„Lebenshof“ bietet Tieren eine Heimat
Bild: Daub
Tierärztin Astrid Reinke ist die große Liebe von „Murphy“. Der einst als bissig verschrieene Cocker Spaniel ist der vierbeinige Bewacher der ersten Vorsitzenden des Vereins „Achtung für Tiere“ in Varensell.
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Die Kaltschnauze rastete aus, bekam Wutanfälle. Heute genießt der Vierbeiner ein friedliches Dasein auf dem „Lebenshof“ des Vereins „Achtung für Tiere“ am Vossebeinweg 40 in Varensell. Am Wochenende zeigte Murphy vielen Besuchern, wie lieb er sein Frauchen Astrid Reinke hat.  „Murphy kam vor fünf Jahren zu uns, weil er sichtlich unglücklich wirkte“, schildert Astrid Reinke, Vorsitzende des Vereins. Sie gestaltete am Samstag und Sonntag mit ihrer Stellvertreterin Frauke Albersmeier und einigen ehrenamtlichen Helfern das Fest anlässlich des zehnjährigen Vereinsbestehens – mit Hofführungen, Theaterspielen der Jugendgruppe, einem Tierschutzparcours, Vorträgen und einer Menge anderer Angebote.

Projekt am Rand des Klosterdorf

Das Idyll „Lebenshof“ ist ein Traum, den sich das Tierärzte-Ehepaar Astrid und Heinrich Reinke vor drei Jahren mit dem Kauf des ziemlich heruntergekommenen Anwesens erfüllt hat. Astrid Reinke gab ihre Gütersloher Praxis auf, um sich vollherzig ihrem Projekt am Rande des Klosterdorfs zu widmen. Unterstützt von ihrem Mann, der als Veterinär beim Kreis Gütersloh tätig ist, wurde die Immobilie saniert.

Doch viele Wünsche der „Lebenshof“-Gründer sind noch immer nicht in Erfüllung gegangen – etwa der Ausbau eines Stalls für drei Esel, die einem 19 Jahre alten Hengst als Freundinnen bis zu seinem Tod auf der Wiese das Leben verschönert haben. „Herbert“, wie der Esel hieß, aus einem Reitstall im Kreis Gütersloh regelrecht befreit, denn er war dort jahrelang allein und einsam, stand sozusagen überflüssig im Weg. Damit entsprach er genau den Zielsetzungen des Vereins „Achtung für Tiere“, „unvermittelbare Tiere“ aufzunehmen. Einmal auf dem Hof angekommen, ließ Astrid Reinke „Herbert“ kastrieren. Seine letzten Lebensjahre mit weiteren Eseln entsprachen dem ihm angeborenen Herdentrieb. „Er trottete wie ein Hündchen hinter mir her“, schildert die Tierärztin.

100 Mitglieder stark

Nach der Gründung des Vereins, der heute 100 Mitglieder stark ist, sind weitere „Unvermittelbare“ als Bewohner auf dem „Lebenshof“ untergekommen, und jedes Tierschicksal gibt eine Story her. Heute leben neben den Eseln zwei Pferde, 21 Katzen, sechs Hunde, drei Hühner und ein Hahn am Vossebeinweg 40 – und sieben weiße Mäuse, die einmal für Laborversuche bestimmt gewesen sind. „Wir haben sie aus einem illegalen Transport gerettet“, sagt Astrid Reinke schlicht.

Metallesel kann sprechen

Der erste sprechende Goldesel im Kreis Gütersloh heißt „Herbert“ und hat seit Sonntag auf dem „Lebenshof“ in Varensell seinen festen Standort. Die lebensgroße Metallskulptur hat der Rietberger Künstler Angelo Monitillo mit Jugendlichen des Vereins „Achtung für Tiere“ an fünf Wochenenden aus vielen Metallteilen zusammmengeschweißt. Zwei Rietberger Elektriker „lehrten“ den metallenen Nachfahren des besagten 2013 gestorbenen gleichnamigen Tiers, wie er ein langgezogenes markerschütterndes „Iiiiaaah“ schreit. Sobald eine Münze im Nasenloch verschwunden ist, passiert sie eine Lichtschranke, löst über eine Soundvorrichtung den typischen Ruf aus und landet in einer Kassette. „Herbert“ schluckt sogar Geldscheine, nur eines kann er (noch) nicht: Nach dem Befehl „Streck Dich!“ wie in Grimms Märchen Goldstücke hervorbringen.

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