Lehrstelle schenkt Flüchtling Hoffnung
Bild: Wille
Jede Menge Spaß hat Almamy-Laye Soumah bei der Arbeit mit der Kreissäge. Vor zwei Jahren ist der Afrikaner nach Deutschland geflüchtet. Jetzt hat der 22-Jährige einen Ausbildungsplatz beim Unternehmen Drücker und Schnitger in Rietberg bekommen.
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 „Weil er ein toller Kerl ist, haben wir ihm eine Lehrstelle angeboten“, sagt Erasmus Drücker. Die Firma Drücker und Schnitger Baudenkmalpflege hat mit akutem Fachkräftemangel zu kämpfen. Als Almamy-Laye sein Praktikum in dem Rietberger Unternehmen antrat, waren die beiden Geschäftsführer sofort begeistert. Denn der junge Afrikaner, der in einem Flüchtlingswohnheim in Rheda lebt, ist ehrgeizig. Drücker und Schnitger haben sich nach der dreimonatigen Hospitanz von Almamy-Laye dazu entschieden, ihm einen Ausbildungsplatz anzubieten.

„Man kann alles lernen“

Erst zwei Jahre in der neuen Heimat, kann der junge Afrikaner schon sehr gut Deutsch sprechen und hat am Kolping-Berufskolleg seinen Hauptschulabschluss gemacht. „Man kann alles lernen“, sagt er und lächelt. Sein Plan A sei es gewesen, Elektriker zu werden. Weil es sich in dem Bereich aber schwierig gestaltete, eine Ausbildung zu finden, habe sich der 22-Jährige auf das Zimmereihandwerk spezialisiert. Eine Lehre zu bekommen, war für Almamy-Laye sehr wichtig. Denn wenn er eine Stelle hat, ist sein Aufenthalt in Deutschland zunächst gesichert. Und die Zukunft könnte sogar noch besser aussehen: „Wenn er so weitermacht, würden wir ihn auch übernehmen wollen“, sagt Erasmus Drücker.

Über die Arbeit integrieren

„Über die Arbeit können sich die Flüchtlinge unglaublich gut integrieren“, findet Erasmus Drücker. Wenn Almamy-Laye mit seinem Ausbildungsleiter Patrick Kordsmeier auf der Baustelle ist, wird ausschließlich deutsch gesprochen. „Das klappt alles sehr gut“, sagt Kordsmeier zufrieden. Das ganze Team ist froh darüber, einen zuverlässigen Mitarbeiter gefunden zu haben. „Gute Leute sind unsere Zukunft. Da ist doch völlig egal, wo sie herkommen“, macht Drücker deutlich. Der junge Afrikaner habe seine Kollegen schon des Öfteren zum Lachen gebracht. „Er ist schon ein Naseweis. Er meinte, die Ausbildung könne er auch in einem halben Jahr schaffen“, erinnert sich Erasmus Drücker und lacht.  Auch Almamy-Laye Soumah fühlt sich in dem Unternehmen wohl. Täglich fährt er mit dem Bus von Rheda aus dorthin. Er habe schon viele Freunde gefunden. „Manchmal grillen wir zusammen“, sagt er.

Neue Unterkunft finden

So sehr sich das Unternehmen Drücker und Schnitger darüber freut, dass Almamy-Laye Soumah sich bei ihnen wohlfühlt und auch noch eine große Hilfe fürs Team ist, ist ihnen auch bewusst, dass die Situation für den Flüchtling nicht ganz einfach ist. „Wenn man lebt wie Almamy, kann man so einen Beruf nicht lernen“, sagt Erasmus Drücker. Er möchte sich dafür einsetzen, dass der junge Afrikaner eine Wohnung mieten und das Flüchtlingswohnheim an der Lessingstraße in Rheda verlassen kann.

Führerschein ein Muss

„Es ist uns auch wichtig, dass er einen Führerschein hat, weil das zum Berufsbild gehört“, ergänzt Rainer Schnitger. Die beiden Geschäftsführer könnten sich durchaus vorstellen, dem 22-jährigen Azubi den Führerschein vorzufinanzieren. Auch einen Anhängerschein müsste der Afrikaner machen. „Den würden wir bezahlen, weil er den privat ja eigentlich nicht braucht“, betont Drücker.

Flüchtlinge leiden unter viel Druck

Dass sich ein Betrieb so sehr für einen Flüchtling einsetzt, ist nicht selbstverständlich. Aber: „Langsam entwickelt sich mehr Verständnis bei den Ausbildungsbetrieben“, weiß Klaus Pferner, Schulleiter des Kolping-Berufskollegs in Gütersloh. Er unterstützt viele Flüchtlinge und konnte schon mehreren eine Arbeitsstelle vermitteln. „Der Druck, der auf den jungen Leuten lastet, ist enorm“, sagt er. Denn wenn sie keinen Job finden, drohe oft die Abschiebung. Die Suche nach einer Perspektive sei oft sehr belastend für die Heimatsuchenden. „So lange die Behörden eine positive Entwicklung sehen, ist alles gut“, betont er. Derzeit versucht Pferner, „rechtliche Grauzonen auszuloten“. So sei etwa zu überprüfen, ob Almamy-Laye Soumah Anrecht auf Mietzuschuss habe.

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