hörte die Kammer zudem mehrere Zeugen. Erneut hinter verschlossenen Türen erfolgten dann die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung.

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